Ellen Page bändigt Zombies in "The Cured", der in der Reihe "Nachtsicht" läuft. - © Crossing Europe
Ellen Page bändigt Zombies in "The Cured", der in der Reihe "Nachtsicht" läuft. - © Crossing Europe

Linz. Filmkunst muss und will man sich leisten in Linz: Das Filmfestival Crossing Europe, das diesen Mittwoch eröffnet wird, feiert in diesem Jahr sein bereits 15-jähriges Bestehen und ist - auch dank der alljährlich mehr als 23.000 Besucher - aus dem Kulturangebot Oberösterreichs nicht mehr wegzudenken. Und das, obwohl die Finanzierung der sechstägigen Filmschau keineswegs ein einfaches Unterfangen ist. Festivalleiterin Christine Dollhofer: "Die finanzielle Lage des Festivals ist zwar stabil, aber immer prekär. Das Commitment der Fördergeber aus Österreich ist erfreulicherweise und trotz einer großen Unsicherheit im Vorfeld schlussendlich gleich geblieben. Eine Valorisierung der Förderbeträge ist daher dringend notwendig, da jährlich steigende Kosten in allen Organisationseinheiten schlagend werden, alle Einnahmequellen erschöpft sind und auch die Gegenleistungen immer komplexer werden." Die stagnierenden Kulturbudgets in Österreich wären real ein Rückschritt, denn ein Gleichbleiben der Fördergelder "bedeutet automatisch weniger, da die Indexanpassung nicht berücksichtigt wird", so Dollhofer.

Für Crossing Europe 2018 kann Dollhofer aber dank des Engagements vieler mittelständischer Firmen auf ein "einigermaßen solides finanzielles Fundament" verweisen. "Für die Zukunft ist es jedoch unumstößlich, die Rahmenbedingungen, sprich die Finanzierung für Crossing Europe auszubauen. Aus der Erfahrung der jährlich von Neuem vorzunehmenden Finanzierung und den sehr späten Zusagen ist es oft mit großen Risiken verbunden, vorausschauend zu planen", sagt die Festival-Intendantin, die die Filmschau auch gegründet hat. Weshalb ihr Struktur, Umfang und Programm natürlich besonders am Herzen liegen. Dieses Jahr hat Dollhofer insgesamt 182 Filme aus 40 Ländern auf dem Spielplan, die allesamt einen Einblick in unterschiedlichste europäische Lebensentwürfe bieten. "Zu entdecken gilt es aktuelle gesellschaftspolitische, aber auch künstlerisch-exzentrische Arbeiten genauso wie Highlights der vergangenen Festivalsaison und lokales Filmschaffen", so Dollhofer.

Europäisches Festival

"Crossing Europe versteht sich als gesamteuropäisches Festival, das neben einer geografischen vor allem auch für eine kinematografische Vielfalt steht, wobei wir auf politische und ästhetische Grenzziehungen bewusst keine Rücksicht nehmen." Das Vorwort aus dem ersten Festival-Katalog von 2004 hat bis heute unverändert Gültigkeit, und bisher sind 245.000 Besucher dem Ruf der Filmschau gefolgt, gepaart mit 1500 Filmgästen bei insgesamt 415 Weltpremieren.

Zum Auftakt stehen wieder sechs Eröffnungsfilme zur Wahl, darunter Kornél Mundruczos "Jupiter’s Moon" über die Reise eines jungen Syrers, der mit seinem Vater von Serbien nach Ungarn unterwegs ist. Der schwedische Beitrag "Silvana" porträtiert die schwedische Rapperin Silvana Imam, die einen syrischen Vater und eine litauische Mutter hat. In "Soldiers. A Story from Ferentari" geht es Regisseurin Ivana Mladenovic um eine schwule Romeo-und-Julia-Geschichte, angesiedelt in der Roma-Community Bukarests. Man sieht: Das Programm von Crossing Europe hat sich einmal mehr den gesellschaftlichen Rändern und den Immigrationsproblemen dieses rasch groß gewordenen Kontinents angenommen, die durchwegs intensiver Rezeption bedürfen.

Aber es geht in den unterschiedlichen Programmsektionen (darunter ein Spielfilm- und auch ein Dokumentarfilm-Wettbewerb) nicht nur um die ganz ernsten Themen. Die Reihe "Nachtsicht" etwa widmet sich dem Horror-Genre; hier ist heuer unter anderem "The Cured" von David Freyne zu sehen, in dem Ellen Page in einer von Zombies übersäten Welt ihren infizierten Schwager bei sich aufnimmt, um ihn als unschädlich gemachten Zombie in die normale Welt zu reintegrieren. Da sage noch einer, Splatter-Horror-Filme hätten keine Botschaft.