Maren Ade wurde an der Croisette gefeiert. - © afp/Poujoulat
Maren Ade wurde an der Croisette gefeiert. - © afp/Poujoulat

Ines (Sandra Hüller), eine junge Frau, gerät in eine Sinnkrise: Als Mitarbeiterin einer Unternehmensberatung in Bukarest muss sie die Drecksarbeit für Firmen machen, die ihre Mitarbeiter entlassen wollen: Ein Job, der ihrer Psyche gar nicht guttut, findet ihr Vater Winfried (Peter Simonischek), der beschließt, sich in das Leben seiner Tochter einzumischen; mit falschen Zähnen und Furzkissen-Mentalität reist er ihr nach, um sich als Geschäftsmann Toni Erdmann unter Ines’ Kollegen aufzuspielen, bis dieser die Augen über ihre Lebensmisere aufgehen. Was nach einem haarsträubend miserablen Plot klingt, entpuppt sich im Verlauf des Films als kleines, feinfühlig zusammengestelltes Meisterstück über persönliche Befindlichkeiten einer schwierigen Vater-Tochter-Beziehung und über die Schieflage des Turbokapitalismus. Maren Ade hat den deutschen Film des Jahres gedreht - nach einer fulminanten Cannes-Premiere startet der vielleicht europäischste Film zur aktuellen Krise nächste Woche im Kino.

"Wiener Zeitung": Die Geschichte Ihres Films liest sich zunächst einmal recht spaßig: Da versucht ein Vater mit peinlichen Methoden, seiner Tochter die Augen zu öffnen. Dafür braucht es wohl Fingerspitzengefühl, dass diese sensible Geschichte nicht entgleist, oder?

Maren Ade: Peter Simonischek schlüpft von der Vaterrolle als Winfried in die Rolle des fiktiven Toni Erdmann, der mit allerlei Faxen auf sich aufmerksam macht. Diese Vaterfigur spielt also hier die Komödie, und daher musste ich als Regisseurin sie nicht inszenieren. Ich habe mich davor gehütet, einen Film zu machen, der "lustig" ist. Dann müsste ich direkt mit dem Publikum interagieren. Aber so denke ich, dass ich Winfried dabei zusehe, wie er etwas für seine Tochter Ines macht, so komisch das dann auch sein mag. Die Motivation dahinter hat mit ernsten Dingen zu tun, mit Sehnsucht, Verzweiflung und verdrängten Emotionen. Es gibt zwei Ebenen in diesem Film: die Komödie und der darunter liegende Ernst.

Es gibt in "Toni Erdmann" auch etliche Szenen, bei denen man zunächst den Kopf schüttelt, die aber dann auf fast magische Weise funktionieren. Mussten Sie sehr aufpassen, um die Authentizität der Figuren zu wahren?