• vom 21.11.2017, 16:32 Uhr

Film

Update: 22.11.2017, 17:35 Uhr

Kino VOD Club Austria

Kinobranche hofft auf Streaming




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Von Matthias Greuling

  • Der "Kino VOD Club Austria" stellt heimische Filme auf Kinowebsites zur Verfügung.

Josef Hader gefällt die Idee des Streaming-Tools: "Kinos sollen verdienen, nicht Großkonzerne."

Josef Hader gefällt die Idee des Streaming-Tools: "Kinos sollen verdienen, nicht Großkonzerne."© apomat Josef Hader gefällt die Idee des Streaming-Tools: "Kinos sollen verdienen, nicht Großkonzerne."© apomat

Das Streamen von Filmen ist die derzeit heißeste Innovation in der Rezeption von Filmen und Serien - nicht erst seit Amazon und Netflix gehört das Filmeschauen auf PC, Handy und Tablet zu den größten Bedrohungen für das Fernsehen und auch für das Kino. Immer mehr Menschen nutzen Online-Streaming-Dienste, das zeigten zuletzt eindrucksvoll die Zahlen zum dritten Quartal bei Netflix: Ein Plus von 5,3 Millionen Nutzern brachten 30 Prozent mehr Erlöse. Netflix setzte drei Milliarden Dollar um, bei einem Gewinn von 130 Millionen.

Zahlen, die auch bei den heimischen Filmschaffenden Speichelfluss auslösen. Gerade der beim Publikum oft verkannte heimische Film hätte großes Potenzial, auch online vermarktbar zu sein, glaubt die Branche. Sie erhofft sich durch die Streaming-Technik das Erschließen neuer, bislang am heimischen Film eher desinteressierter Zuschauergruppen.


Streamen über Kinowebsite
Seit Dienstag können österreichische Filme über die Webseiten etlicher heimischer Kinos gestreamt werden. Hinter dieser Initiative steht der "Kino VOD Club Austria", dessen Mitglieder honorige Vertreter der heimischen Filmbranche sind, darunter etwa Schauspieler Josef Hader, Kinobetreiberin Renate Wurm (Das Kino Salzburg), die Produzenten Dieter Pochlatko (epo Film), Tommy Pridnig (Lotus Film) oder die einstige Diagonale-Leiterin Barbara Pichler (KGP Film).

Zum Start gibt es insgesamt 30 Video-on-Demand (VOD)-Plattformen, die auf den Websites von 30 Kinos aus ganz Österreich insgesamt mehr als 150 österreichische Kinofilme kostenpflichtig zum Online-Stream bereitstellen. Die Kinos integrieren das Tool kostenlos in ihren Internetauftritt. Filme stehen nach Ablauf der Sperrfrist von einem halben Jahr nach Kinostart zur Verfügung und können für den Einzelpreis von 4,90 Euro für 48 Stunden gestreamt werden. Die Einnahmen werden zwischen Kinos, Rechteinhabern und der Plattform selbst gedrittelt. Alle Bundesländer mit Ausnahme Tirols machen mit. Die 30 teilnehmenden Kinos stammen allesamt aus dem kunstfilmlastigen Programmkinobereich.

Grundsätzlich schließe man aber auch keine Multiplexbetreiber aus, unterstrich bei der Präsentation am Dienstag Mitinitiator und Betreiber der "Cinema Paradiso"-Kinos in St. Pölten und Baden, Alexander Syllaba: "Was kommt, kommt. Wir sind jedenfalls überzeugt, mit dieser Initiative noch mehr Publikum für den österreichischen Film zu gewinnen und gleichzeitig auch das Kino als Ort für ein gemeinsames Film-Erlebnis zu stärken." Josef Hader, dessen Regiearbeit "Wilde Maus" ebenfalls online gestreamt werden kann, findet die Idee toll, dass Gelder aus dem Streaming-Bereich in Österreich bleiben: "Kinos sind kulturelle Nahversorger! Ich möchte, dass sie bei neuen Verwertungswegen Geld verdienen und nicht Großkonzerne. Deshalb unterstütze und begrüße ich die Initiative ‚Kino VOD Club Austria."

Keine Konkurrenz zum Kino
Wichtig ist der Initiative, die keinen eigenen Internet-Auftritt hat, sondern auf den Websites der jeweiligen Kinos eingebunden ist, dass man dem Kino als Ort der Filmvermittlung keinesfalls Konkurrenz machen will. "Es geht um ein Mehr, nicht um Konkurrenz", so Co-Organisator Clemens Kopetzky zu dem Umstand, dass der neue Club ein ähnliches Angebot biete wie etwa der Streaming-Dienst Flimmit, an dem mehrheitlich der ORF beteiligt ist.

Dass der "Kino VOD Club Austria" in Wahrheit ein Körberlgeld für die ohnehin angespannte Kinobranche bringen könnte, kommentiert Josef Hader so: "Die Kinobetreiber führen ein Rückzugsgefecht - und jede Möglichkeit, die sie nutzen können, hilft ihnen, das Kino als magischen Ort zu erhalten." Die Initiatoren glauben jedenfalls nicht, dass man sich mit dem Online-Angebot selbst die Zuschauer wegnehmen könnte, weil diese dann lieber daheim streamen, anstatt ins Kino zu gehen. Wenn sie das tun, dann soll der Erlös wenigstens im Haus bleiben, findet Renate Wurm von "Das Kino" in Salzburg: "Ab und zu dürfen unsere Zuschauer fremdgehen - aber dann in unserem eigenen Tool."




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2017-11-21 16:35:11
Letzte Änderung am 2017-11-22 17:35:06



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