Dabei sollte jemand wie Sie doch kein Problem mit dem Ego haben, oder?

Natürlich habe ich ein Ego, denn ein gewisses Maß davon braucht man ja als Grundvoraussetzung, um sich überhaupt vor eine Kamera zu trauen, nicht? Aber darüber hinaus sehe ich mich eher als schüchtern und als eine Art Kontrollfreak. Es ist seltsam, denn so kann man das eigentlich auch nicht sagen. Wann immer ich mit Regisseuren arbeite, die alte Hasen im Geschäft sind, dann höre ich von denen: "Wieso sagst du ständig, du weißt nicht, was du machst? Ich kann sehen, dass du was machst." Und ich antworte dann immer: "Ja, aber ich weiß nicht, wie."

Gibt es für Sie ein Leben nach dem Hype?

Ja, das passiert gerade. Es ist sehr frustrierend, wenn man die Kontrolle über sein Leben verliert und die ganze Zeit damit befasst ist, nicht darin unterzugehen. Nach dem Hype um den ersten "Twilight"-Film sagte mein Agent zu mir: Es dauert nun zehn Jahre, bis du wirklich zum nächsten Kapitel in deinem Leben kommen kannst. Ich weiß heute, er hat recht. Es sind nun seither sieben Jahre vergangen, und mein Leben ordnet sich gerade völlig neu. Ich bin heute ein ganz anderer Mensch als damals. Ich glaube, Leonardo DiCaprio machte nach "Titanic" eine ähnliche Zeit durch. Heute hat er das hinter sich.

Was ist denn Ihr Schlüssel dazu, solche Karrierefallen zu überstehen?

Ich glaube, ich arbeite sehr viel verkopfter als so mancher Kollege. Das lässt einen distanzierteren Blick auf mich selbst zu. Zugleich mache ich mir einfach viel zu viele Sorgen um alles. Ich habe immer das Problem, dass ich mich in meinen Rollen beweisen will.

Sie waren zuletzt vermehrt in Arthaus-Produktionen zu sehen. Ein Abschied vom Mainstream?

Vielleicht. Ich will einfach mit Leuten arbeiten, die gutes Zeug machen. Der Punkt ist: Ob ein Film gut bezahlt oder an der Kasse erfolgreich ist, darauf kommt es mir nicht an. Ich habe überhaupt nichts gegen kommerzielle Filme, verstehen Sie mich nicht falsch, denn ich mache sie auch sehr gerne. Aber wenn etwas nur wegen der Kunstform passiert, wegen der Kunst an sich, dann sind das meistens die besten Projekte. Wenn ich einmal meinen letzten Film gedreht haben werde und weiß, danach kommt keiner mehr, dann will ich mich fragen: Warum hast du diesen Film gemacht? Wenn die Antwort lautet: Ich habe ihn für Geld gemacht, dann möchte ich mir bis an mein Lebensende ins Gesicht schlagen.