"Eigentlich fühle ich mich gar nicht so alt", sagt Willem Dafoe, 62. "Im Gegenteil: Bin ich nicht noch viel zu jung für diesen Preis", lacht der Schauspieler, dem die Berlinale am Dienstag den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk verliehen hat. "Ich fühle mich aber sehr geehrt, denn immerhin bin ich jetzt schon unglaubliche 40 Jahre in diesem Beruf, und diese Anerkennung ist toll".

Über 100 Filme hat Dafoe schon gedreht. Bekannt wurde er mit dem Film "Platoon", als Jesus von Nazareth schritt er durch "Die letzte Versuchung Christi", als Bösewicht trat er gegen "Spiderman" an und in künstlerische Gefilde brachte ihn etwa Lars von Trier, mit dem er schon zwei Mal zusammenarbeitete, unter anderem in "Antichrist". Demnächst kommt Dafoes neuer Film "The Florida Project" in die Kinos, für den der Amerikaner am 4. März die Chance auf einen Oscar haben wird. "Ein kleiner, neorealistisch inszenierter Film, den ich sehr mag und auf den ich stolz bin".

Dann verriet Dafoe, wie er als Schauspieler funktioniert: "Ich bin mein eigener Herr, das ist wirklich wichtig. Ich habe mit so vielen verschiedenen Leuten gearbeitet, darunter gab es auch ein paar Verrückte, klar. Aber ich mag es nicht, wenn man mir die Kontrolle entzieht, mit solchen Leuten arbeite ich nicht". Nachsatz: "Lars von Trier war übrigens ganz fantastisch. Wir haben uns ausgesprochen gut verstanden".

"Das Älterwerden macht mir nichts aus", versicherte Dafoe in Berlin. Obwohl die Gesellschaft auf Jugendlichkeit ausgerichtet sei, habe er den Eindruck, gerade im Alter mehr Möglichkeiten als je zuvor zu haben. "In meiner Karriere habe ich lange Zeit den Samen ausgestreut, und nun ist die Gelegenheit da, zu ernten", so Dafoe. "Ich habe überall auf der Welt gearbeitet und viele Kulturen kennen gelernt, und das zahlt sich nun aus".