• vom 17.05.2018, 09:11 Uhr

Film

Update: 17.05.2018, 09:21 Uhr

Cannes 2018

Ein halber Österreicher in Cannes




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Von Matthias Greuling aus Cannes

  • "Yomeddine" des Austro-Ägypters A.B. Shawky verzückt das Cannes-Publikum.

Der halbösterreichischeRegisseur A. B. Shawky und seine Produzentin Dina Emam gehen mit ihrem Erstlingsfilm im Wettbewerb in Cannes an den Start. 
- © Katharina Sartena

Der halbösterreichischeRegisseur A. B. Shawky und seine Produzentin Dina Emam gehen mit ihrem Erstlingsfilm im Wettbewerb in Cannes an den Start.

© Katharina Sartena

Abu Bakr Shawky nennt sich nur kurz A. B. Shawky, und das hat damit zu tun, dass er auf diese Weise nur wenig über seine Herkunft preisgibt: "Dadurch wissen die Leute weder von meinem Background noch von meiner Religion bescheid, sondern können meinen Film ganz ohne Vorkenntnis ansehen. Ich will schließlich zuallererst für meine Arbeit beurteilt werden", sagt der Halbägypter.

Sein Film "Yomeddine" läuft in Cannes im Wettbewerb um die Goldene Palme, und das ist alles andere als selbstverständlich: Denn Shawky hat es geschafft, mit seinem Debütfilm in den Wettbewerb zu gelangen - ja, es ist sogar der Abschlussfilm, den er an der berühmten New Yorker NYU-Hochschule fertiggestellt hat.

"Wir kannten niemand im Filmbusiness", so Shawkys Produzentin Dina Emam, die den Film mit Crowdfunding-Geldern, NYU-Budgets und Familienspenden finanziert hat. "Wir haben den Film einfach nach Cannes geschickt, und zunächst hatten wir die Zusage für die Nebenreihe ‚Un certain regard‘ erhalten", so Emam. "Schon da waren wir komplett aus dem Häuschen. Als wir dann hörten, dass wir sogar in den Wettbewerb aufgenommen wurden, kannte unsere Freude keine Grenzen mehr".

Ein Upgrade, das Wellen schlägt, denn "Yomeddine" erwies sich in einem sehr durchwachsenen Wettbewerb als einer der früh gezeigten kleinen Highlights: Die Geschichte zirkelt um einen verkrüppelten Mann aus einer Lepra-Kolonie in Ägypten, der mit viel Verve und Lebensmut auf die Suche nach seinen Wurzeln geht: Diese wahre Geschichte passiert tausenden Kindern, die von ihren Eltern einfach weggelegt werden und ihre Biografie nicht kennen. Zauberhaft gespielt von tatsächlichen Mitgliedern aus einer solchen Kolonie, die allesamt Laien sind, entwickelt sich der Film zu einem überaus launigen und lebensbejahenden Roadmovie durch Ägypten.

A.B. Shawky hat eine Besonderheit, die den Film, dem man hier durchaus Preischancen einräumt, zu einem halben Österreicher macht: Shawkys Mutter stammt aus Kärnten. "Ich habe einen ägyptischen und einen österreichischen Pass, und habe meine ganze Kindheit in Kärnten verbracht, auf Urlaub und an den Seen", so Shawky. "Ich liebe dieses Land und bin froh, dass ich auch viel Unterstützung von meiner Familie aus Österreich erhalten habe, um diesen Film fertigstellen zu können."

Die außergewöhnliche Entstehungsgeschichte des Films findet im Cannes-Bewerb nun seinen vorläufigen Höhepunkt. Detail am Rande: A. B. Shakwys Lehrer an der NYU war niemand geringerer als Regie-Legende Spike Lee. Ausgerechnet der ist heuer auch im Wettbewerb von Cannes mit seinem Drama "BlacKkKlansman" vertreten. "Unfassbar, mein Lehrer und ich sind im Rennen um dieselben Preise." Man darf gespannt sein, ob einer der beiden das Rennen macht.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-17 09:12:31
Letzte Änderung am 2018-05-17 09:21:32


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