Kairo. "Bevor ich noch einmal einen schlechten Film drehe, spiele ich lieber Bridge", hat Omar Sharif einmal gesagt. Und setzte seinen Plan in die Tat um. Denn der nun im Alter von 83 Jahren verstorbene ägyptische Schauspieler war nicht nur das bekannte Gesicht aus "Lawrence von Arabien" und "Doktor Schiwago", sondern auch Profi im Bridgespiel. 1973 befand sich Sharif mit seinem Team auf dem Höhepunkt dieser "Kunst" und wurde sogar Weltmeister.

Das Bridgespiel und das Schauspiel, beide waren sie ihm Versuchungen, für beide brannte Omar Sharif leidenschaftlich. Doch sie blieben nicht die einzigen Leidenschaften: Da waren die Pferdewetten. Und da war das Glücksspiel. "Ich habe all das irgendwann aufgegeben", sagte Sharif, "denn ich wollte nicht mehr der Sklave meiner Leidenschaften sein. Ich wollte mehr Zeit mit meiner Familie verbringen und mich nur mehr auf meine Arbeit konzentrieren."

Seit 2012, als man bei Omar Sharif Alzheimer diagnostizierte, ist es still um ihn geworden. Erst letzten Monat brach er zu einem Erholungsurlaub in seine Heimat auf. In Kairo starb Sharif am Freitag an einem Herzinfarkt.

Arabischer Ruhm

In Alexandria wurde er am 10. April 1932 als Michel Demitri Shalhoub in eine libanesische Familie geboren und katholisch erzogen. Er studierte Mathematik und Physik und stieg nach seinem Abschluss ins familieneigene Bauholz-Geschäft ein.

Unter dem Namen Omar el Cherif begann er 1953 in dem ägyptischen Film "Tödliche Rache" von Youssef Chahine seine Filmkarriere. Indem er den Namen Omar El-Sharif annahm, trat er vom Christentum zum Islam über, damit er 1955 die berühmte ägyptische Schauspielerin Faten Hamama heiraten konnte. Hamama, von der er sich 1966 trennte und mit der er einen Sohn namens Tarek hatte, bezeichnete Sharif bis ins hohe Alter als "meine einzige große Liebe".

Während Sharif in den frühen 60er Jahren schon ein Star in der arabischen Filmwelt war, wurde er dank der Mitwirkung in David Leans Monumentalfilm "Lawrence von Arabien" schlagartig weltberühmt. Sein minutenlanger Ritt direkt auf die Kamera zu in der Rolle des Scheichs Sherif Ali brachte Sharif einen Golden Globe und eine Oscarnominierung.

Hollywood erkannte das Potenzial des charismatischen, eleganten und vor allem verführerisch gut aussehenden jungen Mannes für sein boomendes Sandalen-Genre, und so wurde Sharif zur Mitwirkung an Filmen wie "Der Untergang des Römischen Reiches" (1964) oder "Dschingis Khan" (1965) geködert. Geradezu bombastisch auch sein Titelpart in "Doktor Schiwago", dem wohl aufwendigsten Film des Genres, mit dem Sharif endgültig zum Superstar wurde. Fortan konnte Sharif spielen, was er wollte, sogar einen deutschen Wehrmachtsoffizier in "Die Nacht der Generäle" (1967) kaufte man dem Ägypter ab. Doch das hatte auch Folgen: Mehr und mehr seiner wahllos ausgesuchten Filme floppten.

Der Absturz

Ein Teufelskreis begann: Omar Sharif flüchtete sich ab den 70er Jahren in die Spielsucht. "Bald hatte ich kein Geld mehr", sagte er. "Ich musste also weiterhin schlechte Filme machen, um meine Schulden zu bezahlen. Ich war mit den Schulden sozusagen immer einen Film hintennach."

Dabei war es gerade das Casino, das Sharif Trost spendete, wenn er wieder einmal monatelang für Dreharbeiten unterwegs und abends einsam war. "Casinos sind der einzige Ort, wo dich niemand blöd anstarrt, wenn du alleine bist", so Sharif. Das zehrte an ihm: Bis zu seinem dreifachen Bypass 1992 rauchte Sharif 100 Zigaretten täglich. Immer wieder fiel er durch Prügelattacken in Casinos auf.

Trotz Spielsucht war Sharif eigentlich bescheiden. Für "Lawrence von Arabien" bekam er bloß 8000 Pfund Gage, "Doktor Schiwago" machte er für 15.000 Dollar. "Mein Agent riet mir, das Studio zu verklagen, nachdem der Film ein Erfolg wurde. Doch ich wollte nicht, dass man glaubte, ich wäre nur auf Geld aus."

Die Filmwelt verliert mit Omar Sharif einen ihrer elegantesten Schauspieler. Der smarte Charmeur feierte 2003 in "Herr Ibrahim und die Blumen des Koran" ein spätes, umjubeltes Comeback, das Sharif den Darstellerpreis in Venedig und einen César einbrachte. Endlich schien er da, wo er hingehörte: im Zentrum der europäischen Filmkunst, ganz ohne Sandalen.