• vom 05.03.2018, 14:52 Uhr

Film

Update: 05.03.2018, 18:32 Uhr

Oscar

So geht Happy End




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Von Matthias Greuling

  • Die Oscars 2018 waren darauf bedacht, bloß keinem wehzutun. Die Preisträger waren erwartbar.



V.l.n.r.: Sam Rockwell ("Bester Nebendarsteller"), Frances McDormand, ("beste Hauptdarstellerin"), Allison Janney ("beste Nebendarstellerin") und Gary Oldman ("bester Hauptdarsteller"). 

V.l.n.r.: Sam Rockwell ("Bester Nebendarsteller"), Frances McDormand, ("beste Hauptdarstellerin"), Allison Janney ("beste Nebendarstellerin") und Gary Oldman ("bester Hauptdarsteller"). © APAweb / AFP, FREDERIC J. BROWN V.l.n.r.: Sam Rockwell ("Bester Nebendarsteller"), Frances McDormand, ("beste Hauptdarstellerin"), Allison Janney ("beste Nebendarstellerin") und Gary Oldman ("bester Hauptdarsteller"). © APAweb / AFP, FREDERIC J. BROWN

Hollywood hat vor allem ein ganz großes Talent: Es kann die schlimmsten Vorkommnisse der Welt vergessen machen, indem es Süßholz raspelnd von der Schönheit des Daseins fabuliert, indem es allem Bösen ein Ende bereitet und die Blicke seiner Zuschauer wieder nach vorne richtet. So passiert das in jedem Hollywood-Film, der nach dem konventionellen "Happy End"-Schema funktioniert, und so war das auch bei der 90. Oscar-Verleihung. Konsens statt Aufregung und die große Einheit beim Thema "Diversität".

Zum 90. Geburtstag des goldenen Buben wollte man lieber kein Risiko eingehen, dazu ist die Show zu abhängig von guten Quoten und Werbeeinnahmen. Weshalb man mit Jimmy Kimmel einen Moderator wählte, der zwar männlich und weiß, aber auch halbbissig und eloquent ist. Artig spulte er die vorgeschriebenen Gags vom Teleprompter ab, die die hitzige, im Raum stehende #MeToo-Debatte entschärfen sollten: Oscar habe "seine Hände, wo man sie sieht, er sagt nichts Anrüchiges - und hat keinen Penis. Wir brauchen mehr von seiner Sorte", so Kimmel. "Wenn wir die sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz stoppen, müssen sich Frauen nur noch an jedem anderen Ort, wo sie hingehen, damit auseinandersetzen", witzelte er. Und stellte dann - mit Helen Mirren als Nummerngirl - einen nagelneuen Jet-Ski als Preis für die kürzeste Dankesrede vor, auf den auch etliche Preisträger Bezug nahmen. Vorbei die angespannte Stimmung, jeder belustigt und eingelullt von so viel Charme.

Information

Die wichtigsten Oscar auf einen Blick

Bester Film: "The Shape of Water"

Regie: Guillermo del Toro für "The Shape of Water"

Hauptdarsteller: Gary Oldman für "Darkest Hour"

Hauptdarstellerin: Frances McDormand für "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"

Nebendarstellerin: Allison Janney für "I, Tonya"

Nebendarsteller: Sam Rockwell für "Three Billboards..."

Nicht-englischsprachiger Film: "Eine fantastische Frau" von Sebastián Lelio

Kamera: Roger Deakins für "Blade Runner 2049"

Drehbuch: Jordan Peele, "Get Out"

Adaptiertes Drehbuch: James Ivory für "Call Me by Your Name"

Schnitt: "Dunkirk"

Filmmusik: Alexandre Desplat für "The Shape of Water"

Song: "Remember Me" aus "Coco"

Produktionsdesign: "The Shape of Water"

Tonschnitt: "Dunkirk"

Tonmischung: "Dunkirk"

Effekte: "Blade Runner 2049"

Animationsfilm: "Coco"

Dokumentarfilm: "Icarus" von Bryan Fogel

Make-up/Frisur: "Die dunkelste Stunde"

Kostümdesign: Mark Bridges für "Der seidene Faden"

Vier Oscars für
"The Shape of Water"

Dann standen die Preise im Mittelpunkt: Am Ende des Abends ging der 13-fach nominierte "The Shape of Water" mit vier Trophäen vom Platz, weniger als vermutet, dafür aber mit den beiden wichtigen Auszeichnungen für beste Regie an Guillermo del Toro und für den besten Film. Alle weiteren Preise wurden recht gleichmäßig unter den Nominierten verteilt, was bei den Oscars in dieser Deutlichkeit selten passiert. Aber man setzte eben auf Konsens und erlaubte sich lieber keinen Fauxpas. Deshalb wurde auch Gary Oldman als längst überfälliger Oscar-Kandidat prämiert, weil er in dem (nicht besonders gelungenen) Film "Die dunkelste Stunde" fast unkenntlich als Winston Churchill auftritt. Oldman hatte schon andere Karrierehighlights, aber irgendwann ist ein Typ wie er eben "fällig".

Als beste Nebendarstellerin wurde Allison Janney für die Lebensgeschichte der Eiskunstläuferin Tonya Harding, "I Tonya", ausgezeichnet. Das hochpolitische Provinz-Drama "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" brachte nicht seinen Autoren, sondern den Darstellern Glück (so vermeidet die Academy elegant politische Festlegungen): Es gab sowohl den Oscar für die beste Nebenrolle an Sam Rockwell wie auch für die beste Hauptrolle an Frances McDormand (ihr zweiter Oscar nach "Fargo"), und McDormand nutzte die Aufmerksamkeit für eine nüchterne Dankesrede, in der sie den beginnenden Wandel in Hollywood beschwor. "Es gibt kein Zurück mehr", sagte McDormand. Mit den Worten "Inclusion Rider" verabschiedete sie sich von der Bühne - und gab den Zuschauern erst einmal Rätsel über die Bedeutung dieser Worte auf. "Inclusion Rider" nennt man eine Vertragsklausel bei Hollywood-Produktionen, in denen Schauspielerinnen darauf pochen können, dass am Set die oft geforderte Vielfalt herrscht. Dass sowohl Frauen wie auch Farbige wie auch Menschen mit Behinderungen repräsentativ bei einer Filmproduktion beschäftigt sein müssen - und ist dies nicht der Fall, so kann man vom Vertrag schadlos zurücktreten. "Ich habe erst vergangene Woche von dieser Klausel erfahren", sagte McDormand nach der Gala. Die Klausel geht auf Stacy Smith zurück, Professorin an der University of Southern California, eine Expertin für Gleichberechtigung in Film und Fernsehen. Das Prinzip geht davon aus, dass die Besetzung der Arbeitsplätze vor und hinter der Kamera die Zusammensetzung der Bevölkerung widerspiegeln sollte, also zum Beispiel etwa 50 Prozent aller Filmjobs mit Frauen zu besetzen wären.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-05 14:56:38
Letzte Änderung am 2018-03-05 18:32:59


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