• vom 28.03.2018, 07:30 Uhr

Film


Kinematografie

"Das iPhone ist die größte Befreiung"




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Von Matthias Greuling

  • Steven Soderberghs neuer Film entstand mit einem iPhone. Ist das ein Wendepunkt für die Kinematografie oder nicht?

Stephen Soderbergh hinter der iPhone-Kamera. - © CentFox

Stephen Soderbergh hinter der iPhone-Kamera. © CentFox

"Ich glaube fest daran: Das ist die Zukunft", sagt Steven Soderbergh überzeugt. "Jemand, der keine Ahnung hat von der Art, wie wir diesen Film drehten, wird gar nicht merken, dass wir es mit einem iPhone getan haben." Bei der Premiere von "Unsane", seinem neuesten Thriller, hat sich Regisseur Soderbergh geradezu frenetisch über die Qualität des iPhones geäußert. "Man bekommt ein Bild in hoher 4K-Auflösung, ich habe es auf der größten Leinwand gesehen, und es sieht magisch aus. Dieses Telefon schlägt für mich ein ganz neues Kapitel der Kinematografie auf. Die Leute belächeln die Größe der Filmkamera, wenn man mit dem iPhone dreht, aber das ist mir egal. Im Gegenteil: Das iPhone ist vielleicht die größte Befreiung für alle Filmemacher, weil es nur Vorteile hat und verblüffende Ergebnisse liefert."

Soderbergh sagt all das, weil "Unsane" ausschließlich mit einem iPhone gedreht wurde - natürlich nicht aus der Hand und total verwackelt wie Millionen von auf Facebook & Co. geposteten Clips, sondern durchaus auf professionelle Kamera-Rigs und -Stative gepackt und mit separater Tonaufzeichnung. Dennoch: Der iPhone-Film "Unsane" kommt in seiner Ästhetik stellenweise durchaus dem nahe, was wir durch den Blick unserer Smartphones tagtäglich selbst wahrnehmen: Die Welt, weitwinkelverzerrt und mit unterkühlter Haptik, irgendwo pendelnd zwischen der Darstellung von Realität und dem, was man einen "geschönten Alltag" nennen könnte, da wir alle dazu neigen, das Gezeigte (also sehr oft uns selbst) mit der Kamera zu ästhetisieren. Soderberghs erzählerischer Ansatz arbeitet dieser Ästhetik zu, wenngleich er sie etwas entfremdet, um dem Thriller-Genre gerecht zu werden. Er will keine Hollywood-Hochglanzbilder liefern, und doch sieht man dem Film seine Profi-Herkunft an. Es kommt eben nicht nur auf die Kamera an, sondern auch darauf, wer sie führt.


Soderberghs Geschichte zirkelt um eine junge Frau (Claire Foy, die Queen aus der Serie "The Crown"), die zwangsweise in der Psychiatrie festgehalten wird, nachdem sie sich darüber beklagt, von einem Stalker verfolgt und bedroht zu werden. Der Einweisung hat sie angeblich selbst zugestimmt. In der Anstalt geht der Horror weiter, denn bald ist sie sicher: Der Stalker, der sie verfolgt, ist ebenfalls hier - als Pfleger. Aber immer ist ihr (und dem Publikum) noch nicht klar, ob das alles bloße Einbildung ist oder tatsächlich real.

Limitierte Optik

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Dokument erstellt am 2018-03-27 15:53:57


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