Marie Bäumer als lebensfrohe und zugleich betrübte Romy Schneider in Emily Atefs Spielfilm "3 Tage in Quiberon". - © Filmladen
Marie Bäumer als lebensfrohe und zugleich betrübte Romy Schneider in Emily Atefs Spielfilm "3 Tage in Quiberon". - © Filmladen

Marie Bäumer ist erleichtert. Ein bisschen angespannt war sie schon, als bei der vergangenen Berlinale ihr neuer Film "3 Tage in Quiberon" (ab Freitag, 13. April, im Kino) Premiere hatte. Doch dann war der Schlussapplaus überragend, und die Anspannung war weg.

Nachvollziehbar, dass die 48-Jährige nervös gewesen ist: Spielt sie im Film doch nicht irgendeine Rolle, sondern schlüpft in die Haut von Schauspiel-Ikone Romy Schneider, die man ihr wegen der zweifellos vorhandenen optischen Ähnlichkeit schon seit Jahren angeboten hatte; doch Bäumer wollte kein Bio-Pic spielen, sondern wartete auf diesen Film von Emily Atef. Er erzählt nur einen kleinen Ausschnitt vom Ende ihres Lebens: Romy Schneider war 1981 zur (Entziehungs-)Kur im französischen Nobel-Küstenort Quiberon, als sie den damaligen Stern-Reporter Michael Jürgs (der später ihre Biografie schrieb) und den Berliner Fotografen Robert Lebeck zu sich bat, um ein großes, in viel Weinlaune gehaltenes Interview zu geben, das das zerrüttete Verhältnis von Romy und der deutschen Presse entwirren sollte; das Gegenteil war der Fall, und das Gespräch wird zu einer Vorführung dieser verletzlichen Frau, die nicht nur alkoholkrank und depressiv gewesen ist, sondern der kurz nach dem Interview ihr größter Schicksalsschlag noch bevorstand: Der Unfalltod ihres 14-jährigen Sohnes David, den sie selbst um kein Jahr mehr überleben sollte.

Fotostrecke 5 Bilder

"Wiener Zeitung": Frau Bäumer, Sie haben gesagt, dass Sie Parallelen zwischen sich und Romy Schneider entdeckt haben, zum Beispiel, dass Sie beide Erdzeichen sind. Glauben Sie an so etwas?

Marie Bäumer: Ich glaube nicht, ich beobachte das bei Menschen. Ich sehe, dass es bestimmte Parallelen gibt bei Menschen mit dem gleichen Sternzeichen. Erdzeichen stehen gerne mit beiden Beinen auf dem Boden. Sie sind sehr empfindlich für einen bestimmten Rhythmus, und Romy Schneider hat das mehrfach erwähnt, ein Rhythmus-Bedürfnis zu haben. Zu dem Zeitpunkt, zu dem der Film spielt, hatte sie diese Balance, ihren Rhythmus ja schon nicht mehr. Es fehlte ihr ein innerliches und äußerliches Zuhause. Das war der größte Konflikt in ihr. Man kann nicht gut weggehen, wenn man nicht weiß, wohin man zurückkommt. Der Schauspielerberuf fordert einen, weil er dich ganz und gar will. Und gerade als Schauspielerin und Mutter ist man immer mit einem schlechten Gewissen unterwegs, weil man die Kinder oft alleine lässt.

Sie haben bisher immer abgelehnt, Romy Schneider zu spielen. Warum diesmal nicht?

Es handelte sich bei diesen Angeboten stets um Bio-Pics. Erstens fand ich die Bücher schlecht, und zweitens wollte ich mir nicht anmaßen, als Schauspielerin eine Schauspiel-Ikone zu interpretieren. Damit kann man meiner Meinung nach nur gegen die Wand fahren. Für mich war das Thema Romy Schneider schon längst abgeschlossen, außer, man würde mir anbieten, eine Episode vom Ende ihres Lebens zu spielen, in der eine Verdichtung stattfindet. Als das Buch auf meinem Tisch landete, in dem es um dieses legendäre Interview mit Michael Jürgs und Robert Lebeck 1981 in Quiberon ging, wusste ich: Das kann und will ich spielen.