Ein mildes Lächeln von Ingrid Bergman in Fjällbacka. - © Arnold
Ein mildes Lächeln von Ingrid Bergman in Fjällbacka. - © Arnold

Die schwedische Schauspielikone Ingrid Bergman wäre am 29. August 100 Jahre alt geworden. Die Filmwelt feierte sie schon im Mai bei den Filmfestspielen in Cannes, wo ihr Bild das Plakat zierte und Stig Björkman die private Dokumentation "Ich bin Ingrid Bergman" vorstellte. Und der Verlag Schirmer/Mosel hat den Prachtband "Ingrid Bergman. Ein Leben in Bildern", herausgegeben von Tochter Isabella Rossellini, veröffentlicht.

"Ich habe in meinem Leben viel geliebt", soll Ingrid Bergman gesagt haben. Ihre Leidenschaft galt der Schauspielerei, die ihr drei Oscars einbrachte, und den Männern, von denen sie drei heiratete und wieder verließ. Doch ihr Herz schlug auch für besondere Orte auf der Welt. Sie lebte in glamourösen Orten wie Hollywood und Rom, kam für den Sommer jedoch immer wieder nach Schweden. Ihr dritter Mann Lars Schmidt war es, der die gerüchteumwobene Schauspielerin 1958 mit ihrer Heimat versöhnte, oder zumindest mit einem kleinen Teil davon: der eigenen Insel Dannholmen in der Nähe von Göteborg. In das Sommerhaus kam Ingrid jedes Jahr, sogar nach der Scheidung nach fast 20 Ehejahren.

Sandalen für Alfred


Doch natürlich kann man keinen noch so entspannten Urlaub in absoluter Isoliertheit verbringen, und Ingrids Weg führte sie Sommer für Sommer an den Hafen des zehn Bootsminuten entfernten Örtchens Fjällbacka. Dort versammeln sich seit jeher gut betuchte Schweden in der Sommerfrische, um an der Promenade frisch gefangene Krabben und einfach das Leben zu genießen. So ziemlich jeder erwachsene Bewohner von Fjällbacka erinnert sich an eine Begegnung mit dem Weltstar, der unter der schwedischen Sonne zu einem ganz normalen Menschen wurde.

Ingrid liebte ihre Wege durch den Ort und die Besorgungen für den Haushalt, war aber auch häufig auf der Suche nach Geschenken für ihre Kontakte in der Filmwelt. Eines Tages betrat sie das Geschäft von Schuh-John und bat ihn um Sandalen in der Größe 43. Er soll ihr die Bestellung unwirsch verwehrt haben, bis er einsah, dass es sich um ein Geschenk handelte. Schließlich war es die Postbeamtin, die das Paket nicht abschicken wollte: Sie dachte, es wäre ein Scherz, als der einfache Schuhmacher eine Sendung nach London aufgab. Der Adressat: Alfred Hitchcock.

Fjällbacka strotzt vor Erzählungen über Stars, Erfindungen und Kriminalfälle. Doch es ist nicht der einzige Ort an der schwedischen Westküste, der Besucher aus Schweden und Europa anlockt. Nördlich von Göteborg verteilen sich Hafenstädtchen mit Namen wie Fiskebäckskil und Smögen entlang der Küste, die alle ihren ganz eigenen Charme haben. Die Kunsthalle Strandverket in Marstrand zeigt noch bis 27. September die Ausstellung "The Rise and Fall of Ingrid Bergman. And Rise" sowie diverse Filme. Das Gute: Man muss sich die Gegend gar nicht auf eigene Faust erarbeiten. Eine neue Kreuzfahrtlinie bringt deutschsprachige Ingrid- und Schwedenfans innerhalb einer Woche an die acht schönsten Ziele.

Die "Kulturbåtarna" haben mit riesenhaften Meeresungeheuern jedoch wenig gemeinsam: Höchstens 40 Passagiere schiffen auf der 111 Jahre alten MS "Svea af Bohuslän" ein, die von Göteborg rekordverdächtig langsam in See sticht. Man gleitet tagsüber durch die abwechslungsreiche Küstenlandschaft, wo sich grobe Granitfelsen und grüne Kanäle abwechseln, um plötzlich den Blick auf das offene Meer freizugeben. Gegen Mittag erkundet man das erste Tagesziel, am Abend bezieht man, nach einer weiteren Etappe an Bord, in einem Hotel mit Meerblick und dreigängigem Abendessen Quartier.

Eine der ersten Haltepunkte ist die kleine Insel Gullholmen, wo man erlebt, wie Schweden Urlaub macht: Ein wahlweise rot oder weiß gestrichenes Sommerhäuschen, dazu ein Motorboot und zwei, drei Kinder - das scheint das Rezept zum Glücklichsein zu sein. Überall tuckert ein Motor - kein Wunder, Schweden ist schließlich Weltmeister im Besitzen von Privatbooten: Auf knapp zehn Millionen Einwohner kommen 1,5 Millionen Boote.

Kunst, Krieg und Liebe


Doch auch an Land gibt es einiges zu erleben. Auf Gullholmen überrascht die Kunstgalerie. Was erwartet man sich schon auf einer abgelegenen schwedischen Urlaubsinsel? Expressionisten wie den gebürtigen Niederösterreicher Oskar Kokoschka und den "Blauen Reiter"? Wohl kaum - doch tatsächlich haben sich diese und andere Maler von internationaler Relevanz in Werken verewigt, die Kurator Sune Johansson stolz präsentiert. Der Deutschlehrer widmet sich während der Sommerferien der Kunst, und das mit ganzem Herzen.

Verstreute Asche


Auch er hat fesselnde Geschichten auf Lager, wie die Flucht von Wassily Kandinsky und seiner Verlobten Gabriele Münter nach Gullholmen, wo sie sich ab 1915 bei befreundeten Künstlern vor dem Ersten Weltkrieg in Sicherheit brachten. Die Insel wurde eine Künstlergemeinde, man porträtierte einander und verwandelte die schroffe Schärenlandschaft in expressionistische Holzschnitte. Leider nahm die Idylle schon im folgenden Jahr ein abruptes Ende: Als Kandinsky vom Kriegstod des Malers Franz Marc erfuhr, kehrte er, von Psychosen heimgesucht, Insel und Frau den Rücken.