Film ist kein günstiges Unterfangen. Hinter jeder auf der Leinwand oder dem Fernsehschirm erzählten Geschichte steht eine große Menge Kapital. Diese wirtschaftliche Seite ist die Aufgabe eines Produzenten. "ProPro - Das Produzentinnen-Programm" wurde in der vergangenen Woche aufgrund der positiven Resonanz zum zweiten Mal mit Workshops, Vorträgen und Seminaren ausgerichtet. Ursula Wolschlager von der Produktionsfirma "Witcraft" ist Mitorganisatorin. "Es ist in Österreich", sagt sie, "einfach so: Je höher die Budgets werden, umso weniger Frauen sind einerseits in der Regie und vor allem in der Produktion. Um die Frauen, die in diesem Bereich arbeiten, zu stärken, haben wir ProPro ins Leben gerufen."

Wer die Bilder schafft

"Es geht nicht nur darum, wie viele Projekte von Frauen gemacht werden, sondern auch, wie viel Geld in diese Projekte fließt", sagt Wolschlager weiter. 22 bis 25 Prozent der Geldmittel im Filmsektor werden an Frauen vergeben, wenn Regie, Drehbuch und Produktion einbezogen werden. Dies geht aus Zahlen von "fc gloria" hervor, einer Vereinigung, die sich für die Interessen von Frauen in der Filmbranche einsetzt. Beim Filminstitut hat man die Notwendigkeit erkannt. Seit 2013 ist Iris Zappe-Heller Genderbeauftragte und nun Schirmherrin des Produzentinnen-Programms.

Längerfristig wäre ein Szenario wünschenswert, in dem 50 Prozent der Geldmittel an Projekte von Frauen vergeben werden, so Wolschlager. "Es geht darum, wer die Bilder schafft, die konsumiert werden. Film ist eines der kraftvollsten Medien, die wir haben, und wenn es so unausgewogen ist, was dort an Figuren und Geschichten gezeigt wird, finde ich das problematisch." Untersuchungen darüber, welche Frauenfiguren es gebe und in welcher Komplexität sie auftreten, schockierten. "Was bedeutet das für die Mädchen, die jetzt aufwachsen?"

Welche Rolle eine Produzentin spielen kann, zeigt Ewa Puszczynska, die aus der Praxis berichtet. Die polnische Produzentin ist als Mentorin am Programm beteiligt. Ihre Zusammenarbeit mit Pawel Pawlikowski für "Ida" hat 2015 zu einem Oscar für den besten fremdsprachigen Film geführt. Die gemeinsame Arbeit beschreibt sie heute als "schmerzhafte Erfahrung". Pawlikowski, aus dem Dokumentarfilm kommend, pflege das Skript erst mit der Kamera zu schreiben. Ein Albtraum für jede Produzentin, die Drehtage, Budget und Crew zusammenhalten muss. In Polen würden viele Regisseure ihre Produktionsfirmen unglücklicherweise wie Feinde oder Hindernisse behandeln, dabei gehe es um gegenseitiges Vertrauen. Damit für die 16 Teilnehmerinnen aus Österreich, der Schweiz und Südtirol auch so fruchtbare Projekte entstehen, ging es ans Eingemachte: das Management. Linda Beath ist Finanzierungsexpertin und CEO einer italienischen Filmproduktionsfirma. "Die ganze Filmindustrie tut sich schwer mit dem Management, das betrifft längst nicht nur Frauen", ermuntert sie und präsentiert einschlägige Firmenmodelle. Am häufigsten sei das, was sie "Ein-Mann-und-ein-Hund-Modell" nennt. Vertreter dieses Modells realisieren alle paar Jahre nur einen Film. Damit kommt man natürlich nicht weit.

Sie schlägt Zusammenschlüsse vor: "Seid drei Frauen und drei Hunde." Kollegen zu haben führe zu einer effizienteren Unternehmensstruktur: "Werdet größer!" Dies sei auch ein Grund für das Programm gewesen, so Wolschlager: "Damit das Einzelkämpfertum nicht weiter kultiviert wird." Dabei seien Investoren nützlich, rät Beath: "Ihr alle führt kleine und unprofitable Firmen - in einem glamourösen Sektor. Private Investoren kaufen Glamour, nicht Geld." Geld für Filme kommt auch vom Fernsehen. Der Fernsehfonds Österreich ist ein unterstützender Partner der Veranstaltung.

In der abschließenden Paneldiskussion wurde die Frage gestellt, wie der Frauenanteil im Fernsehen erhöht werden könnte. ORF-Programmdirektorin Kathrin Zechner vermisst Unternehmergeist und Expertise bei den Produzentinnen. Fernsehen sei ein besonders hartes Geschäft. Die Produzentin und Regisseurin Nina Kusturica von "fc gloria" hält dagegen, beides sei vorhanden, nur müsse man den Frauen auch die Chance geben, sich zu beweisen. Letzten Endes verlangen beide Seiten mehr Mut voneinander: Den der Frauen, sich offensiv selbst zu vermarkten, und den des Marktes, ihnen die Gelegenheit dazu zu geben.