Nicht alles an Kristen Stewart ist androgyn, aber sie ist schon eine der jungen Hollywood-Schauspielerinnen, die sich in ihren Filmen derzeit so unfeminin und burschikos wie möglich inszenieren lassen. Als wolle Stewart dem Schmollmund-Image der "Twilight"-Saga, die sie über Nacht zum Weltstar machen, einfach dauerhaft entkommen. Auch die Rolle in "Personal Shopper" trägt solche rebellischen Züge.

"Wiener Zeitung": Frau Stewart, zunächst waren Sie der Teenie-Star, jetzt spielen Sie fast nur mehr ernsthafte Rollen in europäischen Kunstfilmen. Woher der Wandel?

Kristen Stewart: Ich kann verstehen, was Sie sehen: Diesen Imagewandel, das Rollenbild. Aber ich muss sagen: Ich habe jede meiner Rollen mit derselben Energie, dem selben Enthusiasmus gespielt und ohne Nachzudenken meinen kreativen Bedürfnissen nachgegeben. Gute Regisseuren bringen einfach gute Resultate. Ich erlaube mir, mich der Magie einer kreativen Zusammenarbeit hinzugeben. Auch, wenn ich damit vielleicht nicht auf Nummer Sicher gehe.

Was ist geblieben vom "Twilight"-Hype?
Mit 17 wurde ich weltberühmt, und das ist nicht gesund. In dem Alter kannst du nicht einmal die Menschen, die dich unmittelbar umgeben, einordnen. Man macht sich extrem Gedanken, wie man bei anderen ankommt und auf sie wirkt. Und wenn man in dieser Phase den Massen ausgesetzt ist, und nicht nur dem engsten Umfeld, dann ist das alles andere als ein natürlicher Zustand.

Was haben Sie dagegen getan?
Ich habe mir Methoden zurecht gelegt, wie man mit Medien umgeht. Ich habe langsam die Balance gefunden, die Dinge, die mir wertlos sind, zu ignorieren, und alles wirklich auf mich einwirken zu lassen, was ich als menschlich empfinde. Es ist ein schmaler Grat, sich nicht vor der Welt zu verstecken und zugleich ehrlich zu bleiben.

In Ihrem neuen Film "Personal Shopper" sind Sie die Assistentin eines Hollywoodstars, für den sie shoppen gehen.
Man muss schon ein ganz spezieller Mensch sein, um jemand anderen dienen zu wollen und selbst immer nur den Rücksitz zu nehmen, was die eigenen Bedürfnisse betrifft. Dabei kann man sich ziemlich klein vorkommen. Das ist ein schlimmes Gefühl.

Haben Sie eine Assistentin?
Ich habe eine Stylistin, die mit mir schon seit Jahren arbeitet. Die Kleidung und die Schuhe und der Schmuck - all das, was wir am roten Teppich und bei Galas tragen, wird uns von Modeschöpfern und Designern geliehen. Das heißt aber nicht, dass diese Kleidung deshalb nicht authentisch ist. Ein guter Stylist strebt nach Natürlichkeit. Als Schauspieler bist du immer bestrebt, so viel Natürlichkeit wie möglich in dein Spiel zu bringen, und das drückt sich auch über die Kleidung aus.