Es war nicht einfach, ein Bild zu finden, das den inhaltlichen Spirit reflektiert, der "Fifty Shades of Grey" umweht. Auch im dritten Teil der Sado-Maso-Saga, der diese Woche in den Kinos anläuft, sollte es eigentlich ordentlich an die Wäsche gehen, aber die Geschichte kippte ohnehin schon bei Teil zwei mehr in Richtung fader Romanze. Richtige SM-Fans fanden überdies schon Teil eins zum Gähnen und warfen Hollywood Prüderie vor.

Doch da ahnten sie noch nicht, was wirkliche Prüderie ist. In Hollywood hatte man 2012 den "verbotenen" Sex entdeckt und wollte daraus eine einträgliche Trilogie zaubern, die bisher immerhin fast eine Milliarde Dollar eingespielt hat; aber so prüde, wie sich Teil drei nun auf Poster, Trailer und Filmfotos ankündigt, war Hollywood schon lange nicht. Unter allen Pressefotos finden sich gerade einmal zwei mit nackter Haut: Einmal ist Anastasia Steele (Dakota Johnson) sinnlich, aber bekleidet zu sehen, einmal läuft ihr "Dominator", der Milliardär Christian Grey (Jamie Dornan), oberkörperfrei durchs Bild. Wie prickelnd.

Wider die Nacktheit


Die neue Prüderie hat einen Grund: Die #metoo-Bewegung, die seit dem Auffliegen der Sex- und Missbrauchsvorwürfe gegen Harvey Weinstein mit großer und berechtigter Entschiedenheit für die Opfer kämpft, mahnt Hollywood ganz offensichtlich zur (Über-)Vorsicht: In vorauseilender Selbstzensur werden da nun ganze bereits gedrehte oder ausfinanzierte Produktionen abgeblasen, und zwar nicht nur, weil darin eventuell Künstler mitarbeiten, die man des sexuellen Missbrauchs und der Belästigung bezichtigt, sondern auch, weil es inhaltlich derzeit so gar nicht en vogue ist, nackte Körperteile in die Kamera zu halten.

So könnte "Fifty Shades Freed" das Ende von Filmen einleiten, die rein über Erotik funktionieren; Hollywood hat seit jeher nur das produziert, von dem es ausging, dass es sich auch gut verkaufen würde. Sex und damit verbundene Macht(missbrauchs)spielchen gehören aus Sicht der großen Studios derzeit nicht dazu. "Im gegenwärtigen Klima", so wird ein hochrangiger Studiomanager im "Hollywood Reporter" zitiert, wäre "der Appetit darauf nicht vorhanden".

Das Remake des Klassikers "A Star Is Born", in dem Bradley Cooper Sex mit Lady Gaga hat und sie daraufhin zum gefeierten Musikstar macht, ist Insidern zufolge viel weniger erotisch geworden als vermutet; die neue Keuschheit hat im Schneideraum um sich gegriffen; zu sehr ähnelt die Story einer x-beliebigen Machtmissbrauchs-Geschichte aus dem echten Leben.