Indische Blockbuster sind eine gnadenlose Attacke auf die Sinne, in der Regel emotional-überdrehte Kaleidoskope aus bombastischer Musik, wilden Tänzen und wenig Handlung. Und trotz einiger nackter Haut und suggestiven Dialogen sind die Streifen gleichzeitig so paradox sauber, als hätten die Darsteller mit einem Keuschheitsgürtel gedreht. Ein flüchtiges Küsschen auf die Wange grenzt schon fast an einen Skandal.

Und dann gibt es da noch Sunny Leone. Jeder Inder mit einem Internetzugang - das sind 322 Millionen Menschen - kann auf einschlägigen Plattformen Meisterwerke wie "Die weibliche Gärtnerin" oder "Kostümierte Jungfrauen in Not" bewundern, in denen Leone weitaus mehr verteilt als nur Küsschen. Das Vorleben der indisch-kanadischen Schauspielerin mit US-Pass ist keineswegs geheim, schließlich führt die 36-Jährige seit einigen Jahren die Google-Anfragen als meistgesuchte Person in Indien an. Und das dürfte nicht nur mit ihren Rollen in verschrobenen B(ollywood)-Movies zu tun haben, sondern vor allem mit ihrer früheren Karriere als einer der größten Pornostars Amerikas.

Von Hardcore zu "Baby Doll"

Sunny Leone ist ein popkulturelles Phänomen: Ihr Vater wurde in Tibet geboren und wuchs in Neu-Delhi auf, ihre Mutter stammte aus der indischen Provinz. Sie selbst kam in Kanada als Karenjit Kaur Vohra zur Welt und verbrachte dort ihre ersten Lebensjahre, ehe die Familie nach Kalifornien zog. Nach erfolgreichem Abschluss der Highschool begann sie zu modeln, auch die ersten Nacktaufnahmen waren dabei. Ihre zunehmende Popularität wurde schließlich mit dem Titel "Penthouse Pet Of The Year" und einer steilen Karriere im Porno-Business gekrönt. Mit ihrem Ehemann, dem Musiker Daniel Weber, drehte sie zahlreiche Hardcore-Streifen, brachte es unter die Top-10 der weiblichen Darstellerinnen und verdiente so viel Geld, dass sie sich eine millionenschwere Ranch in Nevada kaufen konnte.

Doch Sunny Leone wollte mehr: "Als Kind habe ich mir Bollywood-Filme angeschaut und davon geträumt, mich einmal selbst im Kino zu sehen und ein großer Star zu werden. Aber mit meiner Vorvergangenheit ist so etwas unmöglich." Es sollte das einzige Mal sein, dass sich die smarte Erotik-Bombe in ihrer Karriere irren würde: 2011 akzeptierte sie eine Einladung zu "Bigg Boss", der indischen Ausgabe von "Big Brother". Gezielt streuten die Produzenten im Vorfeld Geschichten über ihre Vergangenheit, und der daraus entstehende Rummel reichte für eine erste Nebenrolle im Erotik-Thriller "Body".