Wien. "Wie die anderen" ist kein titelgebendes Leitprinzip im neuen Dokumentarfilm von Constantin Wulff über die Kinder- und Jugendpsychiatrie am Landesklinikum Tulln. Und doch geht es dem 1962 in Hamburg geborenen Filmemacher darum, an den gesellschaftlichen Rand gedrängte Personen wie Themen in einen unverkrampften Diskurs zu heben. Über eineinhalb Jahre lang begleitete er in Zusammenarbeit mit Paulus Hochgatterer (Schriftsteller und dort wirkender Primar) dessen Team und mit einer Handvoll Eltern deren Kinder während ihrer Aufenthalte in der Klinik.

Als Zuseher wird man Zeuge emotional fordernder Szenen und berührender Einsichten, empfindet vor allem Respekt für alle Beteiligten. Tatsächlich führen Stimmen, die diesem Film "Voyeurismus" vorwerfen, im öffentlichen Diskurs darüber wiederum zu einer Stigmatisierung der Betroffenen, zu einer Reaffirmierung der "Tabuisierung durch Verdunkelung", wie Wulff sagt, des großen Schweigens (auch des bildlichen Schweigens), das weit über eine selbstverständlich einzuhaltende medizinische, psychologische, ethisch-moralisch Schutz gebende Schweigepflicht hinausgeht.

Mit diesem Film gehe es ihm aber genau darum, Menschen mit psychischen Erkrankungen nicht auszugliedern. Und um das zu leisten, müssen sie zu Wort kommen dürfen, wie er hier ebenfalls.

"Wiener Zeitung":In Ihrem Film gibt es keine Anonymität. Die behandelnden Ärzte, aber vor allem auch die Patienten und ihre Eltern treten vor die Kamera. Was waren Ihre Absichten?

Constantin Wulff: Anonymisierung im Dokumentarfilm ist eine doppelte Stigmatisierung. Ich möchte mit dem Film eine thematische Diskussion anfangen und das geht in einer Abstraktion schwer.

Mein erstes Konzept war dennoch, dass ich in der Klinik drehe, ohne Kinder und Jugendliche zu zeigen, weil ich der Meinung war, keine Kinder, keine Jugendlichen, keine Eltern würden zustimmen, gefilmt zu werden. Im Verlauf haben wir aber gemerkt, das ist ein absurdes Konzept, und tatsächlich waren einige Jugendliche und Eltern sehr gerne bereit, an dem Film mitzuwirken.

Sie haben als Filmemacher darin eine große Verantwortung, eine ethische Grenze nicht zu überschreiten, ebenso wie Paulus Hochgatterer, der Leiter der Klinik, den Patientenschutz zu wahren...