Michael Kreihsl. - © apa/Hochmuth
Michael Kreihsl. - © apa/Hochmuth

Michael Kreihsl ist gut gelaunt. Sein neuer Film "Liebe möglicherweise" kommt an. Beim Publikum der Filmfestivals, die ihn schon gezeigt haben, darunter jenes von Montréal. Bei den Kritikern, auch bei jenen, die seine bisherigen Arbeiten sonst weniger enthusiastisch bewertet hatten. Der 58-jährige Wiener Regisseur hat in den letzten eineinhalb Dekaden viel am Theater gemacht, darunter drei Glattauer-Inszenierungen. Sonst hat er vorwiegend Filme fürs Fernsehen gedreht, und da gerät so mancher Filmkünstler formatbedingt schnell in seichtere Gewässer. Der Kinospielfilm, jene "Königsklasse", in der Kreihsls Karriere begann, musste 16 Jahre warten.

Nach seinem Debüt mit "Charms Zwischenfälle" (1996) war es vor allem "Heimkehr der Jäger" (2000), der Kreihsl als vielversprechende Hoffnung des neuen österreichischen Films auf die Landkarte setzte. Damals begann der heimische Film gerade international zu boomen; die ersten wichtigen Festivaltrophäen wurden gewonnen und klingende Namen geformt - von Haneke bis Seidl, von Barbara Albert bis Virgil Widrich. Auch Kreihsl war einer von ihnen.

Suche nach Liebe in Zeiten rastloser Kommunikation


Doch das Fernsehen nahm ihn stark in Beschlag. Kreihsl inszenierte Filme wie "Weihnachtsengel küsst man nicht" oder auch eine Folge von "Die Landärztin". Das ist nicht gerade hohe Filmkunst.

Devid Striesow und Edita Malovcic suchen in "Liebe möglicherweise" Nähe beieinander. - © Filmladen
Devid Striesow und Edita Malovcic suchen in "Liebe möglicherweise" Nähe beieinander. - © Filmladen

"Liebe möglicherweise" (derzeit im Kino) ist also ein Film, den zu diesem Zeitpunkt niemand von Kreihsl erwartet hätte. Mit einer großen Stilsicherheit, mit Leichtfüßigkeit und, ja, auch mit Charme, verhandelt Kreihsl die Suche verschiedener Städter nach Nähe und Liebe, die in Zeiten allumfassender Kommunikation immer schwieriger geworden zu sein scheint.

Ein verheirateter Familienvater (Devid Striesow) lässt sich mit der Freundin (Edita Malovcic) seines besten Freundes (Norman Hacker) ein. Seine Ehefrau (Silke Bodenbender) kommt hinter den Betrug, seine pubertierende Tochter (Jana McKinnon) entfremdet sich zusehends von ihrem Vater und der greise Vater (Otto Schenk) des Betrogenen laboriert an seinen Altersleiden, nicht jedoch, ohne sich weiterhin für die Belange seines Sohnes zu interessieren. "Ich habe mich gefragt, warum viele eine Sehnsucht nach Nähe haben und gleichzeitig unfähig sind, diese Nähe zuzulassen", sagt Kreihsl im Gespräch. "Das sehe ich um mich herum überall. Es gibt einen großen Drang nach Nähe, die viele nie leben können. Das Wissen über diese Ambivalenz in uns macht uns unruhig, manchmal auch aggressiv. Das wollte ich erforschen: Woher kommt diese treibende Unruhe in uns?"