Es muss Ende der Achtziger Jahre gewesen sein. "Knight Rider", die legendäre Serie mit dem sprechenden Auto und David Hasselhoff als schmückendem Beiwerk, war gerade 1986 nach vier Jahren rüde abgesetzt worden und geisterte fortan quer durchs europäische Fernsehen. Der Tatort: die Wiener Stadthalle. Michael Knight hatte sich für eine Show in Wien angesagt. Oder besser: sein Auto. Weil darum ging es den versammelten Buben in der Stadthalle eigentlich. Was stattdessen kam, war David Hasselhoff. Er sang. Und sang. Und hörte fast gar nicht auf. Erst ganz am Ende rollte - unter dem Einsatz beängstigender Nebelmaschinen - das heiß ersehnte Auto auf die Bühne: Kitt. Und machte, was es auch sonst immer tat: Wuuuh! Wuuuh! - unter heftigem Hin- und Herlaufen der roten Balken an der Front. David Hasselhoff sprang aufs Dach und sang weiter. Man war, sagen wir einmal, not amused. So hatten sich die vorwiegend männlichen Teenager die Show eigentlich nicht vorgestellt. Zu viel von der Lederjacke, viel zu wenig vom Auto - Kitt, hol mich hier raus!

Die Karriere von David Hasselhoff ist in der Tat wohl eines der erstaunlichsten Phänomene des US-Fernsehens. Erst diese Woche startete der Film "Baywatch" in den heimischen Kinos. Für David Hasselhoff sprang dabei nur ein Kurzauftritt heraus: Er sitzt in einem Strandsessel und trinkt Bier. Denn seine angestammte Rolle, Mitch Buchannon, wurde an einen anderen vergeben: Dwayne Johnson, der aussieht wie der Hulk, den man wegen einem besseren Jugendrating strategisch gebräunt hat, hat nun das Sagen in der Welt des Strandes von Malibu Beach. Auch Pamela Anderson wurde ersetzt, auch sie hat gerade einmal einen Cameo-Auftritt im neuen Film.

Sand, Haut und Salzwasser

Über den Film muss man weiters nicht viel wissen, außer dass er zum dümmlichsten Unfug zählt, der je ein Lichtspielhaus befallen hat. Und daher bleibt auch das Erbe von "Baywatch", immerhin von 1990 bis 2001 im Fernsehen zu sehen und damit eine der längstlaufenden Serien im US-Fernsehen, immer mit dem heute 63-jährigen David Hasselhoff verbunden. Dabei war "Baywatch" vom Start weg alles andere als ein Erfolg. Ursprünglich sollte die Serie nach einer Staffel auf NBC eingestellt werden. Aber Hasselhoff, eigentlich als Schauspieler engagiert, kaufte die Rechte und produzierte das Drama um Sand, Haut und Salzwasser auf eigene Rechnung weiter. Mit fast schon absurd anmutendem Erfolg: Die Sendung wurde zum Straßenfeger und ging rund um die Welt. Sie wurde zum stilprägenden Genre und etablierte dabei völlig neue Filmkonventionen. Pamela Anderson im legendären roten Badenanzug mit einem Gesichtsausdruck, als könnte sie sich gerade nicht entscheiden, ob sie zu einer Lebensrettung oder zu einem Kingsize-Bett unterwegs ist, läuft im Sinne einer Signature-Sequenz ja stets in Zeitlupe. Aus rein ästhetischen Gründen freilich - und nicht etwa zum Spektakel der Teenager dieser Welt.

Hasselhoff gelang mit "Baywatch" ein Rekord: Mehr als eine Milliarde Zuschauer in 140 Ländern sahen die Serie und damit wurde auch Hasselhoff zu einer der präsentesten Fernsehfiguren. Damit war es mit dem Ende von "Baywatch" allerdings rasch wieder vorbei. Es begann eine Achterbahnfahrt von Kurzauftritten in anderen Filmen, wobei es stets der ironische Cameo war, der Hasselhoff zugedacht wurde. So erwies er sich etwa in "Sponge Bob - der Film" als Retter der beiden Zeichentrickfiguren. Ein realer Mensch in einem reinen Zeichentrickfilm: Klingt strange, ist es auch. In "Click" spielte er Adam Sandlers Boss, in "DodgeBall" spielte er den deutschen Trainer einer Sportmannschaft.

In der Rolle des zwielichtigen Deutschen fand er kurzfristig eine zweite Heimat. 2006 verpflichtete ihn Mel Brooks als Roger DeBris, den Regisseur des Nazi-Musicals "Frühling für Hitler", einer fiktiven Musical-Szene im Musical "The Producers". Weitere Musical-Rollen folgten.

Aber nicht Hasselhoffs deutsche Abstammung (seine Ururgroßmutter Meta wanderte 1865 aus Bremen aus) machten ihn zur idealen Besetzung für eine deutsche Rolle. Vielmehr ist es Hasselhoffs absurd erfolgreiche Musikkarriere in Deutschland und Österreich, die er schon nach dem Aus von "Knight Rider" in den Achtziger Jahren hinlegte. Sein Album "Looking for Freedom" erreichte in Deutschland Dreifach-Platin-Status. Auch die Nachfolgeralben gingen noch gut, bevor dieser Teil seiner Karriere in der Bedeutungslosigkeit versank.

Ins Reich der verklärten Legenden kann man wohl seinen Auftritt an der Berliner Mauer zu Silvester 1989 verweisen. Nein, es war entgegen der landläufigen Meinung nicht David Hasselhoff, der im Alleingang die Berliner Mauer niedergesungen hatte, obwohl er das in Interviews mitunter nicht gänzlich geschichtstreu so darstellt: "I just happened to have a song called ‚Looking for Freedom‘ - and the wall came down", erklärte "the Hoff" dem "Guardian" unter leichter Geschichtsbeugung. Folgerichtig beschwerte sich Hasselhoff 2004 in nur minimaler Selbstüberschätzung, dass im Museum am Checkpoint Charlie kein Bild von ihm zu sehen war. Fakt ist jedoch, dass "Looking for Freedom" im Berlin zur Zeit der Wende sicherlich einen Nerv getroffen hatte und der Song bis heute als inoffizielle Hymne des Mauerfalls gilt. Und so werden in den Hipsterläden Friedrichshains auch heute noch T-Shirts mit dem Konterfei des "Befreiers" verkauft.