• vom 12.05.2018, 07:30 Uhr

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Ein Land - zwei Filme




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Von Susanne Veil

  • Zwei Dokumentationen zeigen palästinensisches und israelisches Leben 70 Jahre nach Israels Staatsgründung.

Ein friedliches Miteinander bleibt in Israel ein Traum - auch 70 Jahre nach Staatsgründung. - © reuters/Amir Cohen

Ein friedliches Miteinander bleibt in Israel ein Traum - auch 70 Jahre nach Staatsgründung. © reuters/Amir Cohen

Vielleicht gibt es Gräben, die zu tief sind, Welten, die zu weit auseinander liegen, als dass man sie in einem Film unterbringen könnte. Bei den beiden Dokumentationen, die zum 70. Jahrestag der Staatsgründung Israels das dortige Leben zeigen, hat man diesen Eindruck.

In "Unser Kampf" beleuchtet Simon Wieland "Eine Familie, drei Generationen, neun Kriege". Damit zeigt er 70 Jahre israelischer Geschichte im Familienkosmos. Mira Fritzi Kurz ist Holocaustüberlebende, ihre Kinder gehören zur zweiten Generation, ihre Enkel, als die dritte Generation, sind nun erwachsen. Enkel und Großeltern haben oft eine besondere Beziehung. Der Film beginnt deshalb in Wien in der Rembrandtstraße 30 im 3. Stock, wo Miras Enkel Orr vergeblich versucht, die alte Wohnung seiner Großmutter zu besuchen. Während sie und ihr Mann das Trauma des Holocausts vor ihren Kindern fernzuhalten versuchten, kommt es im Alter hervor und wird mit den Enkeln offener besprochen. Die 83-jährige Mira erinnert sich: "Wir wollten nicht, dass unsere Kinder mit diesen schrecklichen Sachen aufwachsen. Nur am Abend, wenn es finster war und die Kinder schlafen gingen, dann gingen wir spazieren und haben darüber gesprochen."


Das Leben ihrer Kinder war von anderen Kriegen geprägt. Einen Tag nach der Proklamation des Staates Israel begann der Unabhängigkeitskrieg, dann kam der Sechs-Tage-Krieg, dann noch ein Krieg und dann noch einer: "Alle unsere Erinnerungen sind mit Kriegen verbunden. Wir können nicht fünf Minuten über etwas sprechen, ohne einen Krieg zu erwähnen. Unglaublich. Ein wunderbares, verfluchtes Land", so nennt Mira Israel. Der Film wirft einen durchaus kritischen Blick auf die jüngste Geschichte Israels. Die zweite Generation hatte noch die Hoffnung auf Frieden, die dritte hat sie nicht mehr. "Es ist sehr einfach zu sagen, wer gut und wer böse ist, wer foltert und wer leidet - am Ende aber leiden alle", sagt Miras Enkelin Keren.

Der Film verknüpft schlüssig die persönliche Familiengeschichte mit der Politik Israels, weil beides in einem traumatisierten Land nicht voneinander zu trennen ist. Damit ist es die Leistung von "Unser Kampf" hier für Verständnis zu sorgen: Die Vergangenheit erklärt die Gegenwart. Ari, Miras Sohn, aus der zweiten Generation sagt: "Obwohl wir den Holocaust nicht erlebt haben, liegt es in unserem Verhalten wie eine DNA. Wir haben Angst - die dritte Generation, sie fürchtet sich vor nichts." "Ich habe nie Hass empfunden wegen der Shoah. Hass hat das möglich gemacht", sagt Enkel Orr. "Das innere Problem, das wir heute haben, denke ich, ist größer als die Palästinenser. Weil Israel nicht homogen ist. Wir sind so verschieden und wollen so verschiedene Dinge", so Keren, die Enkelin. Sie fügt hinzu: "Die Menschen in diesem Land sind sehr extrem und tun extreme Dinge." Die dritte Generation verlangt gegenseitigen Respekt, zwischen Orthodoxen und Liberalen, Juden und Palästinensern. "Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird Israel als Staat nicht überleben", ist ihnen bewusst.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-11 15:51:45
Letzte Änderung am 2018-05-11 16:43:28



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