Nina Proll hat noch immer kein Problem mit dem Sager, sie hätte einen "geilen Arsch". - © Katharina Sartena
Nina Proll hat noch immer kein Problem mit dem Sager, sie hätte einen "geilen Arsch". - © Katharina Sartena

Wien. Mit ihren Aussagen und Postings zur Sexismus-Debatte hat Nina Proll kürzlich für viel Aufsehen gesorgt. Sie stellte darin die Hysterie an den Pranger, mit der die Debatte geführt wird, und rief zu einem entspannteren Umgang im Zusammenleben der Geschlechter auf. Dass sie dabei vor allem bei Feministinnen aneckte, weil sie in Ordnung findet, wo für andere bereits die Belästigung beginnt, nimmt Proll in Kauf. Ganz nebenbei bringt ihr das Scheinwerferlicht auf ihre Person nämlich viel Öffentlichkeit für ihren neuen Film "Anna Fucking Molnar" (ab kommenden Freitag im Kino), der durchaus große Teile der derzeitigen Debatte zum Inhalt hat - von Sexismus bis hin zur Ausnützung von Machtverhältnissen.

Proll, die zum Film auch das Drehbuch verfasst hat, spielt eine Schauspielerin am Rande des Nervenzusammenbruchs: Ihr Freund und Theaterdirektor (Proll-Ehemann Gregor Bloéb) hat eine Jüngere, das Theater feuert sie und ihr scheinbares Heil in den Armen eines Feuerwehrmanns (Murathan Muslu) scheitert an dessen vermeintlicher Impotenz. Viele Klischees in einem Film, der als Komödie funktioniert, aber eigentlich die Realität abbildet.

"Wiener Zeitung":Frau Proll, wir wollten uns über Ihren neuen Film unterhalten, doch dann passiert die Sexismus-Debatte, und Sie treten in die Öffentlichkeit mit einer sehr entspannten Haltung zum Thema. Hat Ihnen das geschadet?

Nina Proll: Im Gegenteil. Ich bekomme derzeit hunderte, wenn nicht tausende Nachrichten von Menschen aus allen Bevölkerungsschichten, die mir dafür danken, dass es endlich eine prominente Person gibt, die zu diesem Thema die Perspektiven gerade rückt. Es bewegt sich etwas, die Menschen diskutieren über sexuellen Missbrauch und über Belästigung - und zwar quer durch alle Bereiche.

Glauben Sie, dass die Sozialen Medien wie Facebook oder Twitter maßgeblich an der Art, wie die Debatte heute geführt wird, beteiligt sind? Immerhin erleben wir hitzige, ja fast fiebrige Hyperventilation auf allen Kanälen.

Ja, das ist sicherlich ein Faktor, denn was da an Hass hineingeschrieben wird, bringt das Schlechteste im Menschen zum Vorschein. Andererseits glaube ich aber auch, dass die Betroffenheitspostings auf Facebook am eigentlichen Problem vorbeischrammen. Es gibt da ein grobes Missverständnis: Nämlich darüber, wo tatsächliche Belästigung beginnt. Viele Frauen, die wirklich sexuell belästigt oder missbraucht werden, werden in dieser Debatte gar nicht mehr gehört.

Stehen Sie nach wie vor zu Ihrem Posting auf Facebook, in dem Sie vor der Hysterie gewarnt hatten, alle Männer in einen Topf zu werfen?

Ja, ich stehe zu diesem Posting. Ich glaube, dass die Lösung des Problems nicht in kollektivem Leid und Vorwürfen liegen kann, sondern nur in bewusstem und aktiv gelebtem Feminismus.

In der TV-Konfrontation auf Puls 4 haben Feministinnen wie Hanna Herbst und die Grün-Politikerin Sigrid Maurer Ihre Positionen mit Kopfschütteln kommentiert.

Die haben vor Empörung ganz schön nach Luft geschnappt. Natürlich gibt es genug Männer, die ein rückständiges Frauenbild haben, und das kann man kritisieren, aber warum es kriminalisieren? Verschwenden wir doch nicht so viel wertvolle Zeit damit! Stattdessen könnten wir längst selbst Firmen gründen, Vorstandsvorsitzende werden oder eigene Filme machen. Mehr Anzeigen und Gerichtsverfahren führen nur dazu, dass beide Seiten verlieren, Männer wie Frauen.

Wie gehen Sie damit um, wenn der berühmte Klaps auf den Po kommt?

Das passiert mir eigentlich nie. Aber selbst wenn, ich verzeihe Männern chauvinistisches Verhalten, weil es in ihrer Biologie veranlagt ist. Je nachdem, wie der Mann erzogen wurde, wie er sozialisiert ist, welche Umgangsformen er gelernt hat, ist der Mann dann fähig, Manieren zu entwickeln. Ganz ehrlich: Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der Männer den Frauen nicht mehr hinterherpfeifen. Wenn ein Regisseur zum Beispiel sagt, ich habe einen "geilen Arsch", dann habe ich damit kein Problem. Ehrlich, ich fühle mich deswegen weder erniedrigt noch diskriminiert. Ich frage mich vielmehr, woher diese neue Prüderie kommt, wo doch unsere Mütter in den 70ern für sexuelle Freiheit gekämpft haben.

Würden Sie Ihr Posting noch einmal genau so abschicken?

Ja, ich würde es genau so wiederholen. Ich habe versucht, einen neuen Blickwinkel auf das Thema zu werfen. Das ist als Künstler meine Aufgabe, noch dazu, wo mein Drehbuch von Anfang bis Ende voll mit Sexismus ist und einen völlig unkorrekten Umgang beider Geschlechter miteinander propagiert.

In "Anna Fucking Molnar", zu dem Sie das Drehbuch verfasst haben, geht es um eine Schauspielerin am Tiefpunkt. Wie viel davon haben Sie selbst von eigenen Erfahrungen eingebracht?

Ich glaube, überraschend viel. 50 Prozent davon, was im Film zu sehen ist, kenne ich aus eigener Erfahrung. Misserfolge, schlechte Kritiken, falsch zitierte Interviews, Agenten, die dir Rollen einreden, Regisseure, deren Anweisungen man nicht versteht, Männer, die impotent sind, Väter, die hilflos vor den Trümmern ihrer Ehe stehen - all das kenne ich nur zu gut.