Mit dem Spielfilm "Jack" über den österreichischen Mörder Jack Unterweger blickt Regisseurin Elisabeth Scharang nach ihren Dokumentationen "Franz Fuchs - Ein Patriot" oder "Mein Mörder" über Friedrich Zawrel erneut auf ein Stück österreichische Kriminalgeschichte.

Wiener Zeitung: Wie kam es dazu, dass Sie diese Geschichte verfilmen wollten?

Elisabeth Scharang: Das wollte ich gar nicht. Nach dem Franz Fuchs Film war es Produzent Dieter Pochlatko, der mich gefragt hat, ob wir nicht die Unterweger-Geschichte angreifen wollen, und ich habe "nein" gesagt. Trotzdem hat sich diese Idee dann in meinem Kopf festgesetzt und es begannen sich Fragezeichen zu bilden. Dann habe ich begonnen, sehr viel zu recherchieren. Ich hatte Unterweger in den 1990er Jahren persönlich kennengelernt, als ich einmal mit ihm für einen Radiobeitrag gesprochen und ihn ein anderes Mal für eine Sendung betreut habe. Da sagte er mir dann zum Abschied: "Ich glaube, die wollen mir was anhängen", einfach so, aus dem Nichts. Ich konnte das damals überhaupt nicht einordnen und habe das auch nicht ernst genommen. Ein paar Wochen später begannen die Zeitungsmeldungen, dass er im Fadenkreuz der Ermittlungen stehe. Damals war er noch nicht Hauptverdächtiger. Ich habe mich dann mit dem Fall nicht weiter beschäftigt und wusste nur, was die Mehrheit wohl auch wusste.

Mit wem haben Sie bei der Recherche gesprochen?

Meine Recherchen mache ich immer gemeinsam mit Maria Motter und wir haben den Max Edelbacher getroffen, also die ermittelnden Beamten in der Staatsanwaltschaft, die Staatsanwälte, sowohl den Georg Zanger als auch den Alfred Noll, wobei der für mich noch interessanter war, weil er damals noch als sehr junger Anwalt den Unterweger jede Woche besucht hat, um den Prozess vorzubereiten. Das heißt, er hat wirklich sehr viel Zeit mit ihm verbracht und seine Einschätzung hat mich deshalb besonders interessiert. Allerdings habe ich ihn erst gefragt, nachdem das Drehbuch fertig war.

Sie haben an dem Film sieben Jahre lang gearbeitet - auf welche Probleme sind Sie gestoßen?

Meine Geschichte hatte damit begonnen, dass er aus dem Gefängnis kam, und endete damit, dass er sich umbrachte. Doch dann gab es da noch diesen ersten Mord, für den er überhaupt ein-gesessen hatte, und das war für mich der Knackpunkt. Da war eine Schuld, mit der hatte ich mich im Drehbuch für die Figur noch nicht auseinandergesetzt.