"Chakra", ein Bub mit magischen Energien, soll bald auch in Europa gegen das Böse kämpfen. - © Graphic India
"Chakra", ein Bub mit magischen Energien, soll bald auch in Europa gegen das Böse kämpfen. - © Graphic India

Die Inder gehen gerne und oft ins Kino. Bollywood macht mehr Filme im Jahr als Hollywood und eine an westlichen Vorbildern orientierte Vermarktung sorgt für hohe Besucherzahlen bei günstigen Eintrittspreisen. Die Unterhaltung verbindet die Menschen in einem Land, das 50 Sprachen spricht, sechs Religionen lebt und enorme Unterschiede zwischen Arm und Reich verkraften muss, sagt Filmproduzent Suresh Seetharaman, eine der führenden Persönlichkeiten des indischen Animationsfilms. Das Kreativ-Team seiner Firma Graphic India entwickelt Superhelden made in India in Zusammenarbeit mit Spiderman-Erfinder Stan Lee. Einer davon - ein Bub, der mit der Kraft seiner Chakren das Böse bekämpft - wird nun auf dem Weltmarkt lanciert. Die "Wiener Zeitung" traf Suresh Seetharaman in seiner Heimatstadt Bangalore am Rande einer Studienreise des Austrian Institute of Technology (AIT).

"Wiener Zeitung": Bangalore gilt als Silicon Valley Indiens. Warum befindet sich Ihre Filmfirma hier und nicht im Zentrum der indischen Filmindustrie Mumbai?


Links
Artikel aus "live mint": ‘Chakra: The Invincible:’ an end to Bollywood’s superheroes?
wienerzeitung.at ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

Suresh Seetharaman: Bombay mag das Mekka der indischen Filmindustrie sein, doch die Traumfabrik Bollywood richtet sich an ein lokal-indisches Publikum und Inder in aller Welt. Wir kreieren Comic-Figuren mit dem Ziel, sie auf den Weltmarkt zu bringen. Für uns ist es somit nicht so wichtig, Studios um die Ecke zu haben. Graphic India ist ein Start-up, von denen zahlreiche in Bangalore Fuß fassen, weil die Stadt kleiner ist und die Lebenskosten niedriger sind als in Delhi oder Bombay. Sie strapaziert den Kopf nicht mit der Organisation des Alltags so wie die Mega-Metropolen, wo allein der Weg zur Arbeit zwei bis drei Stunden dauert - außerdem bin ich hier aufgewachsen.

Ihr Start-up Graphic India bekam jüngst fünf Millionen US-Dollar von einer Investorengruppe, um Comic-Figuren wie "Chakra, The Invincible" auf dem internationalen Markt für Film, Fernsehen, Virtual Reality und Spiele zu platzieren. Welche Tradition haben Superhelden auf dem Subkontinent?

Der Inhalt war schon immer da. Indien ist die Wiege von Hinduismus, Buddhismus und Jainismus. Mit unseren unzähligen, fantastisch-wunderlichen Göttern und Gottheiten haben wir diese Tradition. Wir haben Mythen über Leute, die mit Tieren reden, Gedanken lesen oder in kohlrabenschwarzer Nacht so wie am Tag sehen können. Wir mussten Spiderman nicht erst erfinden. Was aber fehlte, war ein Kind als Superheld. Daher haben wir auf der Basis einer Geschichte von Stan Lee (Gründer von Marvel Comics und Erfinder von Spiderman, The Hulk und X-Men, Anm.) mit Chakra eine Figur kreiert, die an das universelle Verständnis für Gut und Böse appelliert - und die in aller Welt unterwegs ist. In Indien isst Chakra aber nicht Burger, sondern Curry, und in den USA überfliegt er Wolkenkratzer und nicht zweistöckige Gebäude. Unser Held spricht eine universelle Sprache, passt sich jedoch an lokale Gegebenheiten an. Er entspringt der indischen Kultur, soll aber ein weltweites Publikum ansprechen, ähnlich wie westliche Superhelden.

Chakra the Invincible and Mighty Girl in the Great Switcheroo - Telugu from World's Largest Lesson on Vimeo.