PoPffffüüüüh! PoPffffüüüüh! Man sollte es nicht glauben, aber im kommenden Jahr ist das wohl berühmteste Bronchialgeräusch der Filmgeschichte 40 Jahre alt. 1977 begann mit "Star Wars" eine monumentale Reise, die noch lange nicht am Ende angelangt ist. Erinnern wir uns kurz an die erste Szene des legendären ersten Films (Episode IV), in der Darth Vader das Schiff von Rebellen-Prinzessin Leia entert, die sozusagen den Schlusspunkt dessen setzt, was nun in "Rogue One" ab Donnerstag auf die Leinwand kommt. Leia ist seine Tochter, aber das weiß der Mann mit dem schwarzen Umhang und der schlechten Angewohnheit, subalterne Schwachköpfe mittels Gedankenkraft die Kehle zuzuschnüren, natürlich noch nicht. Sie weiß es übrigens auch nicht. Dass Luke Skywalker ihr Bruder ist, wissen alle drei noch nicht. Viel Unwissenheit, die sich erst im Laufe der Zeit klärt. Leia versteckt nun also die Pläne des Todessterns im Droiden R2D2, bevor sie sich festnehmen lässt. Die Handlung nimmt ihren Lauf.

Frauen voran


Auf die Frage, wo denn die Pläne eigentlich herkamen, wird nur in einem Satz eingegangen, nämlich insofern, dass "viele Spione dafür ihr Leben lassen mussten". Womit wir mitten in "Rogue One" wären. Und wie auch im letzten Film "The Force Awakens" ist es diesmal mit Jyn Erso (Felicity Jones) eine weibliche Protagonistin, die das Heft in der Hand hat. Leia musste sich 1977 noch von Han Solo, dem maskulinen Schurken mit dem halbguten Herzen, von oben herab abkanzeln lassen, um sich dann als "damsel in distress" aus Darth Vaders Verlies retten zu lassen. Dass sie ihm selbstredend genau wegen seines respektlosen Umgangs mit Frauen nach endlosen Blaster-Schießereien letztlich doch schmachtend um den Hals fällt, lässt in seiner Nicht-Logik schon fast Referenzen an den guten alten Western erahnen - Yes, Ma’am. Da war Rey (Daisy Ridley) die selbständige Schatzsucherin, die berufsmäßig ironischerweise abgestürzte imperiale Sternenkreuzer ausweidet, in "The Force Awakens" schon aus einem anderen Holz geschnitzt. Als der konvertierte Sturmtruppler Finn versucht, ihr während der gemeinsamen Flucht die Hand zu reichen, weist sie ihn noch im vollen Lauf rüde zurecht. Nun sind es also mit Rey und Jyn endlich die starken Frauen, die die Geschicke der Rebellion in die Hände nehmen. Because it’s 2016!

Männer am Rücksitz


Dass der Weltraum-Western "The Force Awakens" des Jahres 2015 eine weibliche Hauptfigur hatte, die sozusagen gleich in zwei Sonnenuntergänge reitet, ist nur die logische Weiterentwicklung der weiblichen Hauptfigur. Immerhin bewährt sie sich in Episode VI auf Endor in einer handfesten Verfolgungsszene auf dem imperialen Gleiter, während der Held, Luke Skywalker, gar auf dem Rücksitz Platz nehmen muss. In "Rogue One" ist es mit Jyn Erso hingegen eine andere starke Tochter, die den Ton angibt. Das tragende Motiv der gescheiterten Väter (Darth Vater - Luke und Han Solo - Kylo Ren) wird in "Rogue One" durch einen epochalen Vater-Tochter-Konflikt getragen. Jyn Erso ist die Tochter des Architekten des Todessterns. Keines bösen zwar, aber immerhin jenes Mannes, der dem Imperator die geladene Waffe an die Hand reicht. Das erinnert an die Worte aus der hinduistischen Bhagavad Gita: "Now, I am become Death, the destroyer of worlds", die Robert Oppenheimer, Vater der Atombombe, einst zitierte.

Die Härte des Imperiums


"Rogue One" ist zwar der achte Film, wird aber nicht der achte Teil der Saga werden. Es handelt sich um ein "Spin-off", einen in sich geschlossenen eigenständigen Film, der zwar im "Star Wars"-Universum spielt, jedoch nicht an die Hauptreihe anknüpft. Die Fortsetzung von "The Force Awakens" und somit Episode VIII der Saga kommt erst 2017 in die Kinos. Das gab den Machern Freiheit. Freiheit, die sie aus Sicht von Disney ganz schamlos ausnützten. Denn "Rogue One" ist ein Kriegsfilm, düster und kalt. Er zeigt die Härte des Imperiums in seiner ganzen Klarheit. Natürlich ist daher auch Darth Vader eines der wenigen Bindeglieder zu den übrigen Filmen. Ein geschickter Schachzug natürlich, die wohl ikonischste aller "Star Wars"-Figuren wieder auferstehen zu lassen - liegt sein Tod nach einer hastigen Bekehrung am Ende von Episode VI noch in der Zukunft. Endor, Scheiterhaufen, die ganzen felligen Ewoks - Sie erinnern sich.

Disney, das die "Star Wars"-Rechte von George Lucas erworben hat, war "Rogue One" in der ersten Fassung jedenfalls zu sehr Kriegsfilm und zu wenig Weltraumsaga. Daher mussten nach personellen Konsequenzen 40 Prozent des Films neu gedreht werden. "Völlig normal", hieß es dazu bei Disney. Aber sicher doch. Man darf gespannt sein, was nach dem Anwerfen des großen Disney-Weichspülgangs vom ursprünglichen Konzept übrig geblieben ist. Aber so ist das mit Spin-offs, sie sind manchmal eine gelungene Ergänzung, manchmal eine Enttäuschung, weil sie sich zwar die narrative Welt teilen, aber nicht unbedingt die Geschichte. Auch von "Harry Potter", eine bekanntermaßen nach acht Filmen von der Autorin mit Nachdruck abgeschlossene Geschichte, läuft soeben mit "Fantastic Beasts and where to find them" ein Nebenstrang. Es ist zwar ebenso aus der Feder von J.K. Rowling (ursprünglich übrigens kostenlos auf der Fanseite veröffentlicht) - aber Harry Potter wird man dort nicht finden.