Szene aus Mario Camerinis italienischem Klassiker "Rotaie". - © Foto: Filmarchiv Austria
Szene aus Mario Camerinis italienischem Klassiker "Rotaie". - © Foto: Filmarchiv Austria

Anders, als man heutzutage vermuten mag, wurde den ersten zarten Versuchen, den Tonfilm in den Kinosälen dieser Welt zu etablieren, nicht die erwartete Euphorie entgegengebracht. Publikum, Künstler und Kritiker wussten nach den ersten Tonfilmerfahrungen die Vorzüge der zum Ende der 1920er Jahre hochentwickelten Stummfilmsprache sehr zu schätzen: Das Medium hatte sich vom "abgefilmten" Theater entfernt und über die Jahre hinweg eine universelle visuelle Sprache entwickelt. Wie sehr sich die Kinobesucher anfangs gegen den Tonfilm sträubten, zeigte sich zum Beispiel bei einer Testvorführung im September 1929: Damals votierten 685 Besucher für die stumme Version von Alfred Hitchcocks "Blackmail". Nur 439 wollten die vertonte Version sehen. Das Vorhaben, die schweigenden Projektionen laut werden zu lassen, konnte trotzdem nicht aufgehalten werden.

Vor allem Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre befand man sich daher in einer Übergangszeit von Stumm- auf Tonfilm. Eine Zeit, in der aber trotzdem noch zahlreiche Stummfilme produziert wurden. Viele von ihnen gelten heute als "die letzten Meisterwerke des Stummfilms". Diesen Meisterwerken widmet das Filmarchiv Austria derzeit eine große Retrospektive zum Jahresausklang. Passend zur stillsten Zeit des Jahres zeigt das Metro Kinokulturhaus die Sammlung "Last Silents" und lässt darin die Ära dieser besonderen Kunstform des Filmemachens noch einmal hochleben.

Kuratiert wird sie von Stefan Drößler (Filmmuseum München), Live-Musikbegleitung gibt es von Gerhard Gruber, Florian C. Reithner und Benedikt Vecsei. "Last Silents" kann als Schwanengesang auf eine filmgeschichtliche Epoche verstanden werden, in der der Film einen künstlerischen Höhepunkt erlangte und trotz fehlendem Ton die Welt eroberte. Gezeigt werden insgesamt 37 Filme aus verschiedenen Ländern und Kontinenten, darunter zahlreiche Klassiker wie Alan Croslands "The Jazz Singer" (25. Dezember, 21 Uhr und 7. Jänner, 19 Uhr) aus dem Jahr 1927, Charlie Chaplins "City Lights" (25. Dezember, 19 Uhr, 7. Jänner, 21 Uhr) von 1931 oder Erich Strohheims "The Wedding March" (26. Dezember, 18.30 Uhr) von 1928, in dem der Regisseur selbst die Hauptrolle spielt - als Spross einer heruntergekommenen Adelsfamilie, der sich in ein Mädchen aus einfachen Verhältnissen verliebt.

Schönheit hat ihren Preis: Szene aus "Prix de beauté" (1930). - © Foto: Filmarchiv Austria
Schönheit hat ihren Preis: Szene aus "Prix de beauté" (1930). - © Foto: Filmarchiv Austria

Zudem gibt es auch einige österreichische Erstaufführungen von Filmen, die fast ein Jahrhundert nach ihrem Erscheinen erstmals ihren Weg auf die heimische Kinoleinwand gefunden haben. Zu ihnen zählt "A Cottage on Dartmoor" (22. Dezember, 21 Uhr) oder Mario Camerinis italienischer Klassiker "Rotaie" (22. Dezember, 19 Uhr), in der erst kürzlich wiederhergestellten originalen Stummfilmfassung. Ein weiteres Highlight ist auch Jacques Feyders "The Kiss" (21. Dezember, 21 Uhr), der als letzter Stummfilm der großen Greta Garbo gilt. Er handelt von einem College-Studenten, der sich in eine verheiratete Frau verliebt und damit eine Katastrophe auslöst, die ungeahnte Ausmaße annimmt.