• vom 21.11.2017, 16:29 Uhr

Film


Ulrich Seidl

Unverwechselbar und voller Ideen




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  • Ulrich Seidl veröffentlicht all seine Filme als luxuriöse DVD-Box und dreht derzeit an seinem neuen Werk "Böse Spiele".

Ulrich Seidl (Mitte) am Set seines Spielfilms "Böse Spiele". - © apa

Ulrich Seidl (Mitte) am Set seines Spielfilms "Böse Spiele". © apa

(greu) Er ist einer der wenigen Filmemacher, die es geschafft haben, einen unverkennbaren Stil zu entwickeln: Ulrich Seidl, der kommenden Freitag seinen 65. Geburtstag feiert, hat es geschafft, dass man seine Filme schon anhand nur einer einzigen Einstellung erkennt und ihm zuschreiben kann.

Überprüfen kann man die Entwicklung dieser Stilistik nun anhand einer umfangreichen Werksammlung: Bei Hoanzl sind sämtliche Filme Seidls in einer edlen DVD-Edition erschienen. Diese beinhaltet sämtliche Arbeiten seit 1980 - von seinen ersten Kurzfilmarbeiten wie "Einsvierzig" oder "Der Ball" über preisgekrönte Dokumentarfilme wie "Good News" (1990), "Tierische Liebe", (1994) oder "Models" (1998), bis hin zu Seidls Spielfilmen "Hundstage" (2001), "Import/Export" (2007) oder der "Paradies"-Trilogie. Die 18 DVDs versammeln 34 Spielstunden, ein 230 Seiten starkes Begleitbuch und zahlreiches Bonusmaterial in Form von Beiträgen und Interviews. Dadurch wird die bis dato umfassendste Auseinandersetzung mit Seidls Schaffen ermöglicht. Jedoch will der Künstler die DVD-Box keineswegs als Schlussstrich unter seiner Karriere verstanden wissen, denn Seidl ist eingedeckt mit Projekten: Zurzeit dreht er in Österreich, Rumänien und Italien an seinem neuen Spielfilm "Böse Spiele".


Rehbergs letzte Rolle
Im Zentrum der Geschichte, die Seidl - wie die meisten seiner Arbeiten - zusammen mit Veronika Franz verfasst hat, stehen zwei Brüder, deren dementer Vater eine Nazi-Vergangenheit hat. Er wird von dem kürzlich verstorbenen Hans-Michael Rehberg gespielt, "Böse Spiele" ist sein letzter Film. "Ich glaube, wir haben uns gegenseitig beschenkt", sagt Seidl in einem Gespräch mit der APA. "Ich ihn, dass er aus seinem letzten Film auch eine Arbeit machen konnte, mit der er glücklich war. Und er hat mir seine Darstellung für den Film geschenkt. Das werden Szenen sein, die wird man nicht vergessen. Ich habe gewusst, dass er sterbenskrank ist, und ich habe anders als bei meiner üblichen Arbeitsmethode nicht chronologisch gedreht, sondern seinen ganzen Part abgedreht. Ich habe das Ende vorweg gedreht, weil ich das wusste."

Mit an Bord des Projekts ist außerdem Georg Friedrich, für den Seidl stets ein Mentor war. "Er sieht das selber auch so. Immer wieder, wenn einen Preis kriegt, bedankt er sich bei mir", so Seidl. 2019 soll "Böse Spiele" in die Kinos kommen.

Ein Lebensprojekt konnte Seidl bisher noch nicht umsetzen. "Ich habe genug Projekte, die noch in der Schublade liegen. Bei einem einzigen tut es mir weh, dass es bis dato nicht realisierbar war: Der historische Film mit dem Titel ‚Der Grasel‘, den ich seit über 25 Jahren verfolge und den zu machen mir bis jetzt nicht gelungen ist. Das wäre noch einmal etwas ganz anderes. Das wäre eine große Herausforderung für mich." Darin will Seidl vom Räuberhauptmann Grasel erzählen, der in Niederösterreich um 1800 für seine Diebstähle und Betrügereien gefürchtet war und den man nach seinem Tod zu einer Art "Robin Hood" verklärte. Seidl konnte bislang nicht das nötige Budget aufstellen. "Daran bin ich bis jetzt gescheitert", so der Regisseur. "Da müsste jetzt zum Beispiel Netflix herkommen und sagen: ‚Hier ist das Geld! Machen Sie!‘" Kann ja noch werden.




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