Vom 22. September bis zum 2. Oktober kommen die Freunde des Fantastischen Films auf ihre Kosten. - © slash Filmfestival
Vom 22. September bis zum 2. Oktober kommen die Freunde des Fantastischen Films auf ihre Kosten. - © slash Filmfestival

Köpfe werden abgetrennt, Gedärme fliegen. Einem Zombie tropft grüner Schleim aus dem Mund. Und das in einem Ski-Idyll in den österreichischen Alpen. Wo noch vor wenigen Minuten ein Skidoo friedlich durch die Dämmerung einer menschenleeren Schneelandschaft fuhr und ein Snowboarder seine Kunststücke vollführte, wird nun gemetzelt. Blutbad im Touristengebiet.

Das ist das Thema von Dominik Hartls "Angriff der Lederhosenzombies", dem diesjährigen Eröffnungsfilm des "Slash Festival des Fantastischen Films". Obwohl es diese Veranstaltung erst seit sechs Jahren gibt, hat sie sich bereits als fixer Bestandteil in der Wiener Filmfestival-Szene etabliert. Vom 22.9. bis 2.10. ist im Filmcasino eine bunte Reihe Fantastischer Filme zu sehen - das sind Filme, die von irrealen Elementen geprägt sind.

Cannes in Wien

Während das Filmfest in den ersten Jahren nur Slash Festival hieß, wurde dem Namen mittlerweile der Fantastische Film beigefügt. "Die meisten Leute haben das Festival rein mit Splatter und Horror in Verbindung gebracht", sagt Leiter und Festivalerfinder Markus Keuschnigg. "Doch das Slash ist mehr als das. Wir bemühen uns um eine schöne Melange aus populären Gangarten des Fantastischen Films in Kombination mit schrägem Nischenkino, das sich allen Kategorien entzieht." Und tatsächlich kann das Festival mit einem vielseitigen Programm aus verschiedensten Genres und unterschiedlichsten Kulturen überzeugen.

Einige Titel des heurigen Programms feierten im Mai bei den Filmfestspielen in Cannes Weltpremiere. Unter anderem die französisch-belgisch-japanische Produktion "The Red Turtle", in der ein Mann auf einer einsamen Insel strandet. Dort trifft er auf eine rote Schildkröte, die sein Leben für immer verändern soll. Mitverantwortlich für dieses altmodisch gezeichnete Animationskino ist das japanische Studio Ghibli, Macher von "Prinzessin Mononoke" und "Chihiros Reise ins Zauberland".

Japan ist neben den USA seit Jahrzehnten eines der stärksten Länder, wenn es um das Fantastische Kino geht, weshalb beim Slash Festival überwiegend Filme dieser Nationen vertreten sind.

Zombies aus Korea

Einen besonderen Stellenwert hat erstmals der koreanische Film. Dies sei laut Keuschnigg sehr ungewöhnlich, weil das koreanische Kino in den letzten Jahren hauptsächlich im Action-und Thrillerkino angesiedelt war. Heuer überraschte es aber mit Fantastischen Filmen wie dem Zombie-Thriller "Train to Busan", der ebenfalls bei den Filmfestspielen in Cannes Premiere feierte.

Als speziellen Tipp empfiehlt er aber eine irische Produktion. In Billy O’Briens "I’m not a Serial Killer" geht es um den Außenseiter John Cleaver, der in einem Bestattungsinstitut aufgewachsen ist. Nach einigen Morden in seinem Ort macht er sich auf die Suche nach dem Täter. Mit dabei ist John Lloyd, den man als Doc aus "Back to the Future" kennt.

Auch den umstrittenen und viel diskutierten Film "Swiss Army Man", in dem Harry Potter-Darsteller Daniel Radcliffe eine flatulierende Leiche spielt, sieht Keuschnigg als herausragenden Stern am diesjährigen Festivalhimmel: "Der Film wirkt auf den ersten Blick obszön und vulgär. Doch schon bald nimmt er uns mit auf eine fantastische Reise und geht vor Kreativität fast über."

Furzender Harry Potter

"Swiss Army Man" beschreibt die außergewöhnliche Freundschaft zwischen der Leiche Manny und dem auf einer Insel gestrandeten Hank, der sich noch zu Beginn des Films das Leben nehmen will.

Ein Klassiker inmitten der neuen Filme ist Steven Spielbergs "Indiana Jones: Raiders of the Lost Ark". Ebenso wird die dazugehörige Fanfilm-Adaption gezeigt. In den Jahren zwischen 1982 und 1989 drehte eine Gruppe Jugendlicher in den Sommerferien den Film ihres großen Vorbilds nach.

"Raiders of the Lost Ark: The Adaptation" ist ein Zeugnis davon, wie wirkungsmächtig Kino sein kann, gerade auch für Jugendliche. Gleich im Anschluss wird die Geschichte dazu im Dokumentarfilm "The Story of the Greatest Fanfilm Ever Made" zu sehen sein.

Verkümmertes österreichisches Genrekino

Den Veranstaltern ist es ein besonderes Anliegen, die heimische Produktionslandschaft des Fantastischen Films zu unterstützen. Der Nachholbedarf an Förderungen dieses Genrekinos wird vielleicht auch dadurch verdeutlicht, dass der Eröffnungsfilm "Angriff der Lederhosenzombies" die einzige österreichische Produktion des diesjährigen Programms ist.

Um diese Lücke zu füllen, wird es erstmals eine zweitägige Initiative in Kooperation mit der Vernetzungsagentur "Institut Schamlos" geben. Es werden nationale und internationale Filmemacher, Kritiker und Filmfans anwesend sein, die in einen Dialog treten, um österreichischen Filmschaffenden die Möglichkeit zu geben, sich zu vernetzen.

Bis heute ist das Slash Festival des Fantastischen Films einzigartig in Österreich. Nie zuvor gab es eine mehrtätige Filmveranstaltung, die sich auf dieses Genre spezialisierte. Dabei entstand die Idee bereits vor zehn Jahren, als Keuschnigg im Rahmen des Linzer "Crossing Europe Festival" eine Nachtschiene mit diesem Thema kuratierte. Seit einigen Jahren werden diese Filme auch am "Slash einhalb Festival" vorgeführt, das immer kurz nach Ende des Crossing Europe in Wien stattfindet.