Dann holt dich der Krampus: Grausiger Alpendämon lehrt dysfunktionale US-Familie das Fürchten. - © UPI
Dann holt dich der Krampus: Grausiger Alpendämon lehrt dysfunktionale US-Familie das Fürchten. - © UPI

Man wäre versucht zu glauben, Christoph Waltz ist schuld. Der übte sich im Vorjahr als Kulturbotschafter für Österreich in besonderer Mission. In der Late-Night-Show mit Jimmy Fallon ließ er sich erst vom Moderator mit einem dümmlich grinsenden Weihnachtselfen in rotem Pyjama mit Pelzbesatz bekannt machen. Dieser amerikanische Weihnachtskitsch (angeblich rapportiert er die Bravheits-Akten der Kinder an den Weihnachtsmann) wurde von Waltz sogleich als "Waschlappen" abqualifiziert, denn als Österreicher ist man bekanntlich ganz andere vorweihnachtliche Nebenfiguren gewöhnt. Und so erzählte Waltz dem entgeisterten, in seiner notorischen Überregulierung schwerst erschütterten US-Publikum vom Begleiter des Heiligen Nikolaus, der schlimme Kinder in einen Sack packt und mit der Rute verdrischt. "Es ist ein katholisches Land, es funktioniert über Traumatisierung", erklärte Waltz trocken.

Kettenrasseln über Bing Crosby


Nun ist diese Woche der Film "Krampus" in die österreichischen Kinos gekommen. Und es ist nicht etwa eine kleine Independent-Produktion aus dem Zottelteufel-affinen Tirol. Nein, es handelt sich um einen waschechten Hollywood-Streifen. Da hätte man sich auf ein subversives Duell der Traditionen freuen können. Eine unterhaltsame Dialektik zwischen der lichterketten-umkränzten Zuckerstangen-Romantik der USA und dem archaischen
Adventbrauchtum Mitteleuropas. Vielleicht sogar ein kleiner Notwehrakt gegen den ausufernden Kulturimperialismus der USA: Wenn der Weihnachtsmann sich schon breitarschig und nachhaltig auf das Christkind gesetzt hat und es immer mehr verkümmern lässt, dann kann man ja einmal den Gruselkumpan des Nikolo schicken, um der ganzen Coca-Cola-Weihnachtstruck-Szenerie den Garaus zu machen und Bing Crosby ein für alle mal mit der Kette zu überrasseln. Zur Strafe - wie es ja die ureigenste Aufgabe des Krampus ist.

Strip-Pokern mit dem Krampus, Rute liegt bereit. - © Archiv
Strip-Pokern mit dem Krampus, Rute liegt bereit. - © Archiv

Der Krampus wäre wohl auch die letzte Möglichkeit für eine solche kulturelle Racheaktion: Er und seine Umtriebe sind so unvergleichlich mächtig im Traditionsbewusstsein verankert - anders als viele aussterbende Bräuche der Vorweihnachtszeit wollen sich die Menschen das auch nach wie vor nicht wegnehmen lassen. Das zeigte sich heuer etwa in Virgen in Osttirol. Dort stand man angesichts der im Ort neu angesiedelten Asylwerber vor der Frage, ob man so wie in Kärnten die Krampusläufe absagen würde, damit die Flüchtlinge nicht in Panik vor dem unbekannten Horror geraten - oder ob man auf vermittelnde Transparenz setzen würde.