Während im Diagonale-Programm ernste Themen wie Drogenabhängigkeit, späte Abtreibung oder das Schicksal gehörloser Menschen die Grazer Kinosäle füllen, geht es beim alljährlichen ORF-Abend während des Festivals durchaus heiterer zu. Da nämlich steht meist ein hochkarätig besetztes Stück Unterhaltung auf dem Programm, das später hauptabendtauglich Top-Quoten einfahren soll. In den vergangenen Jahren waren viele der inzwischen erfolgreich laufenden Landkrimis hier zu sehen, diesmal hatte die ORF-Stadtkomödie "Die Notlüge" Premiere.

Regie führte Marie Kreutzer, die zuletzt mit "Was hat uns bloß so ruiniert" auf den Kinoleinwänden humorvoll elterliche Probleme wälzte. Für ihre erste Fernseharbeit setzte sie das Drehbuch von Schauspielerin Pia Hierzegger in Szene, die im Film ebenfalls eine Rolle spielt.

Im Zentrum steht das getrennt lebende Ehepaar Hubert, gespielt von Josef Hader, und Helga (Brigitte Hobmeier), das sich eigentlich gut arrangiert hat. Hubert hat jetzt Patricia (Hierzegger) und Helga hat Wolfi (Andreas Kiendl), und auch die gemeinsamen Kinder sind im Patchwork eigentlich zufrieden. Nur die herzkranke Mutter von Hubert, Marianne (Christine Ostermayer) weiß von nichts. Das will Hubert aber endlich ändern. Bei einem Familienfest will er die ganze Wahrheit auf den Tisch legen, vor der ganzen Familie. Aber letztlich entkommt seinem Mund bloß eine Notlüge.

Die von der Epo-Film hergestellte Komödie ist ganz nach Josef Haders Geschmack, denn: "Es ist das erste Mal, dass ich in einem Ensemble-Stück mitspielte, und das war eine großartige Erfahrung für mich", sagt Hader. "Man fühlt sich in so einem Team richtig gut aufgehoben". Hader, der in Graz auch sein eigenes Regiedebüt "Wilde Maus" zeigte, mit dem er in den österreichischen Kinos bis dato über 230.000 Besucher anlocken konnte, kommt gerade von einer Deutschland-Tournee, bei der er "Wilde Maus" promotete. "In manchen Teilen Deutschlands läuft der Film sehr gut, etwa in Bayern, Berlin oder Baden-Würtemberg", freut sich Hader.

"Die Notlüge" ist Haders erste Zusammenarbeit mit Regisseurin Marie Kreutzer. "Sie ist wunderbar, und ich finde, dass ich mit Frauen immer viel besser arbeiten konnte als mit Männern", gesteht Hader. "Als Kabarettist arbeite ich ja generell eher allein, aber wenn es in der Zusammenarbeit mit anderen Probleme gab, dann waren das meistens Männer". Nachsatz: "Entspanntes Arbeiten, das geht eben nur, wenn nicht alles so testosterongeschwängert ist".