Mörths Hauptdarstellerin Ada Condeescu zeigt tolle Leinwandpräsenz. - © Cuemark Filmverleih
Mörths Hauptdarstellerin Ada Condeescu zeigt tolle Leinwandpräsenz. - © Cuemark Filmverleih

Als der Grazer Filmemacher Markus Mörth im Jahr 2011 begann, sein Langfilmdebüt "Geschwister" zu Papier zu bringen, da konnte er nicht ahnen, dass seine Geschichte einmal von der Realität überholt werden würde. Als die Kameras 2015 zu laufen begannen, war die Flüchtlingswelle schon im Anrollen, und die Drehorte am Balkan, wo ein Großteil des Films entstand, waren kurze Zeit später dicht für den Flüchtlingsstrom.

Mörth erzählt die Geschichte zweier Teenager, die sich von ihrem Heimatland Moldawien aufmachen, um sich bis nach Deutschland durchzuschlagen; es sind sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge, die sich ein besseres Leben erhoffen. Dafür nehmen die 18-jährige Bebe (Ada Condeescu) und ihr jüngerer Bruder Mikhail (Abdulkadir Tuncer) einen beschwerlichen Weg auf sich, kämpfen sich über den Balkan, mal zu Fuß, mal übers Wasser, mal im doppelten Boden eines Schlepper-Lkw, wo ihnen fast die Luft wegbleibt, bis sie endlich in den verheißungsvollen Westen gelangen, in dem angeblich alles möglich scheint. Allein: Hier monatelang in Heimen für Asylwerber festzustecken, kommt einem Gefängnis gleich, das sie sich so nicht vorgestellt hätten. Gerade das nervenaufreibende Warten auf den Bescheid, das nüchtern-abweisende Verhalten der Behörden, das Verbot zu arbeiten - all das zehrt an den Kräften der Flüchtlinge, fast mehr noch als die Flucht selbst.

Markus Mörth inszeniert "Geschwister" als Odyssee in ein vermeintlich besseres Leben, aber er bleibt mit seinem Stil stets Realist, lässt sich nicht zum Träumen verleiten. Die schlichte, feinsinnig durchdachte Inszenierung wird von den beiden begabten jungen Hauptdarstellern geadelt, allen voran von Ada Condeescu, die großes Talent und eine tolle Präsenz zeigt. Ihre Figur Bebe entwickelt durchaus Ambitionen, glaubt an eine Zukunft in Deutschland, ist integrationswillig, auch wenn die Bedingungen eigentlich gegen sie sprechen. Und auch, wenn man ihr verknappt Tipps gibt, wie man die Chancen auf Asyl erhöhen kann: "Such dir einen Mann und werde schwanger", heißt es da. Ihr Bruder wiederum hat größere Probleme mit der Integration, es folgt eine Eskalation.

"Geschwister" hinterlässt den Eindruck eines authentischen Lebensabbildes und weiß zu berichten: Die meisten Träume, die man auf dieses Europa projiziert, bleiben unerfüllt.

"Geschwister" ist derzeit täglich im Wiener Topkino zu sehen. www.geschwister-film.com