Wie viel Spontaneität ist Ihnen da noch geblieben?

Diese Dialoge waren schon sehr genau vorbereitet. Die dramaturgischen Angelpunkte des Films, wie etwa die allererste Szene der beiden Freunde auf der Couch, wo man bemerkt, dass sie von ihrer normalen Alltagssprache, also wienerisches Hochdeutsch, rasend schnell in ein "Migrantendeutsch" wechseln können, wenn es erforderlich ist, waren sehr genau geplant. Ich bestehe nicht auf Dialogzeilen, wenn sie nicht für den Film unbedingt wichtig sind.

An wen richtet sich "Die Migrantigen" hauptsächlich?

In erster Linie wollten wir einen Film für uns machen. Also für die Leute, die hier in Wien, in Österreich leben, die zweite oder die dritte Generation von Einwanderern, die Gastarbeiterkinder, und -kindeskinder, die alle eh schon Österreicher sind, oder auch schon hier geboren wurden. Für die ist der Film gedacht, weil sie sich darin wiederfinden können. Der Film soll aber für alle übrigen Österreicher genauso funktionieren. Trotzdem: Wir fragten uns, warum es bisher keine Filme für diese Leute gibt, die in der zweiten oder dritten Generation hier sind und mit dem sonstigen österreichischen Film wohl eher wenig anzufangen wissen. Viele von denen wissen gar nicht, dass es überhaupt Filme aus Österreich gibt.

Der Film hat durch sein Thema auch einen doppelten Boden. Wie hoch sind die Ansprüche an eine Moral gewesen, die der Zuschauer mitnehmen kann?

Man kann den Film als 90-minütige, rasante Komödie sehen und sich dabei völlig zurücklehnen und mitlachen. Aber natürlich ist das, worüber man lacht, der von Ihnen angesprochene doppelte Boden. Hier liegen viele Schichten darunter, die gesellschaftsrelevante Themen ansprechen. Das beginnt beim Outfit der Protagonisten und setzt sich fort in der Art, wie sie gehen und sprechen und mit Körpersprache Konversation treiben.

Bis der Film gedreht werden konnte, vergingen mehrere Jahre an Vorbereitung. Zermürbt das?

Wir haben insgesamt 15 Drehbuchfassungen in zwei Jahren geschrieben, und dabei haben wir wie ein Pendel in verschiedene Richtungen ausgeschlagen: Manchmal entwickelte sich der Plot ein bisschen mehr in Richtung Slapstick, dann war es zu sehr ein Sozialdrama, was uns geärgert hat, weil genau das wollten wir ja nicht machen. Irgendwann hat sich das auf das richtige Maß eingependelt. Dann kam der Punkt, an dem man das Buch verfilmen musste, sonst wäre es zu lange und zu oft umgeschrieben worden. Irgendwann muss man es loslassen. Von Beginn an geblieben ist die Essenz der Geschichte: Zwei Menschen müssen sich als etwas ausgeben, das sie nicht sind. Das ist der rote Faden.