• vom 22.04.2018, 08:30 Uhr

Film

Update: 22.04.2018, 08:35 Uhr

Filmkritik

Ein schmaler Grat




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Von Matthias Greuling

  • Der Episoden-Thriller "Zauberer" verwebt die Abgründe mehrerer Protagonisten miteinander.

Ehepaar im Film wie im Leben: Nicholas Ofczarek und Tamara Metelka spielen zusammen.

Ehepaar im Film wie im Leben: Nicholas Ofczarek und Tamara Metelka spielen zusammen.© Thimfilm Ehepaar im Film wie im Leben: Nicholas Ofczarek und Tamara Metelka spielen zusammen.© Thimfilm

Ein Psychiater (Nicholas Ofczarek) will seiner blinden Freundin (Ofczareks Ehefrau Tamara Metelka) in allerlei Vielfalt die Welt beschreiben, dazu gesellen sich auch (sexuelle) Abgründe. Eine Schulkrankenschwester entführt einen Schüler, die Mutter eines Kindes im Wachkoma verdingt sich mit einem Call-Boy und ein Schüler, der seine Nummer für Sexdienste an eine Toilettenwand schmiert, bringt all die Episoden auf wundersame Weise zusammen.

Lose miteinander verknüpfte Episoden als Kaleidoskop über Liebe, Leidenschaft, Einsamkeit und Perspektivenlosigkeit machen "Zauberer" (derzeit im Kino) zu dem, wofür das österreichische Filmschaffen bekannt geworden ist: ein Haufen Tristesse, ein tiefer Blick in die österreichische Seele, viel Finsternis, viele vergletscherte Gefühle. Regisseur Sebastian Brauneis hat mit "Zauberer" eine schmale Gratwanderung zwischen den menschlichen Abgründen unternommen und einen unkonventionellen Episodenfilm gedreht, dessen fahrige Machart und seine letztlich allesamt gescheiterten Protagonisten auffallen. Neben Brauneis und dem Grazer Schriftsteller Clemens Setz wirkte auch Nicholas Ofczarek am Drehbuch mit, das in Graz bei der Diagonale einen Drehbuchpreis erhielt.

Brauneis füllt sein Figurenkabinett mit vielschichtigen Persönlichkeiten. "Allen gemein ist, dass sie in sehr starken Abhängigkeitsverhältnissen stehen", so der Regisseur. "Es geht in diesem Film viel um Ohnmacht, viel um Manipulation und im Endeffekt um Ermächtigung." Brauneis hat die Einsamkeit seiner Figuren zum treibenden Motor für seine Geschichte erkoren, denn: "Ich halte Einsamkeit für eine der Urkräfte unserer Existenz. Manchmal sind wir in Gesellschaft und suchen Einsamkeit, manchmal sind wir einsam und suchen Gesellschaft. Es ist ein komplexes und intensives Gefühl. Der Großteil unseres Handelns zielt darauf ab, damit umzugehen. Jede Zusammenkunft in einem Theater, jedes Aufdrehen des Fernsehens und jedes Browsen in sozialen Netzwerken ist eine Strategie von Einsamkeitsbewältigung", ist der Filmemacher überzeugt.

Einsamkeit und die Ventile,
die den Druck regulieren

Genau deshalb ist Einsamkeit das bestimmende Thema des Films, oder besser: "Wie sehr ist man Herr seiner eigenen Einsamkeit", fragt Brauneis. Tatsächlich gibt es für die Figuren allerlei Ventile, die ihnen Druck nehmen, oder ihn aufbauen, je nachdem, ob sie offen oder geschlossen sind.

Brauneis, Jahrgang 1978, arbeitete bislang als Autor von Theaterstücken und schrieb und inszenierte etliche Folgen der Satire "Bösterreich" und der "Sendung ohne Namen". "Zauberer" ist sein erster abendfüllender Spielfilm, den er in nur 22 Drehtagen realisierte. Dabei war es dem Regisseur wichtig, keinen Moden zu folgen: "Die Sehnsucht der Leute nach dem Rohen, Ursprünglichen, die Tendenz, mit Laien und ohne Buch zu spielen - es ist nicht mein Weg. Vielleicht bin ich diesbezüglich anachronistisch und ein Regisseur, der Filme wie vor 30 Jahren macht. Ich finde, man soll möglichst nahe bei sich selber sein. Stil ist ein Ausdruck der Persönlichkeit, der Rest ist Mode. Mein Film ist weder ein Produkt noch ein Genre, das auf eine bestimmte Gruppe abzielt", sagt Brauneis.

Zugleich streicht der Regisseur auch heraus, wie gering seine Eigenleistung an "Zauberer" eigentlich ist. "Es gibt Zaubertricks in diesem Film, aber ich suche nur aus, welche vorkommen sollen", so Brauneis. "Die Tricks selbst machen die Kamera, das Licht, die Leute, die für den Schnitt verantwortlich sind und so fort. Das ist das Schöne an meinem Beruf. Ich darf mit Leuten zusammenarbeiten, die große Künstler sind und wirklich etwas können. Ich muss nur erklären können, was ich mir vorstelle, was ich gern könnte. Ich glaube, ich kann da am wenigsten. Aber ich kann die Leute so lange sekkieren, bis sie sich mit mir über unser gemeinsames Ziel, das Geschichtenerzählen, auseinandersetzen."

Bleibt noch die Frage, wie magisch "Zauberer" eigentlich ist, beziehungsweise: Wer der Zauberer in "Zauberer" ist? "Es ist das Publikum", sagt Brauneis. "Denn ohne das Publikum existiert der Film nicht."




Schlagwörter

Filmkritik, Kino, Zauberer

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-20 16:48:24
Letzte Änderung am 2018-04-22 08:35:27



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