Willi Forst in "Maskerade" aus dem Jahr 1933. - © Filmarchiv Austria
Willi Forst in "Maskerade" aus dem Jahr 1933. - © Filmarchiv Austria

Wien. Kaum ein anderes Medium hat eine derartig lebendige Beziehung zu Erotik und Pornografie wie der Film - seit Anbeginn der Filmgeschichte sind pornografische Inhalte auch Teil davon. Das Filmarchiv Austria zeigt im Wiener Metro Kinokulturhaus nun gleich zwei Programmschienen, die sich mit dem Thema Sex beschäftigen. Unter dem Titel "Porn Sensations" stehen von 16. September bis 19. Oktober sogenannte "Skandalfilme" auf dem Spielplan, die bei ihrem Erscheinen für öffentlichen Unmut sorgten, weil sie besonders explizite Sexszenen enthielten und so auch gesellschaftspolitische Diskussionen auslösten. Eine Werkschau voller Filme mit Jugendverbot, zusammengestellt vor dem Hintergrund der Frage: Wo liegt die Grenze zwischen Kunst und Pornografie? Zu sehen ist etwa der legendäre Porno "Deep Throat" (1972), der seinerzeit erstmals bürgerliche Frauen in die Pornokinos lockte. Die Doku "Inside Deep Throat" (2005) erzählt die Hintergründe dazu. Oswalt Kolle stellte 1971 die Frage: "Was ist eigentlich Pornografie?", nachdem in der BRD kurz zuvor die Reform des Sexualstrafrechts Pornografie nicht mehr als strafbar ansah. Filme aus dieser Zeit, etwa Bertoluccis "Der letzte Tango in Paris" (1972), waren Kunstwerke, die haarscharf an pornografische Grenzen ragten, darunter auch Catherine Breillats "Une vraie jeune fille" (1976), der nach seinem Verbot erst 1999 aufgeführt werden durfte. Auch Pornos aus weiblicher Perspektive werden gezeigt, etwa "(S)he Comes" von Petra Joy (2014) oder "Dirty Diaries" von Mia Engberg (2009), die sich mit dem Begriff "Feminist Porn" befasst.

Die zweite Filmschau, die von Sex handelt, ist "Sex in Wien" (17. September bis 19. Oktober) und erzählt eine "Sub-Geschichte des österreichischen Kinos 1906 bis 1933". Hier geht es um ein Kino der Aufklärung, das früh versucht hat, Sex und Volksgesundheit unter die Zuschauer zu bringen - sei es nun mit "Hygiene der Ehe" (1922), der Sex im Kontext "gesunder" Fortpflanzung thematisierte, oder "Mysterium des Geschlechts" (1933), der sowohl Säuglingspflege zeigt als auch intersexuelle Geschlechtsorgane, Hodentransplantationen und die Risiken illegaler Abtreibungen. Im Erzählkino jener Tage bieten Betrug, Lust und Prostitution genug Stoff für moralisch fragwürdige Figuren. Gezeigt wird unter anderem Willi Forsts "Maskerade" (1933) mit Paula Wessely oder Gustav Machatýs "Ekstase" (1933), in dem der Zuschauer in Hedy Kieslers Gesicht beim Orgasmus blicken konnte. Später wurde dieser Skandal zur Triebkraft für Kieslers US-Karriere, wo sie nun Hedy Lamarr hieß.