• vom 21.03.2018, 17:07 Uhr

Film

Update: 21.03.2018, 17:56 Uhr

Interview

"Was herauskommt, ist gut für alle"




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  • Antonin Svoboda über seine am Freitag erscheinende Dokumentation "Nicht von schlechten Eltern".



(greu) Die ersten Lebensmonate eines Kindes sind nicht immer nur von alles erhellender Fröhlichkeit geprägt, sondern verlangen den Eltern und den Kindern selbst viel Geduld und Kraft ab, wie Regisseur Antonin Svoboda in seiner Doku "Nicht von schlechten Eltern" zeigt. Egal, ob Schreibaby oder Kind mit Hang zur Selbstverletzung - die "perfekte Familie" ist eine Mär, denn Probleme gibt es nahezu überall. Svoboda zieht Psychiater und Psychologen zu Rate.

"Mit jeder Geburt klopft für die Eltern die eigene Kindheit wieder an und es vermischen sich Emotionen und irrationale Zustände von Eltern wie von Kindern", sagt der Regisseur. "Matthew Appleton, ein Kinder- und Jugendpsychologe aus Bristol, der auch in meinem Film zu sehen ist, bringt es sehr gut auf den Punkt, indem er sagt: ‚Manchmal hat man es nicht mit einem, sondern mit zwei oder drei Babys im Raum zu tun‘." Insbesondere die so genannten Schreibabys seien ein interessantes Forschungsfeld. "Es geht um die Frage, was diese schreienden Kinder erzählen", so Svoboda.

Information

Antonin Svoboda ist ein österreichischer Filmregisseur und -produzent. Seine Doku "Nicht schon schlechten Eltern" startet am 23. März im Kino.

Sensible Zurückhaltung

"In den seltensten Fällen ist ein physiologisches Leiden die Ursache des Schreiens. Die Babys erzählen ein traumatisches Erlebnis, das sie loswerden wollen. Auf diesen Punkt möchte ich die Aufmerksamkeit lenken und zeigen, dass Babys den Raum dafür brauchen und es nicht zielführend ist, das Schreien durch Stillen oder eine Flasche oder einen Schnuller zu unterbinden." Gerade in dieser Situation wird das Schreien zu einer Belastungsprobe für Kinder und Eltern.

"Da entsteht zwischen Eltern und Kind irgendwann ein Ping-Pong, von dem sie selbst wissen, dass sie falsch, emotional und inadäquat reagieren". Eltern würden oft panisch reagieren oder verzweifeln, "weil man an den Rand seiner Möglichkeiten gedrängt und mit seinem Latein am Ende ist", so Svoboda. "Meiner Meinung nach auch deshalb, weil man den Umgang mit solchen Situationen im Familienverbund nicht mehr lernt. Es gab früher mehr Familien, wo drei oder vier Generationen unter einem Dach lebten und Erfahrungen aus der Perspektive verschiedener Generationen betrachtet, damit auch abgefangen werden konnten".

In "Nicht von schlechten Eltern" geht Svoboda mit seinen gezeigten Familien auch in die intime Situation von Therapiesitzungen hinein, die Kamera ist immer dabei. Eine sensible Zurückhaltung des Filmteams war erforderlich. "Als Beobachter sitzt man dabei und denkt sich innerlich: ‚Jetzt lass endlich dieses Gefühl zu‘, ‚Spring doch endlich über deinen Schatten.‘ Die wunden Punkte scheinen einem von außen so sonnenklar, leider nicht den Betroffenen. Für das Filmteam war es alles andere als einfach, weil wir den Therapieraum, der natürlich für eine Drehsituation sehr klein war, praktisch nie verlassen haben."

Svoboda half dabei allerdings die eigene Erfahrung: "Wenn ich nicht selber als Patient Therapieerfahrung gehabt hätte, hätte ich wahrscheinlich eine falsche Scham gehabt. Ich wusste von mir selbst, dass das, was in einer Sitzung rauskommt, wenn es positiv verläuft, für alle Beteiligten gut ist. Dann kann man zu Dingen, die einen zuvor belastet oder in einem selbst Scham ausgelöst haben, mit einer gewissen Erleichterung gegenüberstehen. Man wünscht das jedem Menschen."





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-21 17:11:53
Letzte Änderung am 2018-03-21 17:56:51


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