Der erste schwule "Tatort"-Kommissar hatte den ersten Sex vor der Kamera. Und alle staunen. - © rbb, Volker Roloff
Der erste schwule "Tatort"-Kommissar hatte den ersten Sex vor der Kamera. Und alle staunen. - © rbb, Volker Roloff

Berlin. Expliziter Männer-Sex, wie am Sonntagabend zur besten Sendezeit im "Tatort", kommt im deutschsprachigen Fernsehen wohl eher selten vor. In einer Videoaufzeichnung sehen im Krimi "Wir - Ihr - Sie" sogar die Kollegen den Ermittler Robert Karow (Mark Waschke) beim Sex mit einem anderen Mann. Das Besondere: Karow geht ganz locker mit diesem Umstand um. Er entzieht sich jeglicher Kategorisierung.

Früher war gleichgeschlechtliche Liebe dagegen eher ein verschämtes TV-Thema. Lange Zeit fand im fiktionalen Fernsehen alles, was von der sogenannten Heteronormativität abweicht (also dem etablierten Liebesverständnis), eher verkrampft statt. In Primetime-Krimis wie dem "Tatort" oder bei "Derrick" war Homosexualität (oder das Verheimlichenmüssen davon) oft sogar ein Mordmotiv. Schwule wurden oft nur als schrille Persönlichkeiten, perverse Täter oder aber als Opfer dargestellt.

Seit Jahren lockerer Umgang

In den 70er Jahren noch prägten sich zum Thema Schwulsein eigentlich nur zwei TV-Ereignisse ins kollektive Gedächtnis Deutschlands ein: der Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" von Rosa von Praunheim (1973) sowie der Film "Die Konsequenz" (1977) von Wolfgang Petersen mit Jürgen Prochnow als Häftling, der sich in den 16-jährigen Sohn eines Aufsehers verliebt. Bei den ARD-Ausstrahlungen klinkte sich der BR für das katholisch-konservativ geprägte Bayern jeweils aus.

Seit einigen Jahren gehen viele Fernseh- und Streamingdienst-Serien, vor allem aus den USA, sehr locker und kaum noch effekthascherisch mit Nicht-Heterosexuellem und der Vielfalt der Identitäten um. Die Entwicklung befeuert hat in Amerika vielfach das Bezahlfernsehen mit Sendern wie HBO oder Showtime, die weniger Rücksicht auf vermeintliche Mehrheitsmeinungen, religiöse Gefühle oder behördliche Vorgaben in ihrem Programm nahmen und Mut zur Nische zeigten - und damit inhaltlich langsam den Mainstream beeinflussten.

Aktuell kann man - etwa bei Netflix, Sky oder dem Video-Dienst von Amazon - viele Serien sehen, die meist klischeefrei lesbische, schwule, bisexuelle oder auch Trans-Menschen zeigen. Zu nennen wären etwa Produktionen wie "House of Cards", "Game of Thrones", "Sense8", "Grace and Frankie", "Orange Is The New Black", "Transparent", "London Spy", "Looking" oder "Unbreakable Kimmy Schmidt".