• vom 28.04.2016, 16:53 Uhr

Film

Update: 28.04.2016, 21:48 Uhr

Daniel Brühl

Wie böse sind Sie, Herr Brühl?




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Von Matthias Greuling

  • Daniel Brühl aß mit Robert Downey Jr. zu Abend und spürte keinen Druck. Nebenher drehte er "First Avenger".

Er kann auch anders: Daniel Brühl, 37-jähriger deutscher Vorzeige-Kinostar, hat bisher in vielerlei Rollen überzeugt, sowohl im Drama ("Rush") als auch in der Komödie ("Good Bye, Lenin!"), bisher aber kaum als - Bösewicht. Und schon gar nicht als Bösewicht in einer Comicverfilmung aus dem Hause Marvel. Und erst recht nicht in einer Comicverfilmung, in der er einer der wenigen Schauspieler ist, die kein Kostüm mit Maske tragen. Daniel Brühl hat also viel "Screen Time", wie man in Hollywood sagt, in der sein eigenes Gesicht zu sehen ist. "First Avenger: Civil War" heißt die Superheldenschlacht (ab heute, Freitag, im Kino), in der die Helden selbst aneinander geraten und Brühl in der Rolle von Baron Zemo daran nicht unbeteiligt ist, einen Keil in die Truppe zu treiben. Der Film ist nicht Brühls erste Hollywood-Produktion, aber seine bislang teuerste.

Daniel Brühl vor Captain Americas Schild: "Die Dimensionen eines Blockbusters sind einfach unglaublich".

Daniel Brühl vor Captain Americas Schild: "Die Dimensionen eines Blockbusters sind einfach unglaublich".© Joel Ryan/Invision/ap Daniel Brühl vor Captain Americas Schild: "Die Dimensionen eines Blockbusters sind einfach unglaublich".© Joel Ryan/Invision/ap

"Wiener Zeitung": Herr Brühl, es ist das erste Mal, dass Sie in einer solch großen Studioproduktion mitwirken. Wie war das denn für Sie?

Daniel Brühl: Verglichen mit der Filmarbeit in Europa ist das eine ganz andere Art zu arbeiten. Es war einfach alles so riesig, und ich kann es noch gar nicht glauben, dass ich dabei war. Ich fühlte mich wieder wie ein 12-Jähriger, als ich das Set betrat. "First Avenger: Civil War" ist mein allererster Schritt in diese Welt gewesen, in dieses völlig andere Universum des Filmemachens.

Inwiefern war alles anders?

Das beginnt schon mal bei den riesigen Sets, die einem natürlich auch helfen, sich sofort in dieser Marvel-Welt zurecht zu finden. Man kann richtig in diese Welt eintauchen. Auch diese vielen Leute am Set, von denen du von Anfang an nicht verstehst, was sie eigentlich tun. Special-Effects-Profis, die herumwerken ohne erkennbaren Sinn, aber jeder weiß genau, was zu tun ist. Und wenn man an einem Film mitwirkt, in dem es viele Spezialeffekte gibt, dann merkt man, wie präzise die technische Vorbereitung sein muss. Die Regiebrüder Anthony und Joe Russo haben sich die Arbeit aufgeteilt: Einer sprach mit den Schauspielern, der andere versuchte, den technischen Überblick zu behalten. Vieles dreht sich um den Filmschnitt, bei dem das richtige Timing erforderlich ist. Und weil alles so genau vorgegeben ist, kannst du als Schauspieler natürlich nicht ankommen und sagen: Ich hätte da mal eine Idee, wie wir es auch noch versuchen könnten. Dafür gibt es an einem solchen Set keinen Spielraum. Beeindruckt hat mich auch der Trailer, in dem ich auf dem Set untergebracht war: Unglaublich, welche Dimensionen der hatte! Ich habe alles fotografiert, damit ich meinen deutschen Kollegen im Nachhinein zeigen konnte, dass ich es "geschafft" hatte. (lacht).

Spürt man an einem solchen Set eigentlich Hektik?

Nein, eher eine große Konzentriertheit. Und zugleich spürt man den Druck nie. Das finde ich sehr beachtlich, denn natürlich entsteht so ein großer Film unter enormem Druck. Es ist eine amerikanische Qualität, das am Set nicht spüren zu lassen, sondern für eine Leichtigkeit zu sorgen - die ich auch dem Film ansehe.

Ist diese Leichtigkeit auch zwischen den Schauspielern spürbar?

Ja. Da herrschte eine sehr unverkrampfte Atmosphäre. Ich war sehr dankbar, dass mich Chris Evans und Robert Downey Jr. gleich von Beginn an mit einbezogen haben, auch nach Drehschluss. Wir waren gemeinsam Abendessen oder beim Basketball - ich fühlte mich also nicht wie der Neue in der Klasse, mit dem keiner spielen will.

Sprechen wir von Ihrer Rolle als Baron Zemo. Als wirklichen Schurken hat man Sie bislang selten gesehen. Können Sie nicht böse sein?

Es hängt immer von der Figur ab. Baron Zemo hat eine Schlüsselrolle in der Geschichte, aber keine übernatürlichen Kräfte. Das Spannende an diesem Film ist ja, dass so viele Superhelden aufeinander treffen und sich gegenseitig die Köpfe einhauen. Und ich spiele eine ambivalente Bösewicht-Figur, die aber alles aus einer menschlichen Motivation heraus macht - und die eine sehr schlaue Idee hat, wie man den Avengers anders beikommen kann, ganz ohne Superkräfte. Die Regisseure sprachen mit mir lange über David Finchers Thriller "Seven". Dort gibt es einen ähnlichen Charakter. Es geht um einen merkwürdigen Strippenzieher im Hintergrund.

Könnten Sie sich an Produktionen solcher Größe gewöhnen?

Es macht für mich nicht wirklich einen Unterschied, wie groß eine Filmproduktion ist. Ich muss mich für das Projekt begeistern, darauf kommt es mir an. Ob dann zehn oder 500 Leute am Set stehen, ist mir eigentlich egal. Ich strebe aber auch nach Vielfalt in meiner Filmografie. Wenn man die Möglichkeit bekommt, einmal Teil der Marvel-Familie zu werden, muss man sie annehmen, glaube ich. Der nächste kleine Film kommt bestimmt. Und ich werde bald auch eine Fernsehserie drehen.

Denken Sie daran, es einmal als Regisseur zu versuchen?

Nein! Ich bin seit ein paar Monaten Teilhaber einer Produktionsfirma, deren Ziel es ist, internationale Filmproduktionen in Berlin zu realisieren. Als Schauspieler ging mir mein Einfluss auf die Stoffe nicht weit genug, weshalb ich versuche, mich nun auch als Produzent entsprechend zu betätigen. Und zwar auch bei Filmen, in denen es keinen Part für mich als Schauspieler gibt. Aber Regie? Je länger ich diesen Job mache, desto mehr Respekt habe ich vor den Regisseuren, die die kreative Oberhand haben. Vielleicht habe ich ja in ein paar Jahren Lust dazu. Aber dann bei einem kleinen, intimen Projekt. Definitiv nicht bei den "Avengers". Das wäre mir organisatorisch eine Nummer zu groß.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-04-28 16:56:07
Letzte Änderung am 2016-04-28 21:48:04


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