New York/Los Angeles. (dpa/est) Der Oscar-gekrönte US-Regisseur Jonathan Demme ist tot. Demme, der bei Erfolgsfilmen wie "Das Schweigen der Lämmer" und "Philadelphia" Regie geführt hatte, sei am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit) im Alter von 73 Jahren in seiner Wohnung in New York gestorben, gab seine Sprecherin bekannt. Seine Frau und seine drei Kinder seien bei ihm gewesen. Demme habe an Speiseröhrenkrebs gelitten. Die Familie plane eine kleine Beerdigung im privaten Kreis.

Jonathan Demme, geboren am 22. Februar 1944 im Bundesstaat New York, hatte jahrzehntelang als Regisseur, Schauspieler und Produzent gearbeitet. Sein größter Erfolg, "Das Schweigen der Lämmer", wurde 1992 mit fünf Oscars zum besten Film gekürt und mit dem Silbernen Bären der Berlinale ausgezeichnet. Gefeiert wurde Demme auch für das bewegende Aidsdrama "Philadelphia". Die Rolle eines Aidskranken brachte dem Schauspieler Tom Hanks 1994 einen Oscars ein.

"Demme war ein endlos erfinderischer und kreativer Filmemacher, ein Erzähler von mutiger und muskulöser Kraft", schreibt der britische "Guardian" in seinem Nachruf. Gelobt wurde seine hohe Arbeitsmoral und seine spezielle Sicht auf den Zeitgeist, während er gleichzeitig in der Lage war, Filme zu machen, die ein breites Publikum ansprechen. Er schuf Kult-Filme der 1980er Jahre, wie "Melvin" oder "Something Wild" (gefährliche Freundin), bevor ihm 1991 mit "Das Schweigen der Lämmer" eine lukrative und viel gepriesene Version von Thomas Harris’s makaberem Roman über den kannibalischen Serienkiller Hannibal Lector gelang.

Der Film katapultierte Anthony Hopkins in die Liga der Top-Hollywoodstars und festigte Jodie Fosters Ruf als exzellente Filmschauspielerin. Demme selbst gewann einen noch höheren Status in der Filmindustrie. Er orchestrierte Szenen zwischen Foster und Hopkins, die Filmgeschichte schrieben - etwa das erste psychologische Duell zwischen Lecter und Clarice Starling, bei dem er in einer Zelle hinter Panzerglas steht. "Der Regisseur fand einen Weg, die beiden durch düstere psychische Kräfte zeitlos faszinierender Mythen zu verbinden", so der britische Filmkritiker Peter Bradshaw: Die Schöne und das Scheusal, King Kong und Fay Wray, Dracula und Lucy - der Räuber und scheinbar wehrlose, schöne Frau. Und dennoch hat die Beziehung zwischen Lecter und Starling etwas zweideutig-beschützendes, bizarr-romantisches.

Parallelleben als Doku-Filmer


Musik spielte in Demmes Leben eine große Rolle. Er führte ein berufliches Parallelleben als Regisseur von Musik-Dokumantationen. Zu seinen Werken zählt der bemerkenswerte Konzertfilm "Stop Making Sense", für den Demme die Rockband Talking Heads begleitete. Er drehte auch Musikfilme über die Band The Pretenders und die Musiker Bruce Springsteen und Neil Young. Zuletzt holte er 2015 Meryl Streep in der Tragikkomödie "Ricki - Wie Familie so ist" als Rockröhre vor die Kamera.

Stars und Kollegen trauern um den Schöpfer unvergesslicher Filme. "Jonathan Demme war ein großartiger Künstler, Wohltäter, Aktivist und ein hilfreicher Kollege", schrieb Regisseur Ron Howard auf Twitter. Man werde ihn sehr vermissen. Oscar-Preisträger Barry Jenkins ("Moonlight") würdigte den Regisseur als eine "gewaltige Seele". Er sei "der liebenswerteste, großzügigste" Mensch gewesen. Auch Tom Hanks, Elijah Wood und Christine Lahti bekundeten ihre Trauer. Demme sei einer der großartigsten Menschen gewesen, sagte Hanks. "Er zeigte uns, was für ein großes Herz ein Mensch haben kann", sagte der Schauspieler der Internetplattform "People.com".