Simon Schwarz wollte etwas Neues ausprobieren. Bekannt ist der Wiener Schauspieler vor allem durch seine Rolle als Berti in den Verfilmungen der Haas-Krimis. Dann hat Hollywood angerufen und gefragt, ob er seine Stimme dem neuen Animationsfilm "Ferdinand - Geht STIERisch ab!" leihen wolle.

Schwarz’ Reaktion: "Super, mach ich auf jeden Fall!" Animationsfilme finde er nämlich großartig: "Ich geh gerne ins Kino und schau mir sprechende Tiere an." Oder eben gelbe Kreaturen, "ich bin ein riesiger ,Minions‘-Fan".

"Ferdinand - Geht STIERisch ab!" erzählt von einem jungen Stier namens Ferdinand. Ein Pazifist, der am liebsten auf der Weide an Blumen riecht und dementsprechend nicht vorhat, in der Arena von Madrid gegen Matadoren zu kämpfen, wie es die spanische Tradition verlangt. Dabei ist er umgeben von einer Reihe skurriler Gestalten, darunter auch drei arrogante Lipizzaner namens Franz, Josef und Sissi.

Simon Schwarz’ Partnerpferde werden gesprochen von Café-Puls-Moderator Florian Danner und Moderatorin Mirjam Weichselbraun. Dabei sei Synchronsprechen eine einsame Angelegenheit, erklärt er: "Du musst alleine sein, weil jeder Ton einzeln aufgenommen wird, damit jedes Geräusch eine eigene Spur hat." Zur Seite stehe einem in der Sprecherkabine aber ein Synchronregisseur, eine Cutterin und ein Tonmeister, so Schwarz, und "dann machst du Satz für Satz, Laut für Laut oder Schrei für Schrei alles einzeln."

Pazifistische Buchvorlage


So wiehert am Ende jeder für sich allein, um seiner Figur Leben einzuhauchen. Schwarz lässt für den Lipizzaner Franz die Nüstern spielen: "Ich muss sagen, ich hätte mir den Charakter eigentlich anders vorgestellt. Ich war durchaus überrascht, denn für mich ist der Franz ein homosexueller Lipizzaner, so wie er spricht. Ich finde das ehrlich gesagt eine ziemlich großartige Figur." Im Schnitt, so Schwarz, werde an einem solchen Film vier Jahre gearbeitet, dementsprechend detailliert sei das Konzept der Produktionsfirmen Blue Sky Studios und Fox Animation. Bis hin zum Klang der Synchronstimmen ist alles festgelegt. Für andere Sprachen werde dann nach Stimmen gesucht, die der englischen möglichst nahe kommen.

Ein paar Freiheiten gab es für Schwarz aber dennoch, nämlich wenn es an das Verfeinern des Österreichischen ging. Die erste Fassung schrieb ein Deutscher, "das war eine ziemliche Katastrophe". Er habe beim Sprechen mit seinem Wienerisch nachgeholfen: "Was wir machen konnten, war, unseren eigenen Charakter ein bisschen reinzubringen. Dass Ziel ist, dass es glaubhaft ist, auch wenn es überspitzt und überhöht ist."

Der Film ist die Adaption des Kinderbuches "Ferdinand, der Stier" aus dem Jahr 1936, in dem ein friedliebender Stier gegen die blutige Tradition des spanischen Stierkampfes revoltiert. Die Buchvorlage habe Schwarz vorher nicht gekannt: "Ich wusste, dass es das Buch gibt. Obwohl ich in einem pazifistischen Haushalt aufgewachsen bin, war das in der Friedensbewegung in den 70ern kein Buch, das auf der Erziehungsliste stand. Dabei ist es als pazifistisches Buch aus den 30er Jahren eigentlich für die Friedensbewegung prädestiniert." Gleichzeitig ist es für Schwarz heute auch wieder für die Veganer- oder Vegetarier-Bewegung sehr aktuell.

Dass der Film nun der Buchvorlage folgt und die spanische Stierkampftradition deutlich kritisiert, wundert Schwarz nicht, schließlich habe sich auch nicht viel zum Besseren verändert. Aber vielleicht sei das nun die richtige Herangehensweise: Besser, als Erwachsenen ins Gewissen zu reden, sei es, bereits Kindern klarzumachen, "es ist vielleicht doch nicht das Beste, Lebewesen aus kulturpolitischen, kulturellen, religiösen, oder welchen Gründen auch immer zu unterdrücken". Vielleicht, so Schwarz, fange das Publikum an, ein bisschen darüber nachzudenken "und das fällt unter Umständen den Kindern leichter als den Erwachsenen".