Hollywood. (greu) Ein paar lange Gesichter gab es am Sonntag Abend in Los Angeles schon beim Team von "Toni Erdmann": Regisseurin Maren Ade, die zusammen mit ihren Hauptdarstellern Peter Simonischek und Sandra Hüller zur Preisverleihung angereist war, ging bei der Prämierung in der Kategorie "Bester nicht-englischsprachiger Film" leer aus - und das, nachdem man seit der Premiere in Cannes vergangenen Mai auf einer Erfolgswelle dahinsegelte, die der deutsche Film schon lange nicht mehr gesehen hatte. Zuletzt räumte "Toni Erdmann" die fünf wichtigsten Preise der europäischen Filmakademie ab; aber Europa ist eben nicht Hollywood, und so entschied man sich hier lieber für Paul Verhoevens grandiosen Thriller "Elle" mit Isabelle Huppert als Vergewaltigungsopfer in der Titelrolle. Ein Preis, der schon sehr in Ordnung geht. Ebenso wie die recht überraschende Auszeichnung für Huppert selbst, als beste Schauspielerin in der Kategorie "Drama". Dort konkurrierte sie unter anderem mit Amy Adams ("Arrival") und Natalie Portman ("Jackie").

Die Golden Globes sind die wichtigsten Stichwortgeber für die Oscar-Jury und treffen selten daneben bei ihrer Wahl; das würde bedeuten, dass es "Toni Erdmann" auch bei den Oscars schwer haben dürfte. Mit einer Nominierung sollte aber zu rechnen sein. Diese werden am 14. Jänner bekanntgegeben.

Triumph für "La La Land"

Aus amerikanischer Sicht ist die Kategorie der besten fremdsprachigen Filme nur eine Fußnote des Abends. Wichtiger sind hier die Preise für die besten US-Filme. Als bestes Drama wurde "Moonlight" über einen schwulen Afroamerikaner ausgezeichnet, Regie führte Barry Jenkins.

Großer Abräumer der Gala war das nostalgische Musical "La La Land" mit sieben Trophäen - ein neuer Rekord bei den Globes. "La La Land", eine Hommage an die goldene Ära der Musicals, wurde in der Kategorie "Bester Film - Musical/Komödie" ausgezeichnet. Zudem gab es Trophäen für den erst 31-jährigen Regisseur und Drehbuchautor Damien Chazelle sowie die Hauptdarsteller Emma Stone und Ryan Gosling. Die beiden singen und tanzen sich in dem Film, der am kommenden Freitag in den österreichischen Kinos anläuft, als Liebespaar durch Los Angeles. Auch die Preise für die beste Filmmusik und den besten Song gingen an "La La Land". Bisher hatte es bei den Golden Globes höchstens sechs Auszeichnungen für einen Film gegeben: Das hatten in den 1970er Jahren jeweils "Einer flog über das Kuckucksnest" und "12 Uhr nachts - Midnight Express" geschafft.

Wenig überraschend wurde Casey Affleck bei den Herren als bester Drama-Darsteller prämiert. Er spielte sich in dem Familiendrama "Manchester by the Sea" von Kenneth Lonergan in die Herzen der Jury der US-Auslandspresse, die die Globes vergibt. Casey Affleck begibt sich damit auf Oscar-Kurs - vor allem die prämierten Schauspieler in der dramatischen Kategorie sind später zumeist auch die Sieger bei den Academy Awards.

Preis für "The Crown"

"Zoomania" gewann die Trophäe für den besten Animationsfilm. "The Crown" (Netflix) über die britische Königin Elisabeth II. wurde als beste Dramaserie und "Atlanta" (FX) von und mit Donald Glover als beste Comedyserie ausgezeichnet. In den Kategorien für "Miniserie oder Fernsehfilm" triumphierten zwei Serien zu zeitgenössischen Themen: "The People v. O.J. Simpson: American Crime Story" (FX) über den Mordprozess des früheren Football-Stars wurde zur besten Miniserie erklärt, Schauspielerin Sarah Paulson gewann den Preis als beste Darstellerin.

Alle drei weiteren Schauspielpreise gingen an "The Night Manager", eine Thrillerserie nach einem Roman von John le Carre über Waffenhändler im Nahen Osten. Tom Hiddleston siegte als bester Hauptdarsteller; Hugh Laurie und Olivia Colman gewannen darin die Preise für Nebendarsteller. Die Serie wurde von der britischen BBC produziert und ist bei Amazon zu sehen. Der US-Kabelsender HBO, der mit Serien wie "Game of Thrones" und "Veep" 14 Mal nominiert war, ging überraschend leer aus.

Meryl Streep wurde bei der Gala mit dem Cecil B. Demille-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet - und nutzte ihren Auftritt auf der Bühne für klare Worte über den künftigen US-Präsidenten Donald Trump. Und auch Moderator Jimmy Fallon hatte ein paar Späße in Richtung Trump parat. Viele Stars würden der Amtseinweihungsfeier Trumps fernbleiben, so Fallon, und spielte auf die von Streep dargestellte Hauptfigur in der Komödie "Florence Foster Jenkins", die als die schlechteste Opernsängerin aller Zeiten in die Geschichte einging, an. "Selbst sie hat es abgelehnt, bei Donald Trumps Amtseinführung aufzutreten."