Ruffalo: "Eine freie Presse ist unverzichtbar". - © Katharina Sartena
Ruffalo: "Eine freie Presse ist unverzichtbar". - © Katharina Sartena

Mark Ruffalo ist einer von den Schauspielern, deren Namen weltbekannt sind, die man aber trotzdem nicht allzu regelmäßig in größeren Rollen sieht; lange Zeit sind diese Schauspieler Stars im Schatten, und das ist auch gut so. In dieser Nische entwickeln sie oft Kult-Potenzial. Ruffalo, Jahrgang 1967, hatte solche Parts in Kenneth Lonergans "You Can Count on Me" (2000), Michel Gondrys "Vergiss mein nicht!" (2004) oder Lisa Cholodenkos "The Kids Are All Right" (2010), ehe ihn auch das Blockbusterkino entdeckte, wo er allerdings zum ewigen Nebendarsteller wurde, etwa in "The Avengers" (2012, in der Rolle von Hulk) oder in "Date Night" (2010).

Jetzt kehrt Ruffalo wieder zu seinen Wurzeln im anspruchsvollen US-Drama zurück - und erhielt für seine Rolle in "Spotlight" (derzeit im Kino) prompt seine dritte Oscar-Nominierung in der Kategorie "Bester Nebendarsteller", in der auch Sylvester Stallone antritt.

An der Seite von Michael Keaton und Rachel McAdams spielt Ruffalo ein Mitglied des Rechercheteams des "Boston Globe", um monatelang an skandalösen, verbrecherischen Geschichten zu recherchieren. Konkret zeigt Tom McCarthys Film die Aufarbeitung des Missbrauchs-Skandals in der katholischen Kirche von Massachusetts, für den die Journalisten 2003 den Pulitzerpreis erhielten.

Michael Keaton und Mark Ruffalo recherchieren. - © Constantin
Michael Keaton und Mark Ruffalo recherchieren. - © Constantin

"Wiener Zeitung": Mr. Ruffalo, Sie ziehen in "Spotlight" mit Ihren Kollegen gegen die katholische Kirche zu Felde. Der Skandal schlug damals große Wellen.

Mark Ruffalo: Dieser unglaubliche Missbrauchsskandal musste publik werden. Viele Journalisten haben sich damals gefragt: Wieso haben wir nicht diese Geschichte gebracht? Obwohl viele in der Szene von den Missbrauchsvorwürfen wussten, hat sie lange Jahre niemand angerührt.

Ist diese Berührungsangst mit brisanten Themen generell ein Merkmal zeitgenössischer US-Medien? Hat man den Biss verloren?

Journalismus wie diesen findet man heute leider kaum mehr. Zumindest nicht in den Vereinigten Staaten. Echte Aufdeckerjournalisten sterben immer mehr aus. Für mich gehörte es zu den Grundfragen des Filmprojektes, dass Autor und Regisseur Tom McCarthy sehr genau hinterfragte, weshalb sich gerade der US-Journalismus nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in einer substanziellen Krise befindet. Einerseits brechen die Auflagen ein, andererseits befinden sich viele Journalisten auf einer Linie mit den Mächtigen. Das ist keine gute Zeit für die schreibende Zunft. Man erwartet heute, dass alles gratis im Netz steht und dass das von irgendwem gemacht wird, der davon nicht zu leben braucht. Doch wertvolle Information, die unter die Oberfläche gehen, kostet eben Geld und Zeit.