Unter den Autorenfilmern waren Sie einer der wenigen, der sich 3D gewidmet haben.

Martin Scorsese hat in 3D gedreht, nicht zuletzt, weil er meinen Film "Pina" gesehen hatte. Ang Lee hat es benutzt, aber die Industrie hat sich entschlossen, aus 3D auszusteigen, wenn es um ernsthafte Stoffe geht. Sie will es als Medium für Humbug, Action oder Klamauk benutzen. Ich habe von den Industry Papers - vom "Hollywood Reporter" bis zu "Variety" - immer nur die volle Breitseite für meine 3D-Filme bekommen, weil sie eben nicht wollen, dass es noch etwas anderes gibt als die von der Industrie geforderten 3D-Produktionen. Diese Magazine haben keine Meinung, die schreiben, was die Industrie will, und die will keine anderen 3D-Filme als ihre eigenen, und das ist ein kulturelles Verbrechen.

"Die schönen Tage von Aranjuez" beschreibt auch den Zustand der Welt: Am Ende verdunkelt sich der Himmel, aus der Jukebox erklingt "The World is on Fire" und der Schriftsteller weint.

Ich habe das bewusst mit diesen Bildern angereichert, auch die Bilder des Anfangs eines menschenleeren Paris haben ja inzwischen eine andere Bedeutung bekommen. Als Filmregisseur will ich stets reagieren und die Veränderungen kommentieren. Deshalb handeln viele meiner Filme von Veränderung. "Bis ans Ende der Welt", den ich 1990 drehte, hat sich eine Welt ausgemalt, die heute so geworden ist, wie ich es damals gezeigt habe. Es laufen heute nur mehr Menschen rum, die dabei auf kleine Monitore schauen, das haben die Zuschauer damals für Science Fiction gehalten. Damals als Horrorvision gedreht, inzwischen die völlige Normalität.

Inzwischen drehen Sie vermehrt Dokumentarfilme. Wieso?

Weil die Spontaneität dabei viel größer ist. Im Kino werden heute mehr und mehr Formeln verlangt, nach denen Spielfilme konzipiert werden sollen. Die Verleiher wollen heute, dass Spielfilme in nur einem Satz erzählbar sind, und wenn das nicht geht, braucht man den Film auch nicht machen. Denn nur, was in einem Satz erzählt werden kann, ist heute noch verleihbar. Deshalb liebe ich die offene, dokumentarische Form, weil sie diesen Zwängen noch nicht unterliegt.