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Privatsphäre

Mit Untoten auf Einkehrschwung

"Angriff der Lederhosenzombies" ist der zweite Spielfilm des Jungregisseurs Dominik Hartl.

von Wolfgang Liu Kuhn
Dominik Hartl färbt den Schnee blutrot. (© wikimedia/Queryzo)

Ob im Fernsehen, auf der großen Leinwand oder im echten Leben bei Ereignissen wie dem "Zombie Run" - Untote sind momentan allgegenwärtig. Jetzt machen sie auch die Après-Ski-Hütten in den Alpen unsicher - zumindest, wenn es nach der Vision der österreichischen Regie-Hoffnung Dominik Hartl geht: In seinem zweiten abendfüllenden Spielfilm "Angriff der Lederhosenzombies" (jetzt im Kino) ist Kunstschnee die Quelle allen Übels. Er verwandelt die Menschen in Zombies. Dummerweise lassen sich diese kaum von den feiernden Ski-Touristen unterscheiden, bis sich drei Snowboarder des Problems annehmen und mit den Kanten ihrer Snowboards kurzen Prozess machen - Blut und Splatter inklusive. Die Mischung aus Klamauk und Horror ist das Herzensprojekt des gebürtigen Schladmingers Hartl.

"Wiener Zeitung": Untote sind derzeit groß in Mode - inwiefern erwarten Sie durch den Hype Rückenwind für Ihre "Lederhosenzombies"?

Dominik Hartl: Ich arbeite schon seit sieben Jahren an dem Projekt, 2009 habe ich den ersten Entwurf geschrieben. Ich habe damals schon Angst gehabt, dass wir zu spät dran sind, dann ist der erste Teil von "Dead Snow" herausgekommen. Ich finde es bemerkenswert, dass der Hype immer noch anhält. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es so lange gehen würde, wobei das Genre spätestens seit "World War Z" Mainstream geworden ist. Lokal gesehen ist diese Art der Zombie-Thematik hingegen Neuland.

Allerdings ist Ihnen die "Erste Allgemeine Verunsicherung" mit dem Begriff "Lederhosenzombies" zuvorgekommen.

Ich war darüber ziemlich verärgert, denn die haben das ganz offensichtlich von uns gestohlen. Es hat 2011 einen ersten Fake-Trailer für den Film gegeben. Dann gab es 2014 eine Hetzkampagne von der "Kronen Zeitung" in Oberösterreich, als das Projekt die ersten Förderungen bekommen hat - der Landeshauptmann hat dafür extra seinen Urlaub unterbrochen, um ein Statement abzugeben. Auch in der Steiermark hat die "Kronen Zeitung" gegen uns angeschrieben, was für uns eigentlich großartig gewesen wäre - das Konfrontationspotenzial und die Kontroverse haben uns aber die EAV und insbesondere Klaus Eberhartinger weggenommen.

Sie kommen aus Schladming, eine bekannte Wintersport-Destination. Inwiefern hat Ihre Herkunft Ihren aktuellen Film beeinflusst?

Sehr stark natürlich. Ich habe die Idee zu den Lederhosenzombies beim Skifahren in Schladming gehabt, als wir diese betrunkenen Horden vor einer Skihütte gesehen haben. Da ist mir die Idee gekommen: Wenn es eine Zombie-Apokalypse gäbe, könnte niemand die betrunkenen Après-Ski-Gäste von den echten Zombies unterscheiden. Das zweite Bild in meinem Kopf war dann, diese Untoten mit Snowboard-Tricks in Stücke zu hacken. Das tiefergehende Thema hinter dem Film ist die Gier der Touristiker und Unternehmer.

Warum haben Sie den Film nicht in Schladming gedreht?

Wir haben das versucht, aber die Schladminger wollten das Projekt nicht, weil es ihnen zu schräg und brutal war. Im Endeffekt ist es an nicht bewilligten Förderungen gescheitert, weswegen wir den Film in Südtirol gedreht haben, die das Projekt im Sinne einer Wirtschaftsförderung proaktiv unterstützt haben.

Immerhin konnten Sie im Endeffekt auf ein Budget von 2,5 Millionen Euro zurückgreifen.

Ja, aber der Dreh war eine Gratwanderung - wir mussten ihn perfekt vorbereiten, hatten null Spielraum und mussten auch etliche Handlungsstränge und Szenen streichen. Wir haben die Effekte geschickt über den Film verteilt, mit einem starken Beginn und einem spektakulären Finale. Ich persönlich mag es gerne, wenn man filmische Lösungen sieht, die aus einer Not heraus entstanden sind, was die Sache ja eigentlich charmanter und cooler macht.

Was so weit geführt hat, dass Ihr Special-Effects-Mann Tissi Brandhofer immer wieder in leichter Verzweiflung gefragt hat: "Wie stellt ihr euch das eigentlich vor?"

Tissi ist eine legendäre Figur in der österreichischen Filmlandschaft mit einer sehr direkten Art. Der hat sich halt gewundert, was diese jungen Trotteln von ihm wollen. Inzwischen sind wir gute Freunde geworden, weil wir uns mit kreativen Lösungen seinen Respekt erkämpft haben. Das "Wie stellt ihr euch das vor?" ist nicht nur von ihm ganz oft gekommen. Die Make-up-Abteilung war da auch ganz vorne mit dabei, wir haben ja bis zu 15 Maskenbildner auf 2000 Meter Seehöhe geschleppt. Die Drehbedingungen waren extrem, es hat jeden Tag Situationen gegeben, bei denen ich nur noch gebetet habe, dass sich niemand verletzt. Wir hatten ständig mit Schneestürmen zu kämpfen, ich selbst wäre bei den Vorbereitungen fast von einem Schneebrett verschüttet worden.

Sie selbst leben seit einem Jahr in New York. Wie haben Sie den Wahlsieg Donald Trumps miterlebt?

Ich war zu der Zeit in Brooklyn, eine linke und alternative Blase. Die Leute dort waren völlig fassungslos, sie haben überhaupt nicht verstanden, was hier gerade passiert. Erstaunlicherweise waren die Schwarzen und Latinos weniger überrascht, da sie ohnehin täglich mit Rassismus konfrontiert sind. Die Wahl war jedoch auch ein Weckruf: Viele Menschen organisieren und vernetzen sich und machen sich ernsthaft Gedanken, wie es weitergehen kann. Insofern habe ich die Hoffnung, dass hier vielleicht eine neue Vision und eine echte Alternative entstehen könnten.



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