• vom 04.11.2016, 13:29 Uhr

Film

Update: 14.03.2017, 12:04 Uhr

Nachhaltigkeit

Doku "Bauer unser" soll zum Nachdenken anregen




  • Artikel
  • Lesenswert (25)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von APA, Philip Stotter

  • Erster Kinofilm von Robert Schabus startet am 11. November in den heimischen Kinos.

Der Film liefert bäuerliche Beispiele, wie es auch "anders" ginge. - © Filmladen

Der Film liefert bäuerliche Beispiele, wie es auch "anders" ginge. © Filmladen

Wien. Im ersten Kinofilm von Filmemacher Robert Schabus, der selbst auf einem Bauernhof in Oberkärnten aufgewachsen ist, geht es um das Spannungsfeld der Landwirtschaft zwischen Profitabilität, Nachhaltigkeit, Konsumenten und Selbstsicht der Bauern in einer globalisierten Welt. Der Dokumentarfilm "Bauer Unser" soll sowohl Bauern als auch Konsumenten zum Nachdenken anregen. Ab Freitag im Kino.

Österreichweit besuchte Schabus für seinen Film vor allem Bauern unterschiedlicher Expertisen mit ebenso unterschiedlichen Zugängen zu ihrer Arbeit, aber auch Vertreter von Verarbeitung, Handel und Politik. Die Besuche bei den insgesamt 20 Proponenten sind episodenmäßig aufgebaut; zwischendrin werden Fakten eingeblendet, wie etwa "Jeder Österreicher verbraucht pro Jahr mehr als 100 Kilo Schweinefleisch". Die Agrarpolitik der EU wird auch mit Fluchtbewegungen aus Afrika in Verbindung gebracht.

Information

Am Dienstag (8. November) feiert der Film in den Village Cinemas in Wien Premiere. Im Anschluss findet eine Podiumsdiskussion mit u.a. Regisseur Schabus, Protagonist Benedikt Haerlin sowie Schauspieler und Landwirt Tobias Moretti statt.

Da ist etwa der Hendlbauer mit 65.000 Legehennen, die "artgerecht und gesetzeskonform" gehalten werden, der Schweinebauer, dessen 1.300 Mast-Borstentiere beim Zunehmen "am Limit" sind, oder der Milchbauer, dessen 130 Kühe von einem vollautomatischen Roboterarm via Laser-Anpeilung gemolken werden. Der Schweinebauer sagt, man drehe noch an einzelnen Schrauben, "aber mehr kommt eigentlich nicht mehr raus".

"Zwang zu wachsen erfasst die Letzten"

"Der Zwang zu wachsen erfasst auch die Letzten. Der Druck ist groß", sagt der sichtlich stolze und motivierte junge Milchbauer, der sich als Unternehmer sieht und betont, dass die Technisierung immer schneller voranschreitet. "Ich bin mit Freude Bauer", sagt der Schweinemäster, der die Tiere immer 120 Tage lang mästet, bis die nächste Generation kommt, um schlachtreif gefüttert zu werden. Wegen der hohen Investitionen in den hochmodernen Stall könne er derzeit auch gar nicht aufhören - Stichwort: Verbindlichkeiten bei Banken. Im Jahr 2015 hat er zudem ein Minus gemacht - und zwar von 8 bis 9 Euro pro Schwein. Er wolle auch nicht mehr weiterwachsen mit seinem Hof, denn: "Wo ist dann Schluss?"

Der einzige, für den in der Doku wirklich alles Eitelwonne ist, ist der EU-Agrarkommissar Phil Hogan. Er sagt, die europäische Landwirtschaft sei lebensfähig, es gebe nur kurzfristige Schwierigkeiten und sie habe eine strahlende Zukunft - beispielsweise weil die Bevölkerung und die Mittelschicht in Fernost und Afrika wachse, die man versorgen könne.

Ein Patentrezept, also ein "So sei es", ein "Amen", wird in "Bauer Unser" nicht eindeutig präsentiert. Vielmehr wird versucht, über das Darstellen von Widersprüchen und Doppelmoral Reflexion bei den Sehern auszulösen. Sehr wohl werden bäuerliche Beispiele geliefert, wie es auch "anders" ginge. Für leichte Unterhaltung sollte man sich diesen Film im Kino nicht aussuchen - will man seinen kritischen Geist schärfen, dann ist man bei "Bauer Unser" sicher richtig.





Schlagwörter

Nachhaltigkeit, Doku, Bauer Unser

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-11-04 13:30:05
Letzte ńnderung am 2017-03-14 12:04:16



Filmkritik

Extrablatt für die Trump-Ära

Kämpfen gemeinsam um die Pressefreiheit: Ben Bradlee (Tom Hanks) und Kay Graham (Meryl Streep). - © UPI Politiker lügen. Heute weiß man das. In den 1970ern war das aber noch eine Nachricht wert. Und was für eine: Eine... weiter




Filmkritik

Sex mit dem Wassermann

Die Unterwasser-Blase, in der sich die stumme Putzfrau Elisa (Sally Hawkins) befindet, besteht aus Liebemachen im randvoll gelaufenen Badezimmer... weiter




Wind River

Leid in Eis und Schnee

Ganz schön kalt ist vor allem der jungen FBI-Agentin (Elizabeth Olsen) aus Florida, Jeremy Renner ist da härter im Nehmen. - © Thimfilm Was ist der 18-jährigen Frau, die zu Beginn von "Wind River" barfuß und im Vollmondschein durch eine nächtliche Schneelandschaft läuft... weiter





Werbung



Kommentar

Schnucki fährt im Froschi vor

Man hätte den Österreichern mehr Kreativität zugetraut. Zumal man als unfreiwilliger, aber umso aufmerksamer Zuhörer von Telefonaten in öffentlichen... weiter





Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Ich entschuldige mich"
  2. Von YouTube in die Wiener Stadthalle
  3. Starke Frauen und mutiger Film räumen ab
  4. Ein tieftrauriger Romantiker
  5. "Hosen runter, gib ihm!"
Meistkommentiert
  1. Armin Wolf klagt FPÖ wegen Facebook-Posting
  2. ÖVP/FPÖ sorgen für Zweidrittelmehrheit im ORF
  3. "Ich entschuldige mich"
  4. "Kultur in harten Kämpfen verschonen"
  5. New York verklagt Weinstein

Bille August.

Am Donnerstag, 15. Februar 2018, ging die Eröffnung der 68. Berlinale über den roten Teppich. Zahlreiche Stars aus nah und fern waren mit dabei.

Wissensdurstig, neugierig, seelenvoll und nachdenklich sieht David Bowie auf den Aufnahmen aus. Hier in August Wallas Zimmer. Die 75. Golden Globes wurden zur Bühne der Frauen mit einer Kampfansage an Sexismus, Missbrauch und Benachteiligungn. "Ich möchte, dass heute alle Mädchen wissen, dass ein neues Zeitalter am Horizont anbricht", sagte die US-Entertainerin Oprah Winfrey in ihrer Dankesrede nach Empfang des Ehrenpreises für ihr Lebenswerk - und rührte viele im Saal zu Tränen. "Zu lang wurden Frauen nicht angehört oder ihnen wurde nicht geglaubt, wenn sie den Mut hatten, gegen die Macht von Männern aufzubegehren." Deren Tage seien nun gezählt. Jetzt müssten alle dafür kämpfen, dass es in Zukunft niemanden mehr gibt, der als Opfer "Me too" sagen muss, mahnte Winfrey. Zur ganzen Rede

Quiz



Werbung



Werbung


Werbung