In der Albert-Camus-Verfilmung "Den Menschen so fern" von David Oelhoffen spielt Viggo Mortensen den französischen Lehrer Daru, der 1954 einen arabischen Bauern durch die algerische Wüste in die Stadt begleiten muss, weil der eines Mordes beschuldigt wird und ihn dort die Verhandlung erwartet. Nach prägenden Rollen aus Zusammenarbeiten mit Regisseuren wie David Cronenberg ("A History Of Violence") oder Peter Jackson ("Herr der Ringe") ist dies für Mortensen eine der kleinen und ruhigeren Rollen, die gerade im Licht aktuell eskalierender Konflikte im und mit dem arabischen Raum für ihn besondere Relevanz hat, wie er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erklärt.

"Wiener Zeitung": Es ist bekannt, dass Sie viele Sprachen sprechen, aber Arabisch ist neu...

Viggo Mortensen: Auch für mich. Ich musste es extra für den Film lernen und kann es leider noch nicht perfekt.

Die Rolle eines einzelgängerischen Cowboy-Typen, wie Sie ihn hier spielen, scheint Ihnen zu liegen.

Im Vergleich zu Filmen, in denen ich mehr interagieren muss, sind mir solche Rollen auch lieber. Vor allem, wenn man in einer Landschaft alleine ist, wird man irgendwie Teil davon. Und wenn man ganz ehrlich ist, muss man sehen, dass man selbst in gewisser Weise immer alleine ist. Wie viel und wie oft man mit anderen Menschen interagieren möchte, ist eine Entscheidung, die man treffen muss. Diese Konfrontation mit der Einsamkeit, die in jedem wohnt und die letztlich auch die Wahrheit birgt, dass man eines Tages krank werden wird und stirbt, will nicht jeder aushalten. Die meisten Menschen, denke ich, ignorieren diesen Gedanken oder sie resignieren. Das Wichtige ist, dass man versucht. Dass man das Leben bewusst wählt. Davon handelt auch der Film, denke ich.

Dabei ist er nicht ideologisch.

Ein subversiver Film, finde ich. Weil er von einer Freundschaft handelt und nicht von Ideologie. Es ist eine Story über zwei relativ gewöhnliche Männer. Die beiden, ein christlich geprägter Franzose und ein arabischer Muslim, finden sich in einer sehr außergewöhnlichen Situation wieder. Wenn man sich in so einer Lage bemüht, die Position des anderen zu verstehen, dann versteht man auch sich selbst ein bisschen besser.

Sehen Sie da Parallelen zum aktuellen Verhältnis zwischen Europa und dem arabischen Raum?

In der Welt von heute haben wir die Wahl. Beide Seiten könnten getrennt bleiben, kämpfen und ihre Ideologieverfechten,ohneeinander zu verstehen. Oder man spricht miteinander. Der Film erzählt uns, dass es eindeutig vorzuziehen ist, miteinander zu reden. Im Film lernt Daru etwas über sich selbst, weil er die Entscheidung trifft, mit Mohamed zu kommunizieren.

Warum funktioniert auf internationaler Ebene nicht, was zwischen zwei Menschen klappen kann?

Gräben zwischen Menschen entstehen immer durch mangelnde Kommunikation. Politiker, egal, ob im rechten oder linken Lager, nützen und schüren Konflikte, um Macht zu bekommen und zu behalten. Sie haben Interesse daran, dass Menschen nicht umfassend miteinander kommunizieren. So bleibt das Volk abhängig. Würden wir es schaffen, alles selbst zu regeln, wären Politiker überflüssig. Das ist eine Utopie, aber keine unmögliche.

Sie sind von der Politik also desillusioniert?

Natürlich. Sehen Sie sich um, ich müsste verrückt sein, wenn ich es nicht wäre. Aber das ist für mich kein Grund, aufzugeben.

Welche Möglichkeiten haben wir?

Verbrennen wir alle Pässe und Flaggen! Grenzen sind überflüssig. Die Menschen werden immer dorthin gehen, wo es Arbeit gibt und wo Frieden herrscht. Jedes Anti-Immigrationsgesetz sollte aufgehoben werden, jede politische Bewegung gegen Immigration, jeder Ruf nach einer Einwanderungsquote. Menschen wandern, das war immer so und das regelt sich von selbst, wenn man dem seinen Lauf lässt. Politiker, die diesbezüglich Regeln aufstellen, richten nur Unsinn an.

Warum tun sie das wohl?

Um gewählt zu werden, oder Geld damit zu verdienen.