Karl-Martin Pold ist wahrscheinlich der größte Bud-Spencer-Fan aller Zeiten. Das behaupten vermutlich auch all die anderen, die sich in regelmäßigen Abständen zu Fan-Treffen und Conventions einfinden, denn der 2016 verstorbene Carlo Pedersoli - so hieß Bud Spencer mit bürgerlichem Namen - erfreut sich immer noch größter Beliebtheit. "Er wird verehrt, die Fans verkleiden sich wie Spencer und Terrence Hill zu ihren besten Zeiten und sie sprechen in Filmzitaten miteinander, ganz wie bei den großen Franchises ‚Star Wars‘ oder ‚Star Trek‘", weiß Pold. "Ich wollte mit meinem Film nacherlebbar machen, was es heißt, ein echter Fan zu sein."

Einmal sein Idol treffen


Polds Bemühungen sind endlich von Erfolg getragen: Mehr als acht Jahre lang arbeitete er an seiner Fan-Doku "Sie nannten ihn Spencer" (jetzt im Kino), unzählige Anläufe, sein großes Idol persönlich zu treffen, scheiterten oder verliefen im Sande, und doch hat Pold am Ende erreicht, was er wollte: "Bei den Premieren-Terminen merke ich nun, wie extrem gut der Film ankommt, nicht nur bei Spencer-Fans, sondern auch allgemein. Mir fällt nach so vielen Jahren der Arbeit an diesem Projekt ein schwerer Stein vom Herzen". Für Pold ist es ein "Ritterschlag", dass die Fan-Basis "Sie nannten ihn Spencer" liebt und den Film als würdiges Denkmal für Carlo Pedersoli empfindet.

Der Film ist ein wildes Potpourri aus Filmausschnitten, aus Fanbegegnungen und Bud-Verehrungen geworden; im Zentrum steht aber die Reise zweier Fans, die nichts mehr wollen, als einmal im Leben ihr Idol zu treffen. Marcus Zölch und Jorgo Papasoglou machen sich in Begleitung von Polds Kamera auf, die Weggefährten des italienischen Haudrauf-Hünen zu treffen, in der Hoffnung, es tue sich irgendwo ein Weg zu Bud höchstselbst auf. Zölch hat in seiner Jugend einen schweren Unfall mit drohender Querschnittlähmung überstanden, weil ihm die Spencer-Hill-Filme so sehr motivierten. Papasoglou kam blind zur Welt und hat all die Filme nur gehört; dennoch hat er ein sehr konkretes Bild von Bud Spencer im Kopf.

"Ich bin natürlich selbst der größte Fan, aber ich wollte nicht dieser Mode nachgehen, bei der sich die Regisseure selbst in ihre eigenen Filme hineinbringen", erzählt Pold. "Meine beiden Protagonisten hatten außerdem so viel Charme, dass mir schnell klar war, dass wir die Geschichte über sie erzählen werden."

Mehr als zwei Jahre verbrachte Pold mit dem Schnitt seines Films. "Ich habe hunderte Stunden Material gedreht, alles natürlich sehr chaotisch und ohne viel Geld. Das musste erst sortiert werden, und außerdem sollte der Film nicht 08/15 sein. Ich wollte mit witzigen Anekdoten zeigen, wie Bud Spencer getickt hat und wie seine Fans ticken", sagt Pold. Das ist ihm mit dem Film auch gelungen.

Eine ebenso lange Zeit wie der Filmschnitt nahm auch die Klärung der Rechte in Anspruch, die für die zahllosen Filmausschnitte nötig waren: "Viele dieser Filme aus den 70er und 80er Jahren sind von Filmfirmen produziert worden, die es längst nicht mehr gibt. Alles gestaltete sich sehr schwierig", sagt Karl-Martin Pold.

270.000 Likes auf Facebook


Sein Filmprojekt hat der Regisseur schon während des Drehs via sozialer Medien mitverfolgbar gemacht. "Da haben wir erst kapiert, wie sehr Bud Spencer auch Jahrzehnte nach seinen Filmerfolgen noch die Fans bewegt", erzählt Pold. Und erbringt den Beweis dafür: "Allein auf Facebook hat unser Projekt mehr als 270.000 Likes. Ein Wahnsinn!"

Als Bud Spencer am 27. Juni 2016 starb, da war der Film bereits so gut wie abgedreht. "Es gab davor schon immer wieder solche Hoax-Meldungen, dass Bud gestorben wäre", erinnert sich Pold. "Aber als es dann wirklich bestätigt war, wurde mir bewusst, wie tief ich in der Materie drinsteckte: Ich hatte mich acht Jahre lang jeden Tag mit Bud Spencer beschäftigt. Für mich war es, als wäre ein Familienmitglied gestorben."