Wien. Sie gehört zu den wichtigsten Vertretern des heimischen (Dokumentar-)Films: Ruth Beckermann dreht seit 40 Jahren Filme und ihr inzwischen umfangreiches Werk wird nun in einer Retrospektive des Österreichischen Filmmuseums gezeigt (12. Dezember bis 5. Jänner). Zugleich startet in der kommenden Woche auch ihr neuester Film "Die Geträumten" in den Kinos. Die Beckermann-Festspiele werden durch die Publikation eines Buches über ihr Werk, herausgegeben von Alexander Horwath und Michael Omasta abgerundet.

Das Buch und die Retrospektive greifen Beckermanns Drang auf, ihre Filme als politisch relevante Aussagen zur Zeit zu begreifen, und zwar nicht nur, weil sich diese Filmemacherin vorderhand überwiegend mit historischen Ereignissen befasst, sondern weil sie diese auch immer in einen größeren Kontext zu setzen versucht, in dem nicht bloß ein Ereignis für sich steht, sondern auch alle Konsequenzen mitgedacht werden, die es mit sich brachte. Auf diese Weise entstanden Kompendien zur Identität Österreichs, zum Judentum, zu persönlichen Erlebnissen, die es allesamt auch im kollektiven Erleben unserer Gesellschaft gibt.

Von Arena bis Obama


Beckermann begann ihre Karriere 1976 als Teil eines Videokollektivs und gestaltete in "Arena besetzt" bereits politisches Kino nach ihrem Geschmack. "Die papierene Brücke" (1987) wurde zur Spurensuche nach ihrem aus Czernowitz stammenden Vater, "homemad(e)" (2001) beleuchtete die Befindlichkeiten rund um das Viertel der Wiener Marc-Aurel-Straße, die Heimat der Regisseurin. Aber auch das Interesse an Kaiserin Elisabeth in Ägypten ("Ein flüchtiger Zug nach dem Orient", 2007) oder die US-Realität unter Barack Obama ("American Passages", 2008) zeigen das weite thematische Spektrum dieser Regisseurin. In ihrer neuen Arbeit "Die Geträumten" lässt sie Anja Plaschg und Laurence Rupp im Wiener Funkhaus einander jene Briefe vortragen, die sich das kurzzeitige Liebespaar Ingeborg Bachmann und Paul Celan dereinst schrieb.

Der bei Synema erschienene Band zu Beckermanns Werk lässt tief blicken in die Arbeitsweise und Denkschule dieser Filmautorin, die hier auch ausführlich selbst zu Wort kommt.

Programm der Retrospektive: www.filmmuseum.at, Buch "Ruth Beckermann" erschienen bei Synema