Eine andere Lösung wäre die längst fällige Sichtumkehr auf das Genre: Weil große Teile der erotischen Romane und der Gegenwartsliteratur aus der Feder von Frauen stammen, wäre es nur konsequent, auch bei den Filmemachern das Kommando den Frauen zu geben und sie im Kino von Sex und Lust erzählen zu lassen. Wer sagt, dass es immer die Männer sein müssen, die solche Geschichten ausschlachten? Aber ja, da ist es wieder, das alte Problem mit der Gleichberechtigung. Nicht umsonst ist Kathryn Bigelow die bislang einzige Frau in 90 Jahren Oscar-Historie, die einen Oscar für die beste Regie gewann. Solange sich das nicht ändert, bleibt wohl auch der Krampf mit der Lust.

Die Lust am Skandal ist den großen Hollywood-Studios erst einmal vergangen. Die Fragen, ob Künstler und ihre Werke moralisch miteinander verknüpft sind, ist noch nicht restlos geklärt, das streicht man vorsichtshalber schon ganze Filme oder entfernt ganze Figuren, wie etwa in dem bald anlaufenden "Alles Geld der Welt", in dem Kevin Spacey durch Christopher Plummer ersetzt wurde. Woody Allens neuer Film "A Rainy Day in New York" soll nach dem Willen des Produzenten Amazon Studios erst gar nicht veröffentlicht werden, nachdem kürzlich die Missbrauchsvorwürfe von Allens Adoptivtochter Dylan Farrow wieder neu aufflammten.

Alien-Sex


Solche Meldungen befeuern die hypernervöse Stimmung in Hollywood zusätzlich. Eine Entspannung scheint vorerst nicht in Sicht. Da tut es gut, zu hören, dass Sex derweil dennoch nicht aus dem Kino verschwindet. Er findet nur in anderen Sphären statt. In "The Shape of Water" hat eine taubstumme Putzfrau Sex mit einem außerirdischen, gefangen gehaltenen Monster. Es gibt Kopulation, Masturbation, nackte Brüste und Aufnahmen ihres Schambereichs und darob ein dickes Jugendverbot der US-Kinomoralbehörde MPAA. Und trotzdem ist "Shape of Water" eine Liebesgeschichte von großer Poesie und mit 13 Oscar-Chancen der meistnominierte Film des Jahres. Mal sehen, ob dieser interstellare Geschlechtsakt mit dem gefangenen Alien neue Maßstäbe im prüden Hollywood setzen kann, mit denen alle leben können.