Regie-Paar: Hugh Welchman und Dorota Kobiela. - © Lunafilm
Regie-Paar: Hugh Welchman und Dorota Kobiela. - © Lunafilm

Vincent van Gogh hinterließ der Nachwelt 864 Gemälde und über 1000 Zeichnungen, als er 1890 im Alter von nur 37 Jahren an den Folgen einer Schussverletzung starb. Jetzt kommen zu seinem Werk aber noch rund 65.000 Bilder hinzu, zumindest könnte man glauben, es handle sich um echte van Goghs. "Wir haben den ersten Film gedreht, der ausschließlich aus Ölgemälden besteht", klärt Co-Regisseur Hugh Welchman auf. Der Filmemacher, der 2008 für den Kurzfilm "Peter und der Wolf" einen Oscar erhielt, werkte gemeinsam mit Lebenspartnerin und Co-Regisseurin Dorota Kobiela, einer polnischen Malerin, an dem animierten Bio-Pic "Loving Vincent", das kommenden Freitag in die Kinos kommt. Es ist ein wahres Fest für die Augen.

Welchman und Kobiela beschäftigten insgesamt 124 Maler, die in Sonderschichten die 65.000 Einzelbilder des Films mit Ölfarben herstellten. Einige der Einzelbilder, die später hintereinandergehängt den fertigen Film ergaben, malte Kobiela selbst. "Eigentlich wollte sie den ganzen Film selbst malen, weil ihre Leidenschaft für die Malerei so groß ist", berichtet Welchman. "Aber als wir beschlossen hatten, aus ‚Loving Vincent‘ einen abendfüllenden Film zu machen, war es mit diesem Traum natürlich vorbei", lacht er.

"Loving Vincent" setzt ein Jahr nach dem Tod van Goghs ein, als plötzlich ein Brief des Künstlergenies an seinen Bruder Theo auftaucht. Der junge Armand Roulin wird damit beauftragt, den Brief zuzustellen, doch eigentlich hält er davon gar nichts. Aber je mehr er über Vincent van Gogh erfährt, desto mehr interessiert ihn auch dessen Vermächtnis. Ist van Gogh möglicherweise sogar durch eigene Hand aus dem Leben geschieden? Armand will das unbedingt herausfinden.

"Man muss sich van Goghs Lage vergegenwärtigen", sagt Welchman. "Er war bis zum Alter von 28 Jahren ein Versager, der sich in diversen Jobs versuchte und immer scheiterte. Mehr aus der Not heraus griff er mit 28 zum ersten Mal in seinem Leben zu einem Pinsel und begann zu malen. In den zehn Jahren seiner Karriere wurde er zu einem wahren Kunstgenie. Er arbeitete in dieser kurzen Schaffensperiode ungemein hart daran, sein Werk zu formen."

Sich emotional nähern

Für die Filmemacher stellte sich die Frage, wie man visuell dem Werk van Goghs entsprechen könnte. "Wir dachten sofort, dass man sich diesem Mann nur emotional nähern kann, wenn man es über seine Kunst versucht. Wenn man alles ganz eng an seine Gemälde knüpft". Die Idee, den ersten Ölgemäldefilm der Welt zu drehen, war geboren. Technisch war das eine Herausforderung. Das Regie-Duo entschied sich dafür, den Film zunächst mit realen Darstellern zu verfilmen. "Wir drehten im Studio vor dem Greenscreen und haben das Material danach im Rotoskopieverfahren Bild für Bild nachmalen lassen", so Welchman. Dabei werden die gefilmten Einzelbilder auf Mattglasscheiben projiziert, die die Ölmaler dann abmalten - im Stile des Künstlers. Eine Technik, die dem Durchpausen sehr ähnlich ist.