• vom 03.12.2016, 08:00 Uhr

Film


Liebe möglicherweise

Ein Film ganz ohne Mieselsucht




  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Matthias Greuling

  • Regisseur Michael Kreishl über sein fulminant geglücktes Beziehungsdrama "Liebe möglicherweise".

Devid Striesow und Edita Malovcic suchen in "Liebe möglicherweise" Nähe beieinander. - © Filmladen

Devid Striesow und Edita Malovcic suchen in "Liebe möglicherweise" Nähe beieinander. © Filmladen

Michael Kreihsl.

Michael Kreihsl.© apa/Hochmuth Michael Kreihsl.© apa/Hochmuth

Michael Kreihsl ist gut gelaunt. Sein neuer Film "Liebe möglicherweise" kommt an. Beim Publikum der Filmfestivals, die ihn schon gezeigt haben, darunter jenes von Montréal. Bei den Kritikern, auch bei jenen, die seine bisherigen Arbeiten sonst weniger enthusiastisch bewertet hatten. Der 58-jährige Wiener Regisseur hat in den letzten eineinhalb Dekaden viel am Theater gemacht, darunter drei Glattauer-Inszenierungen. Sonst hat er vorwiegend Filme fürs Fernsehen gedreht, und da gerät so mancher Filmkünstler formatbedingt schnell in seichtere Gewässer. Der Kinospielfilm, jene "Königsklasse", in der Kreihsls Karriere begann, musste 16 Jahre warten.

Nach seinem Debüt mit "Charms Zwischenfälle" (1996) war es vor allem "Heimkehr der Jäger" (2000), der Kreihsl als vielversprechende Hoffnung des neuen österreichischen Films auf die Landkarte setzte. Damals begann der heimische Film gerade international zu boomen; die ersten wichtigen Festivaltrophäen wurden gewonnen und klingende Namen geformt - von Haneke bis Seidl, von Barbara Albert bis Virgil Widrich. Auch Kreihsl war einer von ihnen.


Suche nach Liebe in Zeiten rastloser Kommunikation
Doch das Fernsehen nahm ihn stark in Beschlag. Kreihsl inszenierte Filme wie "Weihnachtsengel küsst man nicht" oder auch eine Folge von "Die Landärztin". Das ist nicht gerade hohe Filmkunst.

"Liebe möglicherweise" (derzeit im Kino) ist also ein Film, den zu diesem Zeitpunkt niemand von Kreihsl erwartet hätte. Mit einer großen Stilsicherheit, mit Leichtfüßigkeit und, ja, auch mit Charme, verhandelt Kreihsl die Suche verschiedener Städter nach Nähe und Liebe, die in Zeiten allumfassender Kommunikation immer schwieriger geworden zu sein scheint.

Ein verheirateter Familienvater (Devid Striesow) lässt sich mit der Freundin (Edita Malovcic) seines besten Freundes (Norman Hacker) ein. Seine Ehefrau (Silke Bodenbender) kommt hinter den Betrug, seine pubertierende Tochter (Jana McKinnon) entfremdet sich zusehends von ihrem Vater und der greise Vater (Otto Schenk) des Betrogenen laboriert an seinen Altersleiden, nicht jedoch, ohne sich weiterhin für die Belange seines Sohnes zu interessieren. "Ich habe mich gefragt, warum viele eine Sehnsucht nach Nähe haben und gleichzeitig unfähig sind, diese Nähe zuzulassen", sagt Kreihsl im Gespräch. "Das sehe ich um mich herum überall. Es gibt einen großen Drang nach Nähe, die viele nie leben können. Das Wissen über diese Ambivalenz in uns macht uns unruhig, manchmal auch aggressiv. Das wollte ich erforschen: Woher kommt diese treibende Unruhe in uns?"

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-12-02 16:59:14


Foxtrot

Die auf der Stelle treten

Die israelische Armee steht im Mittelpunkt von Samuel Maoz’ aufwühlendem Drama "Foxtrot". - © Polyfilm Die zwei Soldaten, die bei Michael (Lior Ashkenazi) und Dafna Feldman (Sarah Adler) klingeln, werden gleich schlechte Nachrichten überbringen... weiter




Filmstart

Klischee-Parade

Hausfrau und Mutter Deanna (Melissa McCarthy) möchte mit einem College-Abschluss ihr Selbstwertgefühl verbessern. - © Warner Bros Ganz ehrlich, wer will schon mit seiner Mutter eine Party feiern, die über Familien-Geburtstagsfeste hinausgeht? Und gar an der Uni und im Campus... weiter




Filmkritik

Wie man das Sterben plant

Zwei Schwestern: Ines (Alicia Vikander, links) begleitet Emilie (Eva Green) während ihrer letzten Lebenstage in der Sterbeklinik. - © Filmladen Mitten im Wald, gut versteckt und nur per Hubschrauber zu erreichen, liegt das malerische Anwesen, in dem die beiden Schwestern Ines (Alicia Vikander)... weiter





Werbung



Kommentar

Die Mordtaten gehen weiter

Früher war alles besser. Früher sind mit dem Ende der Spargelsaison auch die Zahlen der mit diesem Gemüse verursachten Mordtaten zurückgegangen... weiter





Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. bowling
  2. Eine rückwärtsgewandte Utopie
  3. Der große Kämpfer
  4. Wertlose Wissenschaft
  5. Mit weit aufgerissener Seele
Meistkommentiert
  1. achtung!
  2. Ode an die Kunstfreiheit
  3. Aufmüpfig, nicht getröstet!
  4. "Eine große Frau mit Haltung"
  5. Der große Kämpfer

DVD & Bluray

The 100, Staffel 4

- © Warner Weil die Atomreaktoren auf der Erde schmelzen und bald ein Inferno auslösen werden, fragen sich die Überlebenden, wofür sie angesichts des nahenden... weiter




DVD & Bluray

Berlin Falling

- © Warner Der Ex-Elitesoldat Frank kann seine Kriegserlebnisse nicht abschütteln und dröhnt sich zwecks Vergangenheitsbewältigung mit Alkohol zu... weiter





Sean Godwells Entwurf einer Kapelle erinnert beim ersten Auftritt des Vatikans auf der Architekturbiennale in Venedig auf den ersten Blick an einen aufklappbaren Würstelstand.

Shepard Fairey vor seinem Mural am Wiener Flughafen. Eleni Foureira aus Zypern während ihres Probe-Auftritts in Lissabon. 

Fritz G. Mayer, Fritz Wotruba, Kirche zur Hl. Dreifaltigkeit, Außenansicht, Wien 23, 1974–1976. Das Siegerfoto mit dem Titel "Venezuela Krise", es zeigt einen 28-jährigen Mann mit brennendem Oberkörper während heftiger Proteste gegen Präsident Nicolas Maduro in Caracas im Mai 2017. 

Quiz




Werbung