Wenn man Wim Wenders danach fragt, ob er ein gläubiger Mensch ist, dann zögert er nicht lange: "Ja, das bin ich. Ich wuchs mit einer katholischen Erziehung auf, habe aber später die Konfession gewechselt. Heute bin ich Protestant. Das lag mir mehr, weil es da nicht so viele Hierarchien gab".

Ausgerechnet dieser Mann wurde vom Vatikan höchstselbst darum gebeten, sich des derzeitigen Papstes und seines Pontifikates anzunehmen und daraus einen Dokumentarfilm zu machen. "Meine religiöse Zugehörigkeit war überhaupt kein Problem", sagt Wenders, der in "Papst Franziskus" das Oberhaupt der katholischen Kirche nicht nur in aller Genauigkeit vorstellt, sondern den Papst selbst vor die Kamera bittet: im Film spricht Franziskus in ausführlichen Interviewpassagen nicht nur mit Wenders, sondern vor allem auch zu seinem Publikum.

"Es ist eine außergewöhnliche Arbeit gewesen", erzählt Wenders im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" beim Filmfestival in Cannes. "Man kann sich das gar nicht vorstellen, doch auf einmal steht Franziskus da und beginnt, mit mir zu reden. Stundenlang".

Diese Gespräche sind - neben vielen Aufnahmen aus dem Archiv des Vatikan, die tragenden Säulen von "Papst Franziskus"; manch einer aus dem Umfeld der katholischen Kirche, der sich genauer mit dem Prozedere im Vatikan auskennt, vermutet hinter dem Film ein bisschen Propaganda, oder, treffender gesagt: einen Imagefilm, der die positiven Seiten dieses Pontifikates hervorhebt, während er die weniger gut verkaufbaren Konflikte, die sich auch gegen Franziskus vor allem im konservativen Flügel des Vatikan regen, ausspart.

Wie dem auch sei: "Man hätte natürlich einen ganz anderen Film bekommen, hätte ich die Kurie und alle möglichen weiteren Aspekte berücksichtigt", so Wenders. Doch der inzwischen 72-jährige Regisseur entschied sich, dem Papst eine Bühne zu bieten, "die Franziskus auch verdient. Er hat in der katholischen Kirche mit Sicherheit etwas angestossen, das sich nicht mehr aufhalten oder umkehren lässt".

Den Film wird Franziskus übrigens niemals zu Gesicht bekommen. "Er hat mich gleich vorgewarnt: Der Papst hat zwar gehört, dass ich Filmemacher bin und es wurde ihm versichert, dass man mir vertrauen könne, aber die Filme selbst sieht er sich nie an. Für Kino, das hat der Papst mir gesagt, habe er leider keine Zeit. Da gibt es durchaus wichtigeres"