Was genau Hunde auf einer Müllinsel mit Japan verbindet, darauf hat auch US-Regisseur Wes Anderson keine Antwort. Die Idee, beides zu verbinden, ging ihm jedoch schon länger durch den Kopf. Herausgekommen ist "Isle of Dogs", in dem ein Hunderudel einem Buben namens Atari hilft, seinen Spots auf jener Müllinsel zu suchen, auf die Megasaki Citys Bürgermeister alle Hunde verbannt hat. Der Film wurde bei den 68. Internationalen Filmfestspielen Berlin gut aufgenommen und Anderson gewann den Silbernen Bären für die Beste Regie.

In den USA änderte sich der positive Grundtenor, einige Kritiker warfen dem Film, der seit dieser Woche auch in den heimischen Kinos zu sehen ist, kulturelle Aneignung, also die Kommerzialisierung traditioneller Gegenstände der Kultur verschiedener Ethnien vor. Der asiatische Schauplatz sei orientalisiert und weiße Figuren würden als Retter dienen, während die japanischen Figuren flach blieben. Wenn in den USA bereits verpönt, wie würden dann erst die Japaner ab dem Filmstart Ende Mai reagieren? Er wird ihnen gefallen, gab sich der japanische Autor und Schauspieler Kunichi Nomura, der Anderson als Berater und Übersetzer für den Film diente, bei der Pressekonferenz in Berlin optimistisch.

Spielball der Stereotype

Weit hergeholt ist diese Annahme nicht. In der Regel haben die Japaner kein Problem mit der Hollywood-Interpretation ihrer Kultur. Doch hier geschieht das vor einem anderen Hintergrund als in den USA. In Japan herrschen weder ethnische Vielfalt noch ein historischer Rassendiskurs vor. In den USA dagegen waren asiatische Figuren jahrzehntelang Spielball zahlreicher Stereotype, die im Gegensatz zur "weißen Norm" standen.

Kulturelle Sensibilität ist eine jüngere Entwicklung sowie die wachsende Bedeutung des asiatischen Marktes für das Box Office Ergebnis. Die Frage, die sich daher stellt, ist: Darf Wes Anderson überhaupt einen Film über Japan machen? Prinzipiell darf er das natürlich. So wie der Brite Danny Boyle über einen indischen Buben oder der Taiwanese Ang Lee über schwule Cowboys. Die Frage ist vielmehr, ob dies entlang gewisser Voraussetzungen passiert.

Es ist wichtig, die Kultur vorab besser kennenzulernen, um sie authentisch umzusetzen. Anderson, so auch die Kritiker, gelingt ein gut recherchierter Umgang mit dem Land. Inhaltlich geizt er auch nicht mit Anlehnungen an die japanischen Filmemacher Akira Kurosawa und Hayao Miyazaki. Eine weitere Herausforderung ist, nicht nur jene Elemente zu zeigen, die besonders exotisch wirken. Anderson inkludiert zwar viele japanische Identifikatoren, wie etwa das Kabuki-Theater, Sumo-Ringer, Haiku-Poesie sowie Taiko-Trommeln, ihm das vorzuwerfen ist jedoch schwer.