Thomas Bernhard ist am 12. Februar 1989 in seiner Gmundner Wohnung an Herzversagen gestorben, drei Tage nach seinem 58. Geburtstag, drei Monate nach der Uraufführung von "Heldenplatz" am Wiener Burgtheater. Jener Theaterabend löste einen beispiellosen Skandal aus, der die gesamte Republik erfasste. Dieser Bühnentriumph war spektakulärer Schlusspunkt einer langen Reihe von Aufregungen rund um Thomas Bernhard, der wie kaum ein anderer die Österreicher polarisierte.

Nestbeschmutzer für die einen, Sprachrohr der anderen. Vom Präsidenten bis zum Taxi-Fahrer, jeder hatte seinerzeit eine explizite Meinung zu Thomas Bernhard. Seine Romane und Theaterstücke verdeutlichen, wie viel Sprengstoff bedrucktem Papier innezuwohnen vermag. Wie ist es heute, bald 30 Jahre nach seinem Tod, um den Dichter bestellt?

Auf den ersten Blick wird dem Autor eine fast schon übertriebene Verehrung und Klassikerliebe entgegengebracht, wurde er einst so heftig attackiert, gilt er nunmehr als sakrosankt. Das verdeckt aber nur, dass er vielerorts nach wie vor auf Ablehnung stößt. Diese ambivalente Haltung gegenüber dem großen österreichischen Schriftsteller deckt der Dokumentarfilm "Der Bauer zu Nathal" auf vielfältige Weise auf. "Der Film ist bewusst auf Kontraste aufgebaut", sagt Matthias Greuling. Der Filmkritiker der "Wiener Zeitung" hat gemeinsam mit dem Ö1-Journalisten David Baldinger den Film realisiert, der nach der Uraufführung in Oberösterreich nun im Wiener Stadtkino und demnächst in Graz zu sehen ist. Finanziert wurde der Film allein über Crowdfunding. "Wir konnten 15.000 Euro lukrieren und damit zumindest die Produktionskosten decken. Das war mehr, als wir erhofften, daran lässt sich ablesen, welche Bedeutung der Name Thomas Bernhard hat", sagt Greuling und fährt fort: "Uns interessierte, wie eine agrarisch orientierte Landgemeinde wie Ohlsdorf mit dem zentnerschweren Erbe umgeht."

Bösartig und vernichtend

Da Baldinger aus Ohlsdorf stammt und als Nachbar des Schriftstellers aufwuchs, gelang es den beiden Filmemachern, mit den Dorfbewohner unverstellt ins Gespräch zu kommen.

Zu Wort kommt etwa eine junge Dorfbewohnerin, die freimütig erklärt, noch nie eine Zeile des berühmten Schriftstellers gelesen zu haben, oder ein Heimatbuchautor, der gesteht, wie schwer er sich mit der Bernhard-Lektüre tue, hingegen sprechen Schauspielerinnen wie Sunnyi Melles und ORF-Anchorman Tarek Leitner über ihre Bernhard-Begeisterung.

1965 kaufte Bernhard den Vierkanthof in Ohlsdorf vom ehemaligen Immobilienhändler Ignatz Hennetmair. Er war mit Bernhard befreundet, bis er sich mit ihm überwarf, was ihn nicht daran hinderte, 2000 seine Erinnerungen in dem Band "Ein Jahr mit Thomas Bernhard" herauszubringen. Im Film erfährt man auch, dass Bernhard damals den Nachbarn um nur 5000 Schilling überboten hatte, was freilich zu einer lebenslänglichen nachbarschaftlichen Verstimmung führte. Den Landsitz, von Bernhard als "Denk- und Schreibkerker" bezeichnet, beschrieb der Autor einmal so: "Obernathal Nummer zwei, dreißigmaldreißig Meter, aus Stein gedeckt, mit größeren und mit kleineren Stallungen für das Rindsvieh, die Schweine und das Geflügel, mit Stadel und Scheune, Selchkammer unter dem Dach und drei Mostkellern unter der Erde."